Brecht die Macht der Zahlendreher! Wer Veränderung will, muss an der Kultur
ansetzen. Sie ist die Basis der Interaktion von Menschen in
Organisationen. Dieses Vorhaben scheint selten zu gelingen, wenn man die
Resultate betrachtet. Reformen scheitern oder verlieren im zähen Ringen
um den kleinsten gemeinsamen Nenner die Wirkung. Auf der Unternehmensebene
werden diese Schwierigkeiten besonders in Fusionsprozessen deutlich. In
mehr als 70 Prozent der Fälle bringt die Verschmelzung von Unternehmen
keinen ökonomischen Mehrwert. Nicht zuletzt auf Grund der mangelnden
Integration von Unternehmenskulturen. Wer Kulturen verändern will, muss dies
unter den Bedingungen der existierenden Kultur tun. Das macht die
Schwierigkeit aus. Wer diese Aufgabe anpackt, braucht die Fähigkeit zur
Kulturgestaltung - mitnichten eine Fähigkeit, die jedem offen stünde,
nur weil er an der Spitze steht! Bei seinem Engagement kämpft er um
Glaubwürdigkeit, Klarheit im Denken und Handeln und damit um die
Akzeptanz von Führung, Ausrichtung Veränderung. Das Ganze kann und wird
sich nur ändern, wenn auch der Einzelne die Veränderung trägt. Der Feind der Neuausrichtung ist das
Beharren in alten Denkmustern, das "Das machen wir doch immer schon
so"-Syndrom, ist fehlendes "commitment", sind aber auch
Glaubwürdigkeitslücken und fehlende Integrität der Führung. Der Staat
gibt ein Beispiel: Wer möchte schon das große "Sparziel"
wirklich als Sinngebung verstehen? Es taugt allenfalls als Ziel für
Angsthasen. Das gilt erst recht, wenn die Angsthasen auch noch die
Protagonisten der Veränderung sein wollen. Dieser Eindruck verfestigt
sich, wenn man die politischen Akteure betrachtet. Die reine Verkündung reicht bei weitem
nicht aus, um Kulturen wirklich in Bewegung zu versetzen. Diese Form der Führung,
also die konkrete Gestaltung der Veränderung, ist für die etablierte
Elite, die Gestalter, pures Gift! In der Ära der Controller, im Zeitalter
der Ratio und der Imagegesellschaft haben es alle schwer, die gestalten
und dabei auch Widerstände überwinden wollen. Wir leben in der Ära der
Bedenkenträger, und die rechtfertigen sich nicht zuletzt mit Zahlen.
Zumindest taugen diese Zahlenkolonnen, um den Akteuren
Argumentationsmuster für ihr Blockadeverhalten zu liefern. Verharren wir als Gesellschaft in diesen
Mustern, werden wir nicht zur Veränderung fähig sein. Motivation
entsteht nicht nur im Kopf, sondern auch im "Bauch". Wer
Begeisterung, Selbstbewusstsein und Leidenschaft wecken will, muss Ziele
vorgeben, die Sinn über den kurzfristigen Horizont hinaus vermitteln. Für
Unternehmen heißt das: Die Dominanz der Controller und Zahlendreher muss
gebrochen werden. Wir brauchen eine neue Kultur des Risikos. Analysten haben einen fatalen Einfluss auf
die Unternehmen: Was sie wollen, ist immer nur im Nachhinein zu bekommen.
Zukunftsentwürfe werden mit dem Hinweis auf Risiken abgewürgt, aber
reine "Bilanzorientierung" ist kein Zukunftsrezept! So ist es dringend erforderlich, dass die
Organisationen sich nach Jahren des "Downsizens" auf ihre
Entfaltung konzentrieren, ihre Chancen suchen, Mut entwickeln und ihre
Innovationsfähigkeit beweisen. Dies verlangt eine Führung, die deutlich
mehr kann, als Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft mit Zahlenwerken zu
interpretieren beziehungsweise zu prognostizieren. Die New Economy hat
gezeigt, dass emotionaler Aufbruch eines ganzen Landes gelingen kann.
Sicher, am Ende wurde dieser Aufbruch zu einer Art Hysterie, waren, so
schien es, allzu viele Dilettanten am Werk. Es war ein fehlerbehafteter
Aufbruch. Er taugt aber als Beweis, dass es gelingen kann, in wenigen
Jahren "Aufbruchstimmung" zu erzeugen. Die Atmosphäre in der Wirtschaft war geprägt
von Mut, vom Glauben an das Unmögliche und Selbstvertrauen. Die Zahl der
Selbstständigen stieg stark an, das Ziel "Unternehmer zu
werden" war attraktiv - man glaubte an sich und seine Ideen. Das war
etwas Positives, auch wenn das Selbstbewusstsein irgendwann in Selbstüberschätzung
umschlug. Heute ist von einem gesunden Selbstvertrauen und von einer vernunftbasierten Risikobereitschaft nicht mehr viel zu spüren. Im europäischen Durchschnitt gibt es zwölf Prozent Selbstständige, in Deutschland sind es nur neun Prozent. Gelänge es in einem ersten Schritt, diese Lücke zu schließen, würden circa 400.000 Menschen, ausgestattet mit dem Mut der Selbstständigkeit, am Wirtschaftsleben teilnehmen. Ein wirklich lohnender Ansatz - für die Menschen, für die technologische Entwicklung und für die Kultur der Gesellschaft. URL dieser Seite: |
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