Aus: Handelsblatt - "Karriere", 12./13.4. 1996 "Nach
der Entdeckung des Produktionsfaktors Mensch als denkendes Wesen erlebten
mitarbeiterorientierte Managementmethoden ihre Hochzeit - bis in den vergangenen
rezessiven Jahren die knallharten Kostenrechner wieder die Oberhand gewannen. Theoretisch
und mit Beispielen belegen die Autoren ausgesprochen fesselnd ihre These,
dass nur die
Anwendung beider Prinzipien dauerhaft zum Erfolg führen kann. Der ungläubige Apostel
Thomas, der den Tod und die Wiederauferstehung Jesu nur glauben konnte, wenn er die Wunden
greifen konnte, muss herhalten, um Wirtschaftsbossen ihr eindimensionales Denken, mit dem
sie die Zukunft des Unternehmens gefährden, vor Augen zu führen. Bei ihrem Ritt durch
Geschichten und Geschichte bieten Bickmann und Schad einen Zusatz-Service: Sie erklären
Trendworte leicht verständlich."
Aus: Der Handel, 7-8/95
"Die betriebliche Praxis, unerschütterlich an Zahlen und ihre Bedeutung zu
glauben, nennen die Autoren Bickmann und Schad das Thomas-Prinzip. Der Apostel
Thomas war erst dann von der Auferstehung Jesu überzeugt, als er seine Finger in dessen
Wunden legen konnte. Erfolgreiche Unternehmen der Zukunft werden sich von diesem Prinzip
verabschieden müssen, glauben die Autoren.
Die analytischen Methoden der Betriebswirtschaft werden nicht abgelehnt. Notwendig sei
jedoch, das Unternehmen stärker als Sozialsystem zu begreifen. Die soft
factors, die sich nicht direkt in Zahlen ausdrücken lassen, gewinnen an Bedeutung,
sind die Autoren überzeugt. Der Unternehmensberater Roland Bickmann und der
Sozialwissenschaftler Marcus Schad bezeichnen ihr Konzept als integratives Management.
Ein Schlüsselbegriff ist dabei die Unternehmenskultur. Sie wird definiert als "die
Summe der Verhaltensweisen, die die Menschen in ihrem Unternehmen zur Bewältigung des
Alltags entwickelt haben". Den Begriff zu fassen werde durch mehrere Faktoren
erschwert: Unternehmenskultur sei der Veränderung unterworfen, größtenteils unsichtbar
und mehrschichtig. Das Verhalten der Unternehmensangehörigen werde durch die Branche und
sogar die jeweilige Abteilung geprägt. Die starre Übertragung von Modellen anderer
Länder, beispielsweise Japans, ist daher nach Ansicht von Bickmann und Schad nicht
möglich und entspricht dem verworfenen Thomas-Prinzip.
Eine Unternehmenskultur, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt, wird nach außen und
innen wirken, so die Autoren. "Hohe Qualifikation, Motivation, Leistungsbereitschaft
und Kundenfreundlichkeit sind Ausprägungsformen einer stabilen, nicht kopierbaren
Unternehmenskultur." All diese positiven Aspekte erreiche ein Unternehmen durch die
gemeinsame Sicht der Zukunft, die Vision. Voraussetzung: es müsse sich um ein
Sinnangebot handeln, das im Wettbewerb mit der privaten Sinngebung bestehen
könne. Aber: "Nicht jede neue Idee ist auch eine Vision." Inflationär
gebraucht, verlieren Visionen ihre Kraft, warnen Bickmann und Schad.
Die Autoren nehmen sich auch der Teilaspekte an, die häufig bereits mit der
Unternehmenskultur als Ganzem verwechselt werden: Corporate Design, Corporate Identity,
Corporate Communications und Corporate Images. Ein integratives Management beinhalte diese
Bausteine ebenso wie die neuen Schlagworte Qualitätsmanagement und Kaizen."
Aus: Der Volks- und Betriebswirt 5/95
"Den Menschen im Betrieb suchte man in herkömmlichen betriebswirtschaftlichen
Modellen oft vergeblich. Dafür rückt er jetzt immer mehr in den Blickpunkt der
Managementliteratur, wie die Begriffe Ganzheitliches Management, Change
Management und Management by Vision zeigen. In der betrieblichen Praxis
dominiert jedoch meist das Thomas-Prinzip: der unerschütterliche Glaube an
Zahlen und ihre Bedeutung.
Integratives Management verbindet beide Ansätze, indem die soft factors und
die analytischen Methoden der Betriebswirtschaft im Zusammenspiel gezeigt werden. Kern
dieses Konzepts sind sogenannte Bausteine der Unternehmenskultur, die beide Ebenen mit
konkreten Handlungsempfehlungen vernetzen. Diese Strategie verdeutlicht der Band mit
zahlreichen praktischen Beispielen und untersucht dabei kritisch den Wert von
Modekonzepten wie Lean Management über Total Quality Management bis ISO 9000."