Knowledge Base Unternehmensberatung Bickmann & Collegen
Dokument-Info:
Autor: Roland Bickmann
Quelle: politik&kommunikation, Juni 2004, S. 60-61
Themenverwandtes:
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Unternehmensberater sind nicht omnipotent

Unternehmensberater gelten gemeinhin als Allzweckwaffe zur Lösung von Problemen. Egal, um welches Thema es geht, zumindest einer von beiden zeigt Flagge – sei es Dr. Kluge von Mc Kinsey oder Roland Berger.

Erstaunlich ist, dass sich auf der Seite staatlichen Handelns niemand die Frage stellt, ob Unternehmensberater überhaupt die Fähigkeiten besitzen, den öffentlichen Sektor beraten zu können. Das ist zwar erfreulich für die Branche, aber eine schlechte Nachricht für die Organisationen und deren Mitarbeiter, um die es schließlich geht. Aber Organisation ist nicht gleich Organisation. Auch die Aufteilung in „öffentlich“ und „privat“ kann nicht verschleiern, dass jede Organisation ein Unikat ist. Ein guter Fußballtrainer ist nicht automatisch ein guter Basketballtrainer, nur weil er den Trainerberuf hat oder es sich um eine Ballsportart handelt.

Organisationen mit öffentlichem Auftrag, also in der Regel Behörden, sind andere Konstrukte als privatwirtschaftliche Unternehmen. Sie haben traditionell ein anderes Zielsystem, was heißt, dass ihr Aufbau und ihre Abläufe anders sind. Behörden erledigen einen öffentlichen Auftrag, sie sind weit weg von einem reduzierten Denken in der Kategorie Gewinnstreben. Es gibt keinen Kunden, der Alternativen hätte, die gleiche Leistung zu empfangen. Ein Arbeitsloser ist kein Kunde, sondern ein Arbeitsloser, auch wenn der neue Jargon der Bundesagentur anderes verspricht. Es gibt für Behörden auch nicht das Risiko, gegenüber einem Wettbewerber zu verlieren und damit Konkurs zu gehen – ein Grundtrauma jeder gewerblichen Existenz. Auch bei der Motivation der Mitarbeiter bieten finanzielle Anreizsysteme nur begrenzten Nutzen.

Das „Klonen“ öffentlich-rechtlicher Systeme durch das Primat ökonomischen Denkens wird daher nicht gelingen. Unternehmensberater haben in staatlichen Organisationen allenfalls begrenzte Aufgaben zu erledigen. Vor allem aber sollte man ihnen keine stilbildende Allmachtspositionen einräumen, denn diese führen allenfalls zur Beratungsresistenz der Organisationen, die beraten werden sollen. Wenn manche Berater gar arrogant vorgehen, werden ihre Vorschläge ohnehin nicht gehört. Die Beteiligten vergessen allzu oft, dass sie die Veränderungen nicht gegen die Menschen in den Behörden erreichen werden, sondern nur mit ihnen. Die Seite der Auftraggeber, also Menschen in der Verantwortung eines Herrn Weise oder eines Herrn Clement, sollten sich sehr genau überlegen, ob sie wirklich eine ökonomisch orientierte Beratung braucht oder nicht vielmehr lediglich externe Unterstützung bei der Ausprägung intern identifizierter Veränderungen. Dies würde aber andere Methoden verlangen und hätte einen Grundrespekt gegenüber der etablierten Organisation zur Voraussetzung. Zudem wären die Mitarbeiter angewiesen, die eigene Veränderung zu identifizieren und gewissermaßen „von innen heraus“ die Zukunft zu beschreiben. Bei Menschen mit lebenslangen Verträgen – und das sind Beamte nun mal – ist das wahrscheinlich die erfolgsversprechendere Variante.

Jede Umsetzung von Veränderungen setzt die Akzeptanz durch die jeweilige Organisationskultur voraus. Fehlt es an dieser Akzeptanz, wird auch die Beratungsleistung zur Farce. Niemand in den Behörden und öffentlichen Organisationen aber ist bereit, Beratern zuzuhören, deren Leistung lediglich darin besteht, andernorts erworbenes Wissen und Können nunmehr dem öffentlichen Sektor aufzupfropfen. Und diese Ablehnung hat einen guten Grund: Ökonomisches Denken ist partiell sinnvoll, aber ökonomistisches Denken führt in einen Irrweg. Es ist Klugheit und Führungskunst, ein Theater ökonomisch zu optimieren, ohne die Kunst negativ zu beeinflussen. Nichts anderes gilt für das Krankenhaus, ein Gericht oder für die Bundesanstalt für Arbeit. Ob die so oft genannten Beratungsgesellschaften diese Demut haben, muss man bezweifeln.

Fehlt diese Grundeinstellung aber, dann wirft das Pferd seinen Reiter ab. Dies muss kein spektakulärer Akt sein. Es reicht, wenn es nach Jahren heißt, diese oder jene Behörde sei „veränderungsresistent“.Dass das die Folge einer falschen Beratungsmethode gewesen sein könnte, interessiert meist kaum. Wohl auch nicht, dass die Millionen dann zum Fenster hinausgeschmissen sind. Macht nichts – es sind ja nur Steuergelder von Menschen, die alle vier Jahre in einer Aktionärsversammlung zusammentreten.

 

Der Autor, Roland Bickmann, ist völlig unerwartet am 17. Mai 2004 im Alter von nur 48 Jahren verstorben. Er war Publizist sowie Gründer und Geschäftsführer der Bickmann & Collegen Unternehmensberatung in Hamburg. Seinen Angehörigen zur Folge wäre es in seinem Sinn, diesen Beitrag trotzdem unverändert zu drucken. Die p&k-Redaktion möchte hiermit allen Angehörigen von Roland Bickmann ihre Anteilnahme ausdrücken.

 


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