New EconomyWer sind die neuen Selbständigen? Und wie ticken sie? Die Diskussion über die "New Economy" ist in vollem Gange. Viele Wirtschaftsführer und einige Ökonomen fassen schon seit Jahren die Auswirkungen der Kombination von Globalisierung und Informations- und Kommunikationstechnologie unter diesem Stichwort zusammen. Manche sagen angesichts der Verbindung von Computer und globalem Marktplatz ein noch nie da gewesenes, inflationsfreies Wachstum voraus. Neues Wirtschaftswunder? Vor allem die Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft stärkt die Überzeugung der "New Economy"-Optimisten: die Arbeitslosigkeit sinkt, die Inflation bleibt dennoch niedrig, die Börse glaubt fest an ein wirtschaftliches Wunder und in den letzten beiden Jahren stellt sich auch die lang erwartete Produktivitätssteigerung ein. Diese beschränkt sich zwar im Moment noch auf die Computerbranche, doch Internet, E-Commerce und die dazugehörige Software machen eine Übertragung der Wachstumszahlen auf andere Branchen in naher Zukunft denkbar. In welchem Maße die "New Economy" über alle Branchen hinweg Produktivitätssteigerungen bewirken wird, bleibt abzuwarten. Schon jetzt wird jedoch erkennbar, dass strukturelle Änderungen nicht auf die offiziellen Statistiken zu warten gewillt sind: die Wirtschaft erlebt eine Verschiebung von der Dominanz der Konzerne zu einer größeren Vielfalt. Die auf die Großunternehmen entfallenden Arbeitsplätze und der dort geschaffene Mehrwert fallen im Vergleich zu den kleinen und mittleren Unternehmen zurück. Einerseits erleben wir zwar eine Welle der Fusionen – die übrigens aufgrund von unternehmenskulturellen Problemen bei weniger als der Hälfte erfolgreich verlaufen. Andererseits wandelt sich die Firmenlandschaft in vielen Bereichen hin zu kleineren Einheiten, die in Deutschland unter dem Nenner "Die neuen Selbständigen" zusammengefasst werden. Die Protagonisten Wer sind nun diese neuen Selbständigen und was unterscheidet sie von den alten? Die Neuen sind Dienstleister, High-Tech-Anbieter oder Händler. Ihre Existenz ist untrennbar mit dem Einsatz neuer Organisationsformen und mit andersartigen Unternehmensphilosophien verbunden. Sie lösen sich von alten Geschäftsstrukturen und unternehmerischen Erfolgsvokabeln wie Unternehmensgröße und Hierarchie. Sie sind in Netzwerken organisiert, in denen jeder einzelne im Rahmen des gesamten Wertschöpfungsprozesses einen Teil beiträgt. Jeder Netzwerkpartner besinnt sich auf seine Kernkompetenz. Die Grenzen zwischen den Einheiten verwischen sich, die vorübergehend gebildeten Verbünde definieren sich über die Aufgabe statt über die Form und arbeiten entsprechend zielgerichtet. Ist die zu lösende Aufgabe erledigt, wird auch die temporäre Organisation überflüssig. Mit jeder neuen Aufgabe entsteht ein neues Netzwerk. Für die Netzwerker hat dies zur Folge, dass sie lernfähig und flexibel bleiben müssen. Dies macht zugleich ihre Stärke aus. Marktimpulse können schnell aufgenommen werden, organisationelle Grenzen verschwinden. Der früher hierarchisch geprägte Umgang mit Zulieferern wird zum Partnerschaftsmodell. Der kontinuierliche Dialog mit den Kunden wird institutionalisiert. Übrigens wird auch innerhalb der Großunternehmen immer stärker auf individuelle Initiative, auf kleine, bewegliche, risikofreudigere Einheiten sowie auf Netzwerke gesetzt. Der Einfluss des Marktes auf die Organisation der Wirtschaftsaktivitäten nimmt also auch hier zu. Politische und andere Voraussetzungen Es ist hinlänglich bekannt, dass das Gesetz gegen die Scheinselbständigkeit nicht gerade zur Förderung von Existenzgründungen beiträgt. Es zeigt vielmehr, dass die deutsche Politik noch immer keine Visionen für den Arbeitsmarkt im Zeitalter der Informationsgesellschaft hat. Stattdessen wird den Neuen Selbständigen das Leben unnötig schwer gemacht. Welche persönlichen und unternehmenskulturellen Voraussetzungen sind für Netzwerkorganisationen zu nennen? Entscheidend ist zunächst vor allem die Fähigkeit des Einzelnen zur partnerschaftlichen Organisation. Der wirtschaftliche Prozess eines Netzwerks wird dann bestimmt von Kompetenz, Ehrlichkeit, Dialogfähigkeit, Vertrauen und Hierarchiearmut. Diese Werte bilden die Basis neuer selbständiger Existenzen. Die Kulturen der kooperierenden Partner müssen davon durchdrungen sein, wie auch jeder einzelne ihrer Mitarbeiter sie verinnerlicht haben muss. Dies hat entsprechende Konsequenzen für die Auswahl von Mitarbeitern. Wo ein solches Wertefundament und das nötige Fachwissen vorhanden sind, bieten sich den Entrepreneuren von heute allerdings beträchtliche Chancen auf den verschiedensten Gebieten. URL dieser Seite: |
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