Integration von Neuerwerbungen: Die Cultural Due DiligenceIn
diesem Beitrag erfahren Sie,
4
was
die Cultural Due Diligence ist und warum sie als Instrument für
ein erfolgreiches Management von Mergers & Acquisitions (M&As)
wichtig ist, 4
warum
auf die Unternehmenskultur ein besonderes Augenmerk gerichtet werden
sollte, 4
warum Cultural Due Diligence auch für die Integration in der Post-Phase erfolgsbestimmend
ist, 4
welche Instrumente der Kulturdiagnostik zum Einsatz kommen können, 4
welche Gestaltungsdimensionen der Integration die Cultural Due Diligence liefert I.
Einleitung
Der
zentrale Erfolgsfaktor ist der Mensch Jedes
Unternehmen ist ein komplexes soziales System mit der Aufgabe, ökonomisch
zu agieren. Dadurch ist es zum Einen Bestandteil der menschlichen
Gesellschaft und zum Anderen selbst eine Gesellschaft, d.h. eine
Gruppierung von Individuen. Organisationen
werden durch die Menschen, die ihr angehören, definiert. Alle Veränderungen
in und an der Organisation betreffen daher die Menschen. Ein
Mergers & Acquisitions-Projekt ist eine Zäsur in der Entwicklung der
beteiligten Partner. Das Erreichen der Ziele dieser Veränderung hängt
entscheidend von den Menschen der betroffenen sozialen Systeme dieses
Projektes ab. Die
Due Diligence (DD) hat das Ziel, im Vorfeld eines Mergers &
Acquisitions (M&A) Entscheidungsgrundlagen in Form einer
Risikominimierung durch eine intensive Prüfung aller erreichbaren
Informationsquellen zu schaffen. Cultural
Due Diligence berücksichtigt die Menschen Auf
dem Wege der Cultural Due Diligence werden die
unternehmenskulturellen Aspekte der beteiligten Organisationen untersucht,
um so auch den Menschen als den entscheidenden Erfolgsgaranten eines
M&A gerecht zu werden. Die Cultural Due Diligence soll die Due Diligence mit den bekannten Prüfungsgebieten
(Finanzen, Recht, Steuern etc.) erweitern und nicht als alleiniges Prüfungsinstrument
verstanden werden. Unternehmenskultur
als Blick auf das Ganze Die
finanziellen Kennzahlen eines Unternehmens werden erst vor dem Hintergrund
der Unternehmenskultur aussagekräftig. Eine Interpretation dieser Zahlen
ist immer erst mit Kenntnis von Unternehmensinterna möglich. Andererseits
kann die Darstellung der Unternehmenskultur allein ebenso wenig ein
Unternehmen umfassend darstellen. Ähnlich wie paarweise angeordnete Augen
ein räumliches Bild entstehen lassen,
besteht durch die Perspektiven der allgemein gebräuchlichen Due Diligence und
synchron der Cultural Due Diligence die Chance, ein aussagekräftiges vollständiges Bild von
einem Unternehmen zu bekommen. II. Mergers
& Acquisitions – Erfolgreicher durch die Analyse der
Unternehmenskultur
Zahlreiche
Untersuchungen zu den Zielen von M&A ergaben als am häufigsten
genannte Ziele die Vergrößerung der Marktanteile und der Marktpräsenz,
das Erreichen von Synergieeffekten und die Sicherung der globalen
Wettbewerbsfähigkeit. Durch das immer stärker werdenden
Globalisierungsbestreben der Wirtschaft ist zu erwarten, dass der Trend
zur globalen Zusammenlegung von Unternehmen und Unternehmenseinheiten eher
weiter zunehmen wird. Bis
zu 70% aller M&A-Projekte scheitern – warum? Bis
zu 70 Prozent aller M&A-Projekte scheitern. In der Annahme, dass vor
einer Übernahme bzw. Akquisition eine genaue Prüfung des bevorstehenden
Deals stattgefunden hat, stellt sich die Frage nach dem Ursprung des
geringen Prozentsatzes gelungener M&A. Die
Due Diligence-Prüfung ist das traditionelle Mittel zur Analyse von
Unternehmen bei Verschmelzungs- und Übernahmevorhaben. Im Mittelpunkt der
Bestimmungen des Aktiengesetzes stehen finanzwirtschaftliche und
rechtliche Gesichtspunkte sowie Aspekte des Umweltschutzes. Die Prüfung
dieser Felder scheint jedoch nicht ausreichend, um eine höhere
Erfolgsquote für M&A zu ermöglichen. Zahlengläubigkeit
verstellt den Blick auf die Komplexität des Unternehmens In
der Komplexität sozialer Systeme manifestiert sich das menschlich verständliche
Bedürfnis nach „Greifbarkeit“ oft in einer ausgeprägten „Zahlengläubigkeit“.
