Management von ethisch sensiblen GeschäftsfeldernEin Beratungskonzept der Bickmann & Collegen Unternehmensberatung
Unternehmen,
die in ethisch sensiblen Umfeldern arbeiten, sind in besonderem Maße der
öffentlichen Kritik ausgesetzt und stehen häufig – nicht immer zu
Recht – im Kreuzfeuer von NGOs und Interessengruppen. Abgesehen
von etwaigen Reputationsverlusten nach außen haben ethisch sensible Geschäftsgegenstände
natürlich auch immer Auswirkungen im Unternehmen. Mitarbeiter, die in
entsprechenden Bereichen tätig sind, konfrontieren ihre Führungskräfte
verstärkt mit moralischen Bedenken bei der Durchführung von bestimmten Tätigkeiten,
wenn diese – oder auch nur „verwandte“ Aktivitäten - in öffentlichen
Debatten in Frage gestellt werden. Unternehmen
sind gut beraten, wenn sie sich frühzeitig und proaktiv diesen
Herausforderungen stellen: zum einen, indem sie eine unternehmenseigene
ethische Position formulieren und kommunizieren, zum anderen, indem sie
spezifische Werkzeuge für ein bewusstes Management ethisch relevanter
Fragen entwickeln und implementieren.
Beispiel:
Biotechnologie-Branche
Wie
eine für die EU durchgeführte Studie innerhalb der
Biotechnologie-Branche gezeigt hat, gehen europäische Unternehmen –
anders als in den USA – mit den ethischen Implikationen ihrer Geschäftstätigkeit
noch eher informell um. Die Erfahrungen stark wachsender Unternehmen
zeigten aber gleichzeitig, dass sich dieses Vorgehen nur bis zu einer
bestimmten Größe als praktikabel erwiesen hat. Als kritische Größe
wurde dabei eine Mitarbeiterzahl zwischen 50 und 100 genannt. Biotech-Unternehmen,
die sich infolgedessen für ein professionelles und institutionalisiertes
Ethik-Management entschieden haben, sahen darin einen deutlich
effizienteren und erfolgreicheren Weg, um sich den Herausforderungen ihrer
Branche zu stellen. Angehörige
des Top-Managements europäischer Biotechnologie-Unternehmen vertreten
zudem die Auffassung, dass sich die öffentlichen (gesellschaftlichen wie
politischen) Vorbehalte gegen biotechnologische Unternehmungen
mittelfristig nur dadurch abbauen lassen, dass sich im Markt ein auch
ethisch verantwortungsvoller Umgang mit entsprechenden Aktivitäten
durchsetzt, der von allen stakeholdern als glaubwürdig empfunden werden
kann. Reputation Risk ManagementDas
Sprichwort „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s völlig
ungeniert“ mag für die Protagonisten aus der Yellow Press weiterhin
zutreffen, in marktwirtschaftlichen und unternehmerischen Kontexten jedoch
ist der Ruf eines Unternehmen ein herausragendes asset für den Erfolg.
Das zeigen auch die Erfahrungen aus anderen Branchen: die Kosten, die
insbesondere durch ethisch konnotierte Reputationsschäden entstehen,
sind nicht nur für börsennotierte Unternehmen erheblich. Denn die Folgen
wirken meist sehr nachhaltig – Vertrauensaufbau ist generell ein
schwieriger Prozess, Wiederherstellung verlorenen Vertrauens umso
langwieriger. Prävention
durch substanziell wirksame Maßnahmen bilden daher die deutlich „günstigere“
Alternative zur etwaigen nachträglichen „Imagekosmetik“.
