"Mit der ‚neuen Unübersichtlichkeit‘, wie sie Jürgen
Habermas nannte, beschäftigt sich auch Roland Bickmann. Doch sein Blick
ruht nicht nur auf den Kunden, sondern auf dem menschlichem Faktor im
unternehmerischen Handeln überhaupt. Denn der wird, wie Bickmann
beobachtet, leider gerne aus strategischen Entscheidungen
herausgerechnet.
Pythagoras mit seinem Credo ‚Alles entspricht der Zahl‘ ist aus
Bickmanns Sicht der Vater aller Manager: Was man nicht rechnen kann,
existiert für eine betriebswirtschaftlich trainierte Führungskraft in
der Regel nicht. Da die Welt aber immer komplexer wird - ‚früher
benötigte eine Technologie zu ihrer Durchsetzung 20 oder 30 Jahre, das
Internet jedoch erreichte eine Präsenz von über 110 Millionen Nutzern
weltweit in circa vier Jahren" - und immer weniger berechenbar,
scheitern die Pragmatiker. Bickmanns Rettungsvorschlag ist eine
Versöhnung von natur- und sozialwissenschaftlichen Ansätzen in dem
richtig verstandenen Bemühen um eine Corporate Identity (CI).
Freilich ist Bickmann zu intelligent, um einen Zehn-Punkte-Bauplan
für die ‚richtige‘ Unternehmenskultur mitzuliefern; auch mit der
weitverbreiteten Gleichsetzung von CI mit einem neuen Logo hat er nichts
am Hut. Vielmehr ist Bickmann einer der letzten Idealisten, der noch zu
hoffen wagt, dass Manager im Zeitalter des Shareholder Value die ihnen
anvertrauten Systeme durch eine ‚ganzheitliche Sichtweise‘ zum
Erfolg führen könnten. Dennoch bleibt der Leser mit dem Gefühl ‚allein
mir fehlt der Glaube‘ zurück. Das hat allerdings wenig mit Bickmanns
Beweisführung zu tun und viel mit der Kenntnis von real existierenden
Unternehmen und ihren Managern. - Barbara Bierach"
Aus: PR Guide, Juni 1999
"Zunächst muss man beim vorliegenden Band dankbar
konstatieren, dass er nicht hochstapelt: Es sollen lediglich "Impulse für das
Management von Komplexität" gegeben werden, nicht mehr. Folgerichtig spricht der
Autor auch von der "Chance" Identität, nicht von einem Allheilmittel. Und eine
Chance kann man nutzen oder sie verstreichen lassen. Bickmann nutzt seine Chance, das
Thema ebenso gründlich wie anschaulich anzupacken. Obwohl der Autor kein
wissenschaftliches Buch vorlegen möchte, verweist er doch auf die Forschungsgeschichte
und den seriösen Charakter der Arbeit, die zu einer Publikation im Springer Verlag
geführt habe.
Nach einer Bestandsaufnahme, in der Bickmann in die Grundzüge der Organisationslehre
einführt und das Unternehmen als soziales System darstellt, kommt der Autor auf den
Begriff Corporate Culture zurück, der als Basis für Identität beschrieben wird.
Großartige Neuigkeiten lassen sich dazu auf der vom Autor gewählten Darstellungsebene
zwar nicht erwarten, aber die Ausweitung auf den internationalen Kontext, mit dem die
aktuelle Mergerwelle und Change-Prozesse aufgegriffen werden, überrascht mit einer
Vielzahl einleuchtender Beispiele.
Nach diesen Vorbereitungen arbeitet Bickmann unter Mithilfe einiger Gastautoren die
"Dimensionen" der Identitätsgestaltung durch Kommunikationsprozesse heraus.
Hier greifen neben den Bickmann-Kollegen Annette Kleinfeld und Timon Beyes
auch Marcus Schad, Gero Ulmrich und ZEIT-Redakteur Uwe Jean Heuser zur Feder.
Heuser, schreibt Bickmann in seinem Vorwort, sei der eigentliche "Verursacher"
für diese Publikation. Bemerkenswert sind die Beiträge von Annette Kleinfeld, die sich
im Beratungshaus Bickmann um Corporate Ethics bemüht. Identität auch und nicht zuletzt
durch moralische Integrität das ist Kleinfelds Credo.
Fazit: Die systematische Darstellung und Ausführlichkeit des Bandes sucht in der
erhältlichen Literatur ihres gleichen, auch wenn in den Details nicht immer das Rad neu
erfunden werden kann. Diese Erwartung wäre beim Thema Corporate Identity, das in den
letzten Jahren wenig ernsthafte Impulse erfahren hat, auch überzogen.
Dass Aufbau und
Pflege einer Unternehmensidentität damit aus der aktiven Beratungspraxis nicht
verschwunden sind, sondern aus theoretischen Konzepten in handhabbare Operationalisierung
überführt wurden, macht der vorliegende Band deutlich."
Wertung: Konzeptionelle Qualität:
Praktische Nützlichkeit:
Der Rezensent Lars Rademacher, M.A., ist PR-Redakteur in Hannover und Lehrbeauftragter
für Medienwissenschaften und Unternehmenskommunikation an der Universität Siegen. eMail:
lars_rademacher@ hotmail.com
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