Werte- und Integritätsmanagement mittels EFQM Excellence Modell - Evaluierung durch Self-Assessment nach EFQM
Das EFQM Excellence Modell beinhaltet in seiner Konzeption eine implizite Werthaltung, die vielfach zunächst nicht im Fokus der Modellanwender steht. Bei genauerer Betrachtung der Grundkonzepte der Excellence lässt sich die im Modell verankerte Werthaltung jedoch sehr gut erkennen. Die Selbstverpflichtung auf diese Grundwerte bildet einen Erfolgsfaktor zur Erreichung von Business Excellence. Träger von Werthaltungen sind die Menschen einer Organisation. Ihre Integrität bildet die Integrität der Organisation. Beides kommt in der Unternehmenskultur der Organisation zum Ausdruck. Ein aktives Werte- und Integritätsmanagement ist daher die Grundlage, um in der Praxis die notwendigen sozialen, kooperativen und kommunikativen Kompetenzen für eine erfolgreiche Unternehmenskultur zu entwickeln. Die einwandfrei nachweisbare Werteorientierung des EFQM Excellence Modells prädestiniert es, genau dieses aktive Werte- und Integritätsmanagement als integraler Modellbestandteil zu gewährleisten. Die Systematik des Self-Assessments nach dem EFQM-Modell eignet sich vorzüglich, um das Werte- und Integritätsmanagement einer Organisation zu evaluieren. Mit dem Self-Assessment kann im Bereich Werte- und Integritätsmanagement ein Standard erreicht werden, der nach einem aktuell entwickelten Auditleitfaden zertifizierbar ist.
Worum geht es beim Werte- und Integritätsmanagement? Dass
die Menschen in Unternehmen und Organisationen der Schlüssel zum Erfolg
sind, darf heute wohl als unbestritten vorausgesetzt werden – eine
typische Binsenweisheit. Um die Herausforderungen, die sich daraus ergeben,
effektiv zu meistern, werden
soziale, kooperative und kommunikative Kompetenzen zu den zentralen
Erfolgsfaktoren. Die Grundlage aller Zusammenarbeit kommt im Begriff der
„Unternehmenskultur“ zum Ausdruck. Es sind die gelebten Werte und
Orientierungen, die das Handeln und Verhalten von Menschen in Organisationen
meist implizit und unbewusst steuern. Dies ist nicht per se positiv. Es ist
vielfach auch so, dass bestehende Werte und Orientierungen kontraproduktiv
wirken können und die effiziente Verfolgung der eigentlich angestrebten
Unternehmensziele blockieren. Was in diesen Fällen fehlt, ist zum einen
eine Klärung und Kommunikation dessen, was die Unternehmensleitung von
ihren Mitarbeitern und Führungskräften auf der täglichen Handlungs- und
Verhaltensebene erwartet – zum
anderen ein gemeinsamer Handlungs- und Orientierungsrahmen, mit dem sich
alle identifizieren können und der für alle verbindlich gemacht wird.
Folgerichtig heißt es daher auch im Kriterium 1 des EFQM-Modells, dass die
Führungskräfte die Vision, Mission und die Werte erarbeiten. Dies ist die
normative Ebene, die als Voraussetzung der operativen Ebene zuerst definiert
sein muss. So haben bereits viele Organisationen die Notwendigkeit
erkannt, Verhaltensstandards zu erarbeiten, in Form von Leitbildern
Leitlinien, Führungsgrundsätzen oder Verhaltenkodizes. Der Nutzen liegt in
den damit verbundenen größeren Erfolgsausichten auf der Ergebnisseite bzw.
im Bereich der Ergebniskriterien, um in der Sprache des EFQM-Modells zu
bleiben. Entscheidend sind im Anschluss an die Formulierung der Absichten
die entsprechenden Maßnahmen, Instrumente und Prozesse, die für die
kontinuierliche Umsetzung und Einhaltung der Inhalte dieser Absichtserklärungen
sorgen bis hin zur Etablierung von Controlling-Maßnahmen. Das EFQM-Modell
eignet sich in seiner Ausprägung als integratives umfassendes
Managementsystem auch in diesem Fall, um den Transfer in die operative Ebene
zu gewährleisten. Der Einsatz weiterer Managementmodelle wird damit überflüssig. Best Practice, Benchmarks und Standards sind Aspekte, die
sich auch im Integritäts- und Wertemanagement finden lassen. So hat das
Zentrum für Wirtschaftsethik gGmbH (ZFW) aktuell einen „Leitfaden zum
WerteManagmentSystem (WMSZFW)[1]“
entwickelt. Von Transparency International-USA (TI) wurde zu Beginn des
Jahres eine Studie „Corporate Governance: Code of Conduct/ Compliance
Programs – Leading Practices Survey“
veröffentlicht. In einer vergleichenden Untersuchung von Bickmann
& Collegen wurde festgestellt, dass das EFQM-Modell zur Strukturierung
der praktischen Umsetzung einer Werte- und Integritätsorientierung in einer
Organisation eine ideale Systematik bietet. Die Durchgängigkeit des
EFQM-Modell-Konzeptes deckt sich mit den Anforderungen an die Systematik
eines Wertemanagements, wie sie in
den „Bausteinen“ des WMSZFW formuliert
sind. So lassen sich die geforderten normativen Elemente in den Befähigerkriterien
finden. Die generelle Anforderung einer fundierten und systematischen
Umsetzung bis hin zu kennzahlenbasierten Nachweisen in den Ergebniskriterien
im EFQM-Modell erfüllen alle weiteren im WMS ZFW definierten
Standards. Aus der Best Practice-Übersicht der TI-Studie
lassen sich einige Kernaussagen extrahieren, die sich auch in den
Kriterien des EFQM-Modells als Erfolgsfaktoren für Business Excellence
wiederfinden lassen. Die Eignung des EFQM-Modell als integratives Managementsystem
zur Sicherstellung eines Managements von Werten bzw. durch Werte in einer
Organisation beruht auf der implizit im Modell verankerten Werthaltung.
