Eine Bank ist eine Bank ist eine Bank?Gedanken zu kulturellen Fragestellungen bei der Fusion von Unternehmen Die Bankenlandschaft befindet sich in einem Strukturwandel. Betrachtet man die strukturelle Veränderung auf Ebene einzelner Unternehmen, so entstehen verschiedene Optionen, auf die neuen Anforderungen zu reagieren. Eine dieser Optionen ist die Fusion. Bei Banken eine Leichtigkeit. Aus zwei kleinen Instituten entsteht eben ein größeres. Leider ist es nicht so einfach. Das erste Warnsignal ist die Statistik: Rund 70 Prozent aller Fusionen scheitern. Der Hauptgrund sind oft die (unterschiedlichen) Kulturen der Unternehmen, die nicht zu integrieren waren. Doch liegt es wirklich nur daran? Die hohe Quote gescheiterter Zusammenschlüsse wirft ein Schlaglicht vor allem auf die Beteiligten. So scheinen nur 30 Prozent der Manager, die mit Fusionen zutun haben, dieses Geschäft zu verstehen. Oder auch: Kaum jemand würde einen Weg beschreiten, der zu 70 Prozent im Scheitern endet. Kultur
– schwer zu erfassen In der Betriebswirtschaft wird versucht, das von vielen Menschen gemeinsam Erarbeitete zu beschreiben, zu messen, zu qualifizieren. Es ist eine etablierte Methode – nur greift sie zu kurz. Schaut man auf die Bilanzen, so liefert die Betriebswirtschaft immer nur eine Rückschau. Sie zeigt auf, was war und erlaubt allenfalls Extrapolation. Auch Managementsysteme – von der Balanced Scorecard bis zum EFQM-Modell – erlauben zwar qualifiziertere Momentaufnahmen, beschreiben aber nicht die Kultur von Unternehmen. Die Kultur bedarf einer gesonderten Betrachtung. Sie muss selbst als Gegenstand, als Phänomen der Wirklichkeit eines Unternehmens betrachtet werden. Nur: Niemand lernt dies in den traditionellen Ausbildungswegen. Soziologische oder gar psychologische Phänomene gehören nicht in die (Schein-)Rationalität der Unternehmen. Sie sind zu oft ein blinder Fleck des Managements. Dies allein wäre hinnehmbar, aber eklatantes Fehlverhalten wie bei Enron oder gerade erst bei Parmalat machen deutlich, dass es offensichtlich zum Super-GAU führen kann, wenn die Werthaltungen im Unternehmen – jene weitgehend unbekannten „Treiber einer Kultur“ – aus dem Blickfeld geraten. Bei einer „faulen“ oder innovationsträgen Organisation mag man das noch hinnehmen. Werden die „Werte“ eines Unternehmens mit krimineller Energie unterwandert, dann kommt es zu fundamentalen Einbrüchen. Blindflug
nicht zur Methode machen Eine Fusion und erst recht gerade das, was aus einer Fusion entsteht, braucht Akzeptanz, braucht eine positive Strahlkraft und braucht eine begründete Perspektive, um Menschen – die am Ende jede Organisation tragen und personifizieren – zu engagieren, zu motivieren und mitzunehmen. Die Reduktion der Perspektive auf die Addition „Bank 1 + Bank 2 = Bank 3“ wird in den seltensten Fällen wirklich gelingen. Oft wird auf einer eher kosmetischen Ebene „das Neue“ mit viel Geld dargestellt und argumentiert. Im Vordergrund stehen das neue Corporate Design, Veränderungen an Gebäuden („Corporate Architecture“) oder eine verstärkte Pressearbeit, um positive Öffentlichkeit zu erzeugen. Der verantwortliche Top-Manager zeigt sich gerne als der Gestalter der Fusion: Der Nimbus und die Aura, „Geschichte geschrieben zu haben“, weht durch die Luft. Diese geübte Praxis verniedlicht in der Regel die Komplexität der Aufgabenstellung. Diese scheinbare „Leichtigkeit“ ist die Grundlage für das Scheitern der meisten Transaktionen. Fünf
Voraussetzungen 1.
Nur langfristige Konzepte sind attraktiv 2.
Es geht auch um Sinnfragen 3.
Authentizität 4.
Die Branchenidentität ist nachrangig 5.
Es geht um das „ganze Bild“ „Cultural
Due Diligence“
kann helfen Oft ist auch die Kulturintegrationsprognose Teil der Cultural Due Diligence. Hierbei geht es um den Versuch – oftmals reduziert auf Kostenfragen – die Aufwendungen und die Erfolgswahrscheinlichkeit eines Zusammenschlusses zu beurteilen. Diese Methode ist sicherlich sinnvoll, aber auch sie hängt von der Urteilsbereitschaft und -fähigkeit der handelnden Akteure ab. „Wishful thinking“ ist keine geeignete Methode, um hierbei zu Bewertungen zu gelangen. Und diese Instrumente taugen schon gar nicht, wenn sie gewissermaßen als „Lendenschurz“ für das Top-Management benutzt werden, um die hohe Schwierigkeit der Herausforderung zu vernebeln. Die kulturelle Integration ist mit Rezepten „aus der Schublade“ nicht zu meistern. An aller erster Stelle steht daher das Assessment der handelnden Akteure, um sie für das, was sie vorhaben, zu sensibilisieren und zu befähigen. Denn: Kulturintegration – aber auch Fusionsprozesse – hat niemand gelernt. Zu der Zeit, als die Akteure ihre Ausbildung genossen haben, stand diese Handlungsoption auf keinem Lehrplan. Auch das ist eine (oft ausgeblendete) Wirklichkeit. So reizvoll der Weg einer Fusion erscheint, sollte nicht vergessen werden, welch komplexer und unsicherer Weg hier eingeschlagen wird. Alternativen sollten nicht vergessen werden. Gibt es jedoch eine substantielle Begründung für einen Zusammenschluss, dann muss der Kern der Aufgabenstellung erkannt und adäquat umgesetzt werden. Die kulturelle Integration spielt hier eine Hauptrolle. Nur wenn sie entsprechend Beachtung findet, steigt die Wahrscheinlichkeit für einen Erfolg. Es bleibt dabei: Auf die Menschen kommt es an. URL dieser Seite: |
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