Soft CompaniesUnternehmensidentität im Wandel Die Herausforderungen der letzten Jahre waren für Unternehmen Themen wie der Wertewandel in der Gesellschaft, Lean-Prozesse, Internationalisierung und die Überwindung der Rezession. Mit den Begriffen Multimedia und ISDN steht die nächste Herausforderung bevor: die Neugestaltung der technischen Infrastruktur unserer Gesellschaft - eine Veränderung, die in ihren Auswirkungen mit der Einführung des Telefons vergleichbar ist. Heute isoliert diskutierte Anwendungen wie interaktives Fernsehen, Video-on-Demand oder Teleconferencing verschleiern den Blick auf die tatsächliche Dimension des Wandels. Virtuelle Firmen Übersetzt man die neuen Möglichkeiten in die Welt der Arbeit und der Unternehmen, so geht es um radikalen Wandel: Die Kommunikation im Unternehmen, aber auch mit Kunden und Lieferanten, wird anders als heute organisiert sein. Besprechungen werden durch Teleconferencing rationeller und kostengünstiger gestaltet werden, denn viele Geschäftsreisen können entfallen, Bürokosten können durch Heimarbeit reduziert werden, neue Arbeitsformen wie temporäre Teams werden entstehen. Das virtuelle Büro und damit das virtuelle Unternehmen sind keine Utopie mehr. Die Flexibilisierung der Arbeitswelt durch die multimedialen Techniken wird neue Leistungsformen hervorbringen. Ein Netzwerk ist nicht länger Unterbau, sondern Träger und Konzeptsteller der Leistung selbst. Der Vorteil gegenüber herkömmlichen Methoden liegt auf der Hand: Hohe Professionalität durch Subsidiarität, Kostenoptimierung durch die Addition kleiner, unbürokratischer Einheiten, Stabilität und Qualität, hohe Innovationsneigung, und nicht zuletzt Geschwindigkeit durch schnelle Kommunikation. Die Netzwerke der Zukunft setzen soziales Lernen und die Koalitionsfähigkeit ihrer Knotenpunkte voraus. Bisher definierte sich eine Unternehmenskultur und -identität weitgehend durch die "harten Faktoren" wie ein Verwaltungsgebäude, geregelte und kontrollierte Arbeitsabläufe und Kommunikation durch eine Führung, die das "Hierarchiemodell Unternehmen" mittels Kennzahlen und Controlling steuerte. Zukünftig wird sich das Unternehmen in seinem Aufbau eher wie eine Partei und ihre Mitglieder darstellen. Auf der Basis einer erkennbaren Strategie (als Folge einer Vision) finden sich diejenigen Menschen zusammen, für die diese Ziele attraktiv und motivierend wirken - culture follows vision. Die philosophietragenden Mitglieder dieses Netzwerks können dann Individuen, kleinere oder größere Firmen sein. Für das einzelne Unternehmen bedeutet diese Entwicklung die Prägung einer starken Kultur, einer starken und erkennbaren Identität. Sie darf sich nicht nur auf das Unternehmen im engeren Sinne beziehen, sondern ebenso auf die Strukturen der Lieferanten und Netzwerkpartner. Die Arbeitsabläufe werden einen gewaltigen Bedarf an Information und damit an Kommunikation haben. Es wird möglich sein, sie stark auf den Menschen und seine Bedürfnisse zuzuschneiden. Das Führungsverhalten in den Unternehmen der Zukunft kann nicht mehr von Strukturen der Abhängigkeit ausgehen. Die neuen Methoden werden "soft" sein und daher Entscheider verlangen, die ihre Sicht der Dinge durch soziale Kompetenz durchsetzen. Damit steigen die Anforderungen an die Gestalter der Zukunft extrem. Die Ära der Quereinsteiger steht erst bevor. Nicht mehr die Reduktion auf zählbare Phänomene allein ist gefordert. Hinzutreten muss die Kraft zur vorausschauenden Planung, Sensibilität, Professionalität, die Sinnvermittlung nach innen und außen und Koalitionsfähigkeit als Kennzeichen der unternehmerischen Führung. Gemeinsame Ziele und gemeinsame Bewertungen externer und interner Faktoren prägen das gemeinsame Handeln. Sozialsystem Unternehmen Nicht räumliche Nähe und Herrschaftsmechanismen halten das Sozialsystem zusammen, sondern Offenheit, Glaubwürdigkeit - und Evolutionsfähigkeit. Instabilität und das Leben mit Unsicherheiten sind Kennzeichen der zukünftigen Normalität - sie sind es eigentlich schon heute, lediglich verschleiert durch den Mythos der Messbarkeit von allem und jedem. Ein "Sozialsystem Unternehmen" verträgt keinen Pragmatismus herkömmlicher Art. Es geht nicht um lineares Denken, sondern um Einsicht in das Komplexe und das Unwägbare. Hieraus ist das Machbare zu destillieren. Manchem Hardliner mag diese Argumentation utopisch oder träumerisch erscheinen. Dies liegt daran, dass das beschriebene Profil der Unternehmensidentität von morgen noch weit entfernt von der derzeitigen Situation und Stimmung ist. Aber: in Regionen, mit denen wir international im Wettbewerb stehen, hat die beschriebene Zukunft bereits begonnen. URL dieser Seite: |
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