Bereits in den acht Grundkonzepten der Excellence, die die Grundlage der
neun Modellkriterien bilden, lässt sich erkennen, dass Business Excellence
offensichtlich nur mit der Selbstverpflichtung auf spezifische Grundwerte
erreicht werden kann. Die
parallelen Wirkungsmechanismen des Modells für ein werte- und integritätsorientiertes
Managementsystem sind also: ¨
Business
Excellence kann nur mit einer aktiv gestalteten Werthaltung erreicht werden,
deren Grundannahmen im EFQM-Modell fixiert sind. ¨
Das
EFQM-Modell befähigt zum Management von Werten in einem Regelkreis von der
Implementierung über die kontinuierliche Umsetzung und der Einhaltung im
Sinne eines Controllings bis zur kontinuierlichen Verbesserung. Die Evaluierung eines Werte- und Integritätsmanagements soll
etwas genauer beleuchtet werden: Als Evaluierungssystematik bietet sich das
Self-Assessments nach dem EFQM Excellence-Modell an. Worauf kommt es bei der
Evaluierung eines Werte- und Integritätsmanagementsystems an? Hat eine Organisation sich beispielsweise für die
Implementierung eines Wertekodex (Code of Conduct) entschieden, liegt das
Ziel dieser Aktivität darin, dass sich Verhalten und Handeln der Angehörigen
der Organisation an den Richtlinien des Code of Conduct ausrichten. Mittel-
bis langfristig führt dies zu einer werteorientierten Selbststeuerung der
Organisation. Auf diese Weise wird der Wertekodex zum integralen Bestandteil
der Organisationskultur. Der Vorteil liegt dann darin, dass die Entscheider
in Dilemmasituationen mit größerer Sicherheit im Sinne der mittel- bis
langfristigen Unternehmensinteressen entscheiden. Im Self-Assessment müssen
also erwünschte und tatsächliche Verhaltensweisen miteinander verglichen
werden. Die Methodik des Self-Assessments nach dem EFQM-Modell stellt
sehr systematisch die Fragen danach, was
erreicht wurde und wie dies geschah. Die Vorgehensweise nach der
RADAR-Bewertungsmatrix stellt dabei sicher, dass nach Zielen, Trends und
Ursachen im Bereich der Ergebnisse gefragt wird. Ebenso werden im Bereich
der Befähigerkriterien Fundiertheit und Systematik des Vorgehens, Grad der
Umsetzung sowie Lerneffekte und daraus abgeleitete Verbesserungen geprüft.
Die neun Kriterien mit den jeweiligen Teilkriterien und Orientierungspunkten
leiten die Assessoren bei ihrer Bewertung. Aus der Analyse der sich so
ergebenden Stärken und Verbesserungspotenziale werden die notwendigen
weiteren Aktivitäten zur Zielerreichung entwickelt. Existieren bereits Erfahrungen in der Durchführung von
Self-Assessments lässt sich quasi „aus dem Stand“ das nächste
Assessment mit einem Schwerpunkt in der Bewertung des Zustandes des Werte-
und Integritätsmanagements gestalten. Dazu wurde von Bickmann &
Collegen eine entsprechende Adaption des Self-Assessment-Prozesses
entwickelt. Aus der Auswertung des Self-Assessments lassen sich der Status
Quo feststellen und spezifische Aktivitäten zur erfolgreichen Umsetzung
ableiten. Dies kann beispielsweise als erster Schritt die Entwicklung und
die Einführung eines Code of Conduct sein. Damit wäre die Einführung
eines Integritäts- und Wertemanagement integraler Bestandteil im
Unternehmenszielsystem und würde von Beginn an durch die eingeführten und
bekannten Managementinstrumente gesteuert. [1] Das ZFW ist das wissenschaftliche Institut des Deutschen Netzwerk Wirtschaftsethik – EBEN Deutschland e.V. (DNWE), das in enger Kooperation mit anderen Instituten aus Wissenschaft und Wirtschaft die Anwendungsorientierung der Wirtschafts- und Unternehmensethik fördert. Für weitere Fragen steht Ihnen Dr. Annette Kleinfeld unter Tel. 040 / 525 000 23 oder unter annette.kleinfeld@kleinfeld-cec.com gern zur Verfügung.Sie sind an
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