Sie vermittelt ein Gefühl des Beweisbaren und des Realen. Vielfach
dominiert dieser Glaube auch im Vorfeld von Unternehmensentscheidungen wie
zum Beispiel M&A. Doch der Glaube, die Unternehmenswirklichkeit werde
allein durch Zahlen und Kennziffern repräsentiert, kann zum Scheitern von
Veränderungsprojekten führen, da der Blick auf die Komplexität des
Unternehmens verstellt wird. Das
Unternehmen als „Kultur“ zu begreifen, eröffnet eine weitere Form
analytischer Denkmethoden. Sie erlaubt einen vollständigeren Blick in
das, was ist, als eine Sicht, die sich nur an Zahlenwerken orientiert. Unternehmenskultur
ist ein „General Management“-Thema Die
Erfolgsrelevanz einer Analyse der Unternehmenskultur bei M&A ergibt
sich aus der Tatsache, dass die Menschen im Unternehmen die Träger der
Unternehmenskultur sind. Daher ist Unternehmenskultur nicht nur ein Thema
für das Personalmanagement, sondern vor allem ein Thema für das
„General Management“. „Trotz der stets wachsenden Sensibilität für
Unternehmenskultur als Risikofaktor im Rahmen nationaler Mergers &
Acquisitions verfügt bislang weder die Praxis noch die Forschung über
eine allgemein-verbindliche und kritisch-reflektierte Konzeption zur
systematischen Früherfassung der unternehmenskulturellen Verträglichkeit
der (potenziellen) M&A Partner.“ (Langer, 1999, S. 195). Folgekosten
konterkarieren gewollte Synergien Folgekosten,
die die gewollten Synergien konterkarieren, treten fast ausschließlich im
Bereich der Unternehmenskulturen auf. Es ist das sogenannte Merger-Syndrom,
welches zu den nur schwer prognostizierbaren Folgekosten führen kann. Oft
wird eine unüberschaubare Kette von ungeplanten Kosten über einen längeren
Zeitraum ausgelöst, wie beispielsweise Trennungs-, Wiederbeschaffungs-
und Trainingskosten. Ausdruck
des Merger-Syndrom sind die folgende Phänomene: §
massive Koordinationsprobleme §
Orientierungslosigkeit §
Motivationsrückgang §
Bürokratisierung §
verunsicherte Kunden. „Schreckgespenst“
bei M&A: Das Merger-Syndrom Das
Merger-Syndrom wird durch kulturelle Inkompatibiltät verursacht und drückt
sich in Widerstandsverhalten der beteiligten Menschen gegen die
notwendigen Veränderungen aus. Beobachtbare Symptome sind dann
beispielsweise sinkende Produktivität oder Abwanderungen von
leistungsstarken Mitarbeitern und Führungskräften. Dies hat eine
eindeutige Signalwirkung auf die noch verbleibenden Mitarbeiter – eine
fatale Spirale der Demotivation kann sich entwickeln. Letztendlich kommt
es durch das Merger-Syndrom zu einem Effizienzverlust, der den Sinn und
Zweck des Vorhabens gänzlich in Frage stellen kann. In den schlimmsten Fällen
kann durch Nichtbeachtung der Unternehmenskultur der Deal nur noch als
gescheitert eingestuft werden bzw. sind die Integrationskosten derartig
hoch, dass sich die mit dem Vorhaben anvisierten Ziele nicht in der
geplanten Zeit – oder gar nicht mehr – einstellen. Die
Cultural
Due
Diligence ist keine Zugabe sondern Konzept Es
wird deutlich, dass die Anwendung einer Cultural Due Diligence sinnvoll
und erfolgsrelevant ist. Dabei darf die Cultural Due Diligence nicht nur als „Zugabe“ bei
einer sonst guten finanziellen Bewertung des zu akquirierenden
Zielunternehmens gesehen werden. Mit ihrer Hilfe sollen Instrumente und Maßnahmen
aufgezeigt werden, durch die eine kulturelle Integration bei Fusionen und
Akquisitionen zur Chance und nicht zum Schock wird. III.
Unternehmenskultur – Schein oder Sein?
Die
Beurteilung der Unternehmenskultur ist das zentrale Element der Cultural
Due Diligence. Welche Bedeutung hat die Unternehmenskultur? „Sie
integriert die unterschiedlichen Ziele von Mitarbeitern bzw.
Organisationseinheiten zu einem gemeinsamen Oberziel, zu einer gemeinsamen
Denkweise. Sie ist das soziale Bindemittel für globale, diversifizierte
Unternehmen und Geschäftsfelder“ (Fischer & Steffens-Duch, 2000). Unternehmenskultur
– eine Definition
Unsere Definition von Unternehmenskultur ist die folgende: Die Unternehmenskultur besteht aus der Gesamtheit von Normen, Wertvorstellungen, Denkhaltungen, Riten, Symbolen und Umgangsformen, welche die Verhaltensweisen der Mitarbeiter und somit das Erscheinungsbild einer Unternehmung prägen. Diese Verhaltensweisen haben sich im Unternehmen so gut eingebürgert, dass sie neuen Mitgliedern als die unternehmensspezifisch geeignete Art des Denkens und Fühlens zur Lösung von Problemen vermittelt wurden und werden.
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