Denn es gilt auch hier: „Für den ersten Eindruck gibt es keine
zweite Chance“. Voraussetzung
dafür wiederum ist, dass Unternehmen selbst durch proaktive Maßnahmen
innerhalb der Branche ein Zeichen setzen und sich bewusst von etwaigen
„schwarzen Schafen“ abgrenzen. An erster Stelle gehört dazu eine
klare Positionierung und die Etablierung institutioneller Maßnahmen, die
dafür sorgen, dass die ethische Selbstverpflichtung in allen Bereichen
konsequent umgesetzt wird. Auf
dieser Grundlage gilt es gezielt ein Vertrauensverhältnis auch mit den
externen stakeholdern aufzubauen. PR-Maßnahmen alleine reichen dazu nicht
– viel wichtiger ist Transparenz, verbunden mit einem offenen Stakeholder-Dialog, der nicht nur strategischen Interessen dient, sondern
Ängste und Befürchtungen ernst nimmt. Auch für diesen Prozess gibt es
eine Reihe bewährter Werkzeuge. Proaktives Ethik-Management als Wettbewerbsfaktor
In
einer „Wachstumsbranche“ wie der Biotechnologie gehört zu den
wichtigsten Erfolgsfaktoren die nachhaltige Gewinnung von „high
potentials“, die in der Regel einem sehr anspruchsvollen
Anforderungsprofil genügen müssen. Nicht
minder anspruchsvoll ist jedoch diese Zielgruppe von hochspezialisierten
„Wissens-Arbeitern“ selbst, wenn es um die Auswahl ihres
Arbeitsplatzes geht. Die Frage, wie der künftige Arbeitgeber mit ethisch
sensiblen Themen umgeht, spielt dabei eine immer größere Rolle. Das
kritische Reflexionsniveau und das Bedürfnis, einer „ethisch
sauberen“ Tätigkeit nachzugehen, nimmt entsprechenden Studien zufolge
proportional zum persönlichen Marktwert und Bildungsgrad zu. Zudem:
Strebt ein junger „high potential“ aus wissenschaftlicher Neugier oder
Interesse in ein eher schwieriges Umfeld, dann sollte eben dieses ökonomische
Umfeld die Erklärung der eigenen Position eher erleichtern als durch ein
unklares Image weitere Argumentationsnöte bescheren. Auch
zur Rekrutierung und Bindung des unverzichtbaren „intellectual capitals“
kann sich daher eine souverän und als verbindlich kommunizierte
Positionierung zum firmeneigenen
Umgang mit den ethisch relevanten Implikationen der Geschäftstätigkeit
als deutlicher Wettbewerbsvorteil erweisen. Ansätze und Instrumente eines professionellen
Ethik-Managements
In
der Praxis hat sich eine Kombination aus „schließenden“
(festlegenden) und „öffnenden“ (kommunikationsorientierten) Maßnahmen
als „best practice“ beim Management ethischer Fragen
herauskristallisiert. Die
„schließenden“ Maßnahmen dienen der Klärung der
Unternehmensposition im Umgang mit den firmenspezifischen ethischen Fragen
sowie der Orientierung der internen und externen stakeholder. Dazu
gehört zum Beispiel: -
die Formulierung von
Unternehmensleitlinien als Bestandteil der Geschäftspolitik, die die
ethische Position des Unternehmens darlegen; -
die Entwicklung und
Implementierung eines Code of Conduct (Verhaltenskodex), der neben
allgemeinen Maßstäben gewünschten Verhaltens der Unternehmensangehörigen
auch konkrete Handlungsorientierungen für den Umgang mit den ethisch
relevanten Aspekten der Unternehmensaktivitäten umfasst;
-
die Etablierung einer
Steuerungsgruppe oder eines Ethik-Komitees auf höchster Ebene (u.U. mit
externem Support durch geeignete Experten), die die Umsetzung der
unternehmenspolitischen Position unterstützen (z.B. bei Entscheidungen
über die Anwendung neuer, ethisch relevanter Forschungs- oder
Produktionsverfahren oder bei strittigen Fragen in laufenden Prozessen);
-
die Entwicklung eines
internen Controlling-Systems, das die Einhaltung des Code of Conduct und
der Unternehmensleitlinien prüft und sicherstellt (z.B. durch ein
entsprechendes monitoring-System, durch Integration in ein bereits
vorhandenes (Qualitäts-)managementsystem, in die vorhandenen Führungssysteme
etc.) Die
„öffnenden“ Maßnahmen dienen der internen Sensibilisierung für
einen bewussten Umgang mit ethisch relevanten Fragen und der Förderung
einer offenen Dialogkultur nach innen wie nach außen. Ein entscheidender
Faktor ist die Institutionalisierung dieser Maßnahmen, um im Innenverhältnis
Routine sowie Handlungs- und Entscheidungssicherheit beim Management
ethischer Fragen zu entwickeln – im Außenverhältnis Glaubwürdigkeit
und damit Vertrauen aufbauen zu können.
