Für
Freiberufler in virtuellen Unternehmen ist das Management der Werte ein
Erfolgsfaktor, meint Dr. Annette Kleinfeld, Partnerin bei der Bickmann
& Collegen Unternehmensberatung in Hamburg und Gründungsmitglied und
Mitglied des Vorstandes des Deutschen Netzwerk Wirtschaftsethik e. V.
Anspruchsvolle Ziele lassen sich durch "shared values" besser
erreichen.
Die
Form des virtuellen Unternehmens setzt sich vor allem in der IT-Branche
durch. Welche Werte sind dafür typisch?
Unternehmerisches Denken ist natürlich die Grundlage, vor allem der
gemeinsame Wille zum Erfolg. Darin liegt einer der zentralen Unterschiede
zum klassischen Dienstverhältnis, wo es nur auf das Bemühen ankommt.
Darüber hinaus sind jedoch ethische Werte wichtig. Zu diesen moralischen
Standards gehören etwa Respekt vor dem Anderen, Aufrichtigkeit und
Loyalität zum Netzwerk gegenüber der Konkurrenz. Vertragsstrukturen in
offenen Netzwerken lassen sich dann so klein wie möglich halten, denn sie
bringen oftmals hohe Kosten mit sich. Nur bei den Punkten Haftung und
Rechtsform muss ein Vertrag als Schutz für alle her.
Was unterscheidet Netzwerker von Hierarchen?
Die gemeinsame Vision und Idee ist für alle verbindlich. Gegenseitige
Akzeptanz basiert nicht auf Strukturen, sondern auf Kompetenz, auf
geteilten Werten und auf Sympathie. Der Umgang ist weniger formal, Titel
fallen weg, die Anrede geht über Vornamen. Um so wichtiger wird soziale
Kompetenz und Sensibilität im Umgang mit Anderen.
Sind Techniker als Projektpartner für virtuelle Unternehmen geeignet?
Man hört immer wieder, Informatiker seien mit Rechnern teilweise
kommunikationsfähiger als mit Mitmenschen, vom Typ her eher introvertiert
als extrovertiert. Mit solchen Vorverurteilungen muss man allerdings sehr
vorsichtig sein. Es gibt in jeder Branche unterschiedliche
Persönlichkeiten mit stärker oder schwächer ausgeprägten
kommunikativen Fähigkeiten. Dass Kommunikation gerade in einem virtuellen
Unternehmen von zentraler Bedeutung ist, steht außer Frage. Aber auch das
kann man lernen und trainieren, der eine vielleicht etwas mehr als der
andere. Und wer dazu keine Lust hat, kann einen seiner Partner zum "Kommunikator"
ernennen - als Schnittstelle nach außen und als Vermittlungsinstanz nach
innen, um die Bereitschaft zur Kommunikation bei Teammitgliedern zu
entwickeln und zu unterstützen.
Wir alle sind in der gesellschaftlichen und beruflichen Realität an
Leitbilder gewohnt. Gibt es einen Leader im virtuellen Unternehmen?
Der Leader ist der Prozess-Owner, der vor allem über seine Kompetenz,
seine Führungsmethode und geteilte Werte die Partner an sich bindet und
mit ihnen das Projekt gemeinsam gestaltet. Er verwaltet sozusagen den
Existenzgrund des virtuellen Unternehmens. Um ihn als Ideengeber
gruppieren sich die übrigen selbständigen Anbieter von Know-how, denen
er mit Respekt begegnen muss. Diese sind für ihren Bereich ebenfalls
Prozess-Owner.
Muss der Leader die Netzwerker - wie ein traditioneller Manager - nicht zu
Höchstleistungen für einen Markterfolg antreiben?
Er muss es schaffen, die anderen zu begeistern. Es geht hier um echte
partizipative Führung, bei der, anders als in vielen Unternehmen,
tatsächlich die "Mit-Arbeiter" als Gleiche unter Gleichen auch
mit entscheiden. Dabei kann die Leader-Rolle bei neuen Vorschlägen und
Ideen für Projekte wechseln.
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