Knowledge Base Unternehmensberatung Bickmann & Collegen
Dokument-Info:
Autor: Dr. Annette Kleinfeld
Quelle: freiberufler info, Nr. 4,
S. 49, Aug./ Sept. 2000
Themenverwandtes:
Management by Values
Studie: Management von Netzwerken
New Economy und Existenzgründung
Virtualität und Unternehmensprozesse
Cybercompanies
Virtualisierung und Kulturtransformation
Die Zukunft will gestaltet werden
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Loyalität zum Netzwerk

Virtuelles Unternehmen

Für Freiberufler in virtuellen Unternehmen ist das Management der Werte ein Erfolgsfaktor, meint Dr. Annette Kleinfeld, Partnerin bei der Bickmann & Collegen Unternehmensberatung in Hamburg und Gründungsmitglied und Mitglied des Vorstandes des Deutschen Netzwerk Wirtschaftsethik e. V. Anspruchsvolle Ziele lassen sich durch "shared values" besser erreichen.

Die Form des virtuellen Unternehmens setzt sich vor allem in der IT-Branche durch. Welche Werte sind dafür typisch?

Unternehmerisches Denken ist natürlich die Grundlage, vor allem der gemeinsame Wille zum Erfolg. Darin liegt einer der zentralen Unterschiede zum klassischen Dienstverhältnis, wo es nur auf das Bemühen ankommt. Darüber hinaus sind jedoch ethische Werte wichtig. Zu diesen moralischen Standards gehören etwa Respekt vor dem Anderen, Aufrichtigkeit und Loyalität zum Netzwerk gegenüber der Konkurrenz. Vertragsstrukturen in offenen Netzwerken lassen sich dann so klein wie möglich halten, denn sie bringen oftmals hohe Kosten mit sich. Nur bei den Punkten Haftung und Rechtsform muss ein Vertrag als Schutz für alle her.

Was unterscheidet Netzwerker von Hierarchen?

Die gemeinsame Vision und Idee ist für alle verbindlich. Gegenseitige Akzeptanz basiert nicht auf Strukturen, sondern auf Kompetenz, auf geteilten Werten und auf Sympathie. Der Umgang ist weniger formal, Titel fallen weg, die Anrede geht über Vornamen. Um so wichtiger wird soziale Kompetenz und Sensibilität im Umgang mit Anderen.

Sind Techniker als Projektpartner für virtuelle Unternehmen geeignet?

Man hört immer wieder, Informatiker seien mit Rechnern teilweise kommunikationsfähiger als mit Mitmenschen, vom Typ her eher introvertiert als extrovertiert. Mit solchen Vorverurteilungen muss man allerdings sehr vorsichtig sein. Es gibt in jeder Branche unterschiedliche Persönlichkeiten mit stärker oder schwächer ausgeprägten kommunikativen Fähigkeiten. Dass Kommunikation gerade in einem virtuellen Unternehmen von zentraler Bedeutung ist, steht außer Frage. Aber auch das kann man lernen und trainieren, der eine vielleicht etwas mehr als der andere. Und wer dazu keine Lust hat, kann einen seiner Partner zum "Kommunikator" ernennen - als Schnittstelle nach außen und als Vermittlungsinstanz nach innen, um die Bereitschaft zur Kommunikation bei Teammitgliedern zu entwickeln und zu unterstützen.

Wir alle sind in der gesellschaftlichen und beruflichen Realität an Leitbilder gewohnt. Gibt es einen Leader im virtuellen Unternehmen?

Der Leader ist der Prozess-Owner, der vor allem über seine Kompetenz, seine Führungsmethode und geteilte Werte die Partner an sich bindet und mit ihnen das Projekt gemeinsam gestaltet. Er verwaltet sozusagen den Existenzgrund des virtuellen Unternehmens. Um ihn als Ideengeber gruppieren sich die übrigen selbständigen Anbieter von Know-how, denen er mit Respekt begegnen muss. Diese sind für ihren Bereich ebenfalls Prozess-Owner.

Muss der Leader die Netzwerker - wie ein traditioneller Manager - nicht zu Höchstleistungen für einen Markterfolg antreiben?

Er muss es schaffen, die anderen zu begeistern. Es geht hier um echte partizipative Führung, bei der, anders als in vielen Unternehmen, tatsächlich die "Mit-Arbeiter" als Gleiche unter Gleichen auch mit entscheiden. Dabei kann die Leader-Rolle bei neuen Vorschlägen und Ideen für Projekte wechseln.


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