An
erster Stelle gehört dazu die Benennung eines „Kümmerers“, d.h.
einer Art internen Ethik-Beraters, der je nach Themenlage und
Ausgangssituation des Unternehmens beispielsweise folgende Aufgaben
wahrnehmen kann: -
Process Owner für den
Implementierungsprozess des Code of Conduct und/ oder der Ethikleitlinien
des Unternehmens – denn beides muss zum „living document“ werden, um
sich als wirksam zu erweisen (allem voran durch ein umfassendes
Kommunikationskonzept und die Integration in Personalmanagementprozesse
aller Art); -
Erarbeitung und
Weiterentwicklung unterstützender Maßnahmen zur Anwendung des Code of
Conduct in den verschiedenen Unternehmensbereichen (z.B. Organisation und
Konzeption von geeigneten Trainings bzw. Schulungsunterlagen mit
Fallbeispielen aus dem Unternehmen; Ableitung von spezifizierenden
Leitlinien und Entscheidungshilfen etc.); -
Ansprechpartner und Berater
für die Führungskräfte und Mitarbeiter bei „kniffligen“ ethischen
Fragen bis hin zur Weiterleitung an das interne Ethik-Komitee, sofern
vorhanden; -
Initiator und Organisator
von internen Seminaren, Workshops, round tables (evtl. mit Experten von außen)
zu aktuellen, ethisch relevanten Themen; -
Initiator und Organisator
des Dialogs mit externen stakeholdern (z.B. mit Vertretern von
Verbraucher- und Umweltschutzverbänden, öffentliche round tables und
Diskussionsveranstaltungen; Kontakte mit Schulen und Universitäten etc.).
Nicht
alle der hier vorgestellten Maßnahmen und Instrumente eignen sich für
jedes Unternehmen zu jedem Zeitpunkt. Ihre jeweilige Adäquanz hängt von
Faktoren wie Unternehmensgröße, Reifegrad, Historie, vor allem aber von
der vorhandenen Unternehmenskultur ab, die wiederum - gerade bezogen auf
ethische Themen - im jeweiligen landeskulturellen Kontext betrachtet
werden muss.
Unser
Beratungsangebot
Die
Bickmann & Collegen Unternehmensberatung ist seit über 15 Jahren auf
die Gestaltung von Unternehmensidentität und Unternehmenskultur
spezialisiert und befasst sich seit Beginn der wirtschaftsethischen
Debatte in Europa mit praktischer Unternehmensethik und Wertemanagement.
Auf Basis dieser Erfahrungen haben wir das Beratungsangebot „Management
von ethisch sensiblen Geschäftsfeldern“ entwickelt, das einen
Teilbereich unseres Gesamtangebots „Corporate Ethics“ anbietet Diese
jeweils in sich abgeschlossenen Module haben exemplarischen Charakter: So
KÖNNTE man vorgehen. Entscheidend für dieses wie für alle unsere
Beratungsangebote ist unser Anspruch, Unternehmen dort abzuholen, wo sie
gerade stehen. 1.
Fact Finding / Vorstudie a.
Workshop
oder Gespräch auf der Ebene der Geschäftsleitung zur Klärung
beispielsweise folgender Fragen: -
Gründe und Hintergründe für
das Vorhaben „Ethik-Management“ -
damit verbundene Wünsche
und Ziele -
Exploration des
IST-Zustandes/ Kulturcheck: ·
explizite oder implizite
Werte per heute; ·
ethisch relevante Themen und
Aktivitäten; ·
akute Fragen und
Herausforderungen; ·
Vorstellungen über
Soll-Kultur und zukünftige Ausrichtung der Unternehmensidentität; ·
Vision, langfristige Ziele,
strategies und policies. b.
Dokumentenanalyse zur Untermauerung der Erkenntnisse aus a. -
Imagebroschüren, Vision,
Mission, Leitbild o.ä., sofern vorhanden; -
interne und externe
Kommunikationsmittel (Inter-/ Intranet, Mitarbeiter-/ Kundenzeitschriften
etc.) -
Ergebnisse von Mitarbeiter-,
Kunden- und externen Stakeholder-Befragungen, Marktanalysen oder andere
Evaluierungsergebnisse, sofern vorhanden c.
Erarbeitung eines Projektdesigns -
Entscheidung über die
konkrete Vorgehensweise und die gewünschten Projektinhalte vor dem
Hintergrund der Erkenntnisse aus a. und b. -
Entwurf eines Projektdesigns
und Abstimmung. 2.
Mögliche
Projektinhalte und -module a.
Erarbeitung und Einführung von Unternehmensleitlinien -
Konzeption und Durchführung
von Workshops mit Vertretern der Geschäftsleitung und Repräsentanten der
relevanten Unternehmensbereiche zur Erarbeitung der Inhalte firmeneigener
Ethikleitlinien; -
Ausarbeitung, Abstimmung mit
den vorhandenen Unternehmensstrategien/ Aussagen zur Unternehmenspolitik
- Verabschiedung durch die Geschäftsleitung; -
Entwicklung eines
Kommunikations- und Einführungskonzepts der Leitlinien für intern und
extern; -
Bildung eines Projektteams
und/ oder einer Steuerungsgruppe für den Einführungsprozess, die u.U.
als internes „Ethik-Komitee“ fortbesteht und für die Einhaltung und
Umsetzung der Leitlinien sorgt; -
Coaching des Projektteams/
„Ethik-Komitees“ b.
