Aus: Euro am
Sonntag 2/99, 10.01.1999"Der Verkäufer beugt sich leicht vor, senkt
hörbar die Stimme und meint bedauernd zum Kunden: "Wissen Sie, die da oben, die
reden viel. Aber daran halten tun die sich auch nicht. Die fordern immer nur. Der Druck
auf meine Kollegen und mich ist enorm." Der Kunde wird vom Verkäufer so zum
Komplizen gemacht, in der Hoffnung, dass er schlechten Service oder Fehler verzeiht.
Über die Servicewüste Deutschland sind schon etliche Buchseiten bedruckt worden. Roland
Bickmann und Marcus Schad nähern sich dem Thema deshalb von einer anderen als der
üblichen Sichtweise: Nicht von außen, aus der einen Kundensicht packen sie das Thema an
- sondern von innen. Denn, so ihre Kernaussage: "Mit der Kundenzufriedenheit ist es
wie mit der Schönheit - sie kommt von innen." Dass es damit nicht zum allerbesten
steht - stehen kann - kann man an der Tatsache festmachen, dass nach Jahren der
personellen Verschlankung vieler Firmen die Motivation der Mitarbeiter sich gegen Null
neigt. Eine Studie der Fachhochschule Rheinland-Pfalz hat zum Beispiel ergeben,
dass jeder
vierte Mitarbeiter in deutschen Unternehmen schon innerlich gekündigt hat.
Das ist in höchstem Maße unerfreulich. sowohl für die Mitarbeiter als auch für die
Chefs, schließlich für die Kunden. Die bekommen von den frustrierten Angestellten bei
weitem nicht den freundlichen Service, den sie für ihr Geld erwarten dürften. Das
wiederum kommt die Firmen auf die Dauer teuer zu stehen: je nach Branche ist eine
Kundenbeziehung erst nach zwei bis vier Jahren profitabel. Gleichzeitig steigen die Kosten
für die Gewinnung neuer Kunden ständig. Sprich: Es wird immer wichtiger, den vorhandenen
Stamm zu halten.
Voraussetzung für ein gutes Verhältnis zu den Kunden ist nach Ansicht der Autoren,
dass
die Chefs ihre Mitarbeiter ebenso als Kunden betrachten, so dass sich jeder wohl fühlt
und sein volles Potential nutzt. Denn wenn es mit der Unternehmenskultur stimmt, stimmt
auch der Auftritt nach außen - und der Erfolg kommt von selbst." (Euro-Rating:
)
Aus: "Markt und Mittelstand" 1/99, Rubrik "Bücher für
Firmenchefs", S. 50.
Kaum einem Unternehmer wird wohl die Geschichte der Herren Karl und Köster großes
Vergnügen bereiten. Sie schildert, wie der außerordentlich erfolgreiche
Niederlassungsleiter eines Autohauses einen neuen Kollegen anfordert, um noch mehr
Fahrzeuge verkaufen zu können. Neun Monate lang ignoriert der Firmenchef die Bitte seines
leitenden Angestellten. Dann schickt er ihm ohne Rücksprache einen Berufseinsteiger zum
Anlernen: das Chaos nimmt seinen Lauf. Da sich der alte Hase neben seinen Kunden auch noch
um den Neuling kümmern muss, wird aus der erhofften Entlastung eine schwere Bürde. Es
kommt, wie es kommen muss. Durch den planlosen Personalschachzug des Unternehmers leiden
Beratungs- und Servicequalität - Kunden springen ab. Anhand diese Beispiels erklären die
Autoren anschaulich, warum Kundenzufriedenheit bei den eigenen Mitarbeitern beginnen
muss.
Roland Bickmann und Marcus Schad legen schlüssig dar, dass jeder Angestellte nicht nur
den Käufer, sondern auch seine Kollegen in Produktion und Verwaltung als Kunden
betrachten muss. Nur dann verhält er sich wirklich kundenfreundlich. An Vorgesetzte
appellieren die Autoren, eine kundenorientierte Firmenkultur und eine
Dienstleistungsmentalität zu kreieren, ohne die jede Serviceoffensive verpufft. Aus
diesem Buch können gerade streng hierarchisch denkende Unternehmer viel lernen: vor
allem, dass sich Kundenorientierung nicht von oben herab anordnen lässt.
[Wertung:
Lesbarkeit, Informationsgehalt, Praxiswert je 3/3 Punkte.]
Aus: Werben + Verkaufen, 13.11.1998
"Wahre Kundenorientierung beginnt im eigenen Unternehmen. Auch hier bestehen
Kundenbeziehungen. Die Kette reicht vom Umgang der Mitarbeiter untereinander bis zu ihrem
Verhalten gegenüber Lieferanten und Kunden. Diese Erkenntnis erweitert die traditionelle
Definition des Begriffs Kunde nachhaltig - und liefert gleichzeitig die
Vorlage für das vorliegende Buch. In diesem Zusammenhang fordern die Autoren dazu auf,
über eine entsprechende Qualifikation der Führungskräfte nachzudenken. Wer das
Potential an menschlichen Ressourcen voll erschließen will, muss im Unternehmen selbst
Kundenorientierung vorleben. Firmenkultur lautet das Zauberwort. Sie bildet
die Grundlage für kundenorientiertes Miteinander im Betrieb. Und wenn die internen Kunden
zufrieden sind, können auch externe Kunden überzeugend angesprochen werden. Nicht
zuletzt davon hängt der künftige Erfolg eines Unternehmens ab."