Knowledge Base Unternehmensberatung Bickmann & Collegen
Dokument-Info:
Autor: Interview mit Dr. A. Kleinfeld
Quelle: Finance, Januar 2002, S. 64.
Themenverwandtes:
Abteilung Ethik
CI und Unternehmensethik
Persona Oeconomica
Emotionale und soziale Intelligenz
Home Knowledge Base Suche

Geld anlegen mit gutem Gewissen

Ethische Geldanlagen haben Konjunktur. Dies belegt eine Studie des ECOreporters, die im Auftrag der Messe Berlin und des Öko-Zentrums NRW Anfang letzten Jahres erstellt wurde. Danach stieg der Mittelzufluss in ethisch-ökologische Geldanlageformen zwischen 1999 und 2000 um das 36-fache. Am deutlichsten ist ein Trend zum ökologischen Investment bei den Fonds erkennbar. Belief sich der Mittelzufluss 1998 noch auf rund 19 Millionen Euro, wurden Ende 2000 bereits mehr als 1,53 Milliarden Euro in Ökofonds investiert. Finance sprach mit Dr. Annette Kleinfeld von der Unternehmensberatung Bickmann & Collegen in Hamburg über Definition, Kontrolle und Renditechancen von ethischen Investments.

Finance: Frau Dr. Kleinfeld, gibt es eine klare und einheitliche Definition, was unter ethischen Investments zu verstehen ist?

Kleinfeld: „Ethisch“ ist in diesem Zusammenhang ein Synonym für „nachhaltig“. Grundlage für die Definition bilden die Beschlüsse der UNO-Konferenz von Rio (1992). Demnach darf das Geld solcher Fonds nur in Unternehmen fließen, die sich zur Einhaltung ökologischer, sozialer und ökonomischer Standards verpflichtet haben.

Finance: Wie wird die Einhaltung der Mindeststandards kontrolliert?

Kleinfeld: Nur Unternehmen, die einem Börsenindex angehören, sind verpflichtet, sich jährlich einem Monitoringprozess zu unterziehen, der von speziellen Ratingagenturen durchgeführt wird. In Deutschland gibt es aber bislang nur einen ökologischen Index. In den USA sind davon Firmen betroffen, die im Dow Jones Sustainaility Group Index gelistet sind. Allerdings beschränkt sich das Monitoring meistens auf das Ausfüllen eines Fragebogens.

Finance: Reicht das aus?

Kleinfeld: Es gibt zwar Standards, nach denen regelmäßig Audits durchgeführt werden. Diese geben aber keine Auskunft über die innere Situation des Unternehmens. Wenn die ethische Orientierung nicht nachhaltig in der Kultur des Unternehmens verankert wird, nützen auch gute Vorsätze nichts. Ein entsprechender Kulturwandel muss zur Chefsache gemacht werden. Im Mittelstand oder bei inhabergeführten Unternehmen lassen sich diese Veränderungen viel einfacher durchsetzen als in börsennotierten Unternehmen.

Finance: Warum?

Kleinfeld: Umwelt- und Sozialstandards zu implementieren, ist kostspielig und bringt kurzfristig Kostennachteile. Das sehen die Aktionäre natürlich nicht gerne. Langfristig betrachtet trägt jedoch die Einhaltung ethischer Grundsätze, die übrigens auch eine ehrliche und offene Unternehmenskommunikation einschließen, zu einem besseren Betriebsklima und einer besseren Unternehmensperformance insgesamt bei. Außerdem bringt ein gutes Image mehr Produktionssicherheit und einen höheren Absatz. Dies wirkt sich wiederum positiv auf die Rendite aus.

 

URL dieser Seite:

Home Knowledge Base vorige Seite nächste Seite Kontakt