Unternehmensberater sind nicht omnipotentUnternehmensberater gelten gemeinhin als Allzweckwaffe zur Lösung von Problemen. Egal, um welches Thema es geht, zumindest einer von beiden zeigt Flagge – sei es Dr. Kluge von Mc Kinsey oder Roland Berger. Erstaunlich
ist, dass sich auf der Seite staatlichen Handelns niemand die Frage
stellt, ob Unternehmensberater überhaupt die Fähigkeiten besitzen, den
öffentlichen Sektor beraten zu können. Das ist zwar erfreulich für die
Branche, aber eine schlechte Nachricht für die Organisationen und deren
Mitarbeiter, um die es schließlich geht. Aber Organisation ist nicht
gleich Organisation. Auch die Aufteilung in „öffentlich“ und
„privat“ kann nicht verschleiern, dass jede Organisation ein Unikat
ist. Ein guter Fußballtrainer ist nicht automatisch ein guter
Basketballtrainer, nur weil er den Trainerberuf hat oder es sich um eine
Ballsportart handelt. Organisationen
mit öffentlichem Auftrag, also in der Regel Behörden, sind andere
Konstrukte als privatwirtschaftliche Unternehmen. Sie haben traditionell
ein anderes Zielsystem, was heißt, dass ihr Aufbau und ihre Abläufe
anders sind. Behörden erledigen einen öffentlichen Auftrag, sie sind
weit weg von einem reduzierten Denken in der Kategorie Gewinnstreben. Es
gibt keinen Kunden, der Alternativen hätte, die gleiche Leistung zu
empfangen. Ein Arbeitsloser ist kein Kunde, sondern ein Arbeitsloser, auch
wenn der neue Jargon der Bundesagentur anderes verspricht. Es gibt für
Behörden auch nicht das Risiko, gegenüber einem Wettbewerber zu
verlieren und damit Konkurs zu gehen – ein Grundtrauma jeder gewerblichen
Existenz. Auch bei der Motivation der Mitarbeiter bieten finanzielle
Anreizsysteme nur begrenzten Nutzen. Das
„Klonen“ öffentlich-rechtlicher Systeme durch das Primat ökonomischen
Denkens wird daher nicht gelingen. Unternehmensberater haben in
staatlichen Organisationen allenfalls begrenzte Aufgaben zu erledigen. Vor
allem aber sollte man ihnen keine stilbildende Allmachtspositionen einräumen,
denn diese führen allenfalls zur Beratungsresistenz der Organisationen,
die beraten werden sollen. Wenn manche Berater gar arrogant vorgehen,
werden ihre Vorschläge ohnehin nicht gehört. Die Beteiligten vergessen
allzu oft, dass sie die Veränderungen nicht gegen die Menschen in den Behörden
erreichen werden, sondern nur mit ihnen. Die Seite der Auftraggeber, also
Menschen in der Verantwortung eines Herrn Weise oder eines Herrn Clement,
sollten sich sehr genau überlegen, ob sie wirklich eine ökonomisch
orientierte Beratung braucht oder nicht vielmehr lediglich externe Unterstützung
bei der Ausprägung intern identifizierter Veränderungen. Dies würde
aber andere Methoden verlangen und hätte einen Grundrespekt gegenüber
der etