Fetisch ÖkonomismusZwei Leserbriefe zum Artikel: „Fetisch Ökonomismus“ von
Roland Bickmann, WELT vom 30. August Der Analyse von Roland Bickmann zum herrschenden Geist des Ökonomismus
kann nur zugestimmt werden. Mit dem Kosten/Nutzen-Kalkül des viel
beschworenen „homo oeconomicus“ lassen sich angeblich alle Probleme lösen.
Dahinter steckt eine wissenschaftliche Schule, die sich auf den
Nobelpreisträger Gary S. Becker beruft und sich entblößend „Ökonomischer
Imperialismus“ nennt. Sie beherrscht das Denken an zahlreichen
wirtschaftswissenschaftlichen Lehrstühlen und bekennt sich offen zu ihrem
Ziel, Ethik durch Ökonomik zu ersetzen. Demokratie gilt danach als
Kostensenkungsverfahren. Es reicht nicht, wie Bickmann es zu Recht tut,
diese Entwicklung an den Pranger zu stellen. Wenn das Effizienzdenken
nicht Ziel, sondern notwendiges Mittel sein soll, so muss nach dem
alternativen Ziel gefragt werden. Dies könnte in der Humanität gesehen
werden. Wirtschaftliches Handeln soll doch den Menschen dienen und nicht
umgekehrt. Demnach könnte ein Menschenbild der grundgesetzliche Maßstab
(vgl. Art. I GG) sein, der jedes effiziente Denken erst dann legitim sein
lässt, wenn es human ist. Herrn Roland Bickmann möchte ich widersprechen. Eine solide
Ökonomie ist ein großer Teil des Ethikbereiches – und davon ist unser
Staat sehr weit entfernt. Unser Volk kennt den Preis seiner Wohlfahrt im
Prinzip nicht. Eine große Zahl von Gutmenschen mit treuem Blick
veranlasst dramatisch hohe Rechnungen zu Lasten des Volkes (damit sie gewählt
werden und gut verdienen). Die Lage wird für unsere Scheindemokratie
daher langsam, aber sicher bedrohlich. Allerdings muss man auch sehen,
dass es sehr bequem ist, sich nicht mit der „bösen“ Ökonomie
auseinander setzen zu müssen. Trotzdem hoffe ich, wie wir alle, dass es
am Ende gut ausgeht. In diesem Sinne.
URL dieser Seite: |
|||||||||||