Erarbeitung und Einführung eines
„Corporate
Code of Conduct“ -
Konzeption und Durchführung
von Workshops zur Erarbeitung der Inhalte und Struktur eines „Corporate
Code of Conduct“ (vor dem Hintergrund der Ethikleitlinien, sofern
bereits vorhanden); -
Auswertung und Dokumentation
der Workshops sowie Ausarbeitung einer Nullversion – Abstimmung und
Verabschiedung durch die Geschäftsleitung; -
Entwicklung eines Einführungs-
und Kommunikationskonzepts; -
Begleitung und Gestaltung
der Einführung (z.B. im Rahmen regulärer social events und/oder
besonderer cultural events); -
Unterstützung der internen
Kommunikation (z.B. Durchführung von Kommunikationskaskaden,
Aufbereitung für Mitarbeiterzeitung, Intranet etc.); -
Unterstützung bei der
externen Kommunikation (PR-Approach, Kunden-Events, externe
stakeholder-Information etc.). c. Implementierung des „Corporate Code of Conduct" Unterstützung
bei der Entwicklung, Abstimmung und Etablierung eines umfassenden
Umsetzungsprogramms, das z.B. folgende Elemente umfassen sollte: - Integration in die vorhandenen Prozesse und Instrumente des Personalmanagements
sowie der Personal-, und Führungskräfteentwicklung (Recruitment,
Assessment, Einführungsprogramme, Leistungsbewertung, Trainee- und
Entwicklungsprogramme etc.); -
Integration in die vorhandenen Management- und Führungssysteme
(Qualitätsmanagement
auf der Basis von TQM/ EFQM, Balanced Score Cards, Risk Management etc.); - Konzeption und Durchführung von speziellen Trainings- und Workshops
(Sensibilisierung
für ethisch relevante Fragen/ Konflikte; Arbeiten mit dem „Code of
Conduct“
als Klärungs- und Entscheidungshilfe; Anwendung auf spezifische Fragen in
den verschiedenen Unternehmensbereichen etc.) -
Entwicklung von Selbstschulungsunterlagen und/oder intranet-basierten
Trainingseinheiten d.
Etablierung
von speziellen institutionellen Maßnahmen zur Förderung eines
professionellen Ethik-Managements · Unterstützung
und Coaching eines internen „Ethik-Beraters“, der als Ansprechpartner
für Fragen, identifizierte Konfliktpotentiale etc. zur Verfügung steht
sowie ggf. das Umsetzungsprogramm des „Code of Conduct“ und/ oder
der Ethikleitlinien in der Zukunft betreut und weiterentwickelt; · Unterstützung
bei der Etablierung einer Steuerungsgruppe/ eines internen Ethik-Komitees
auf höchster Ebene, das sich regelmäßig trifft, um über neue bzw.
strittige Fragestellungen zu beraten und zu entscheiden – je nach
Themenlage mit externem Support; · Unterstützung
bei Konzeption und Organisation eines kontinuierlichen Stakeholder-Dialogs
über ethisch relevante Aspekte der Firmentätigkeit (Reporting-System,
Diskussionsforen, round tables, Expertengespräche, Implementierung in der
allgemeinen Unternehmenskommunikation etc.); · Konzeption
und Implementierung von firmenspezifischen Controlling-Maßnahmen, die
die Einhaltung von Ethikleitlinien und Code of Conduct sicherstellen
helfen (z.B. durch ein spezielles Monitoring-System, Self-Assessments,
extern durchgeführte Audits etc.).
Abb. 2: Mögliche Projektmodule
Lassen Sie sich ein kostenloses und individuell auf Ihr Unternehmen zugeschnittenes Angebot machen. Dazu haben wir für Sie ein Kontaktformular erstellt. (Info:
Sollten Sie als Browser Netscape nutzen und Probleme mit unserem
Kontaktformular haben, genügt natürlich auch einfach eine kurze Email
mit Angabe Ihres Namens, Firma und Anschrift an mail@bickmann.de.)
Für weitere Fragen zum Thema Management von ethisch sensiblen
Geschäftsfeldern steht Ihnen URL dieser Seite: |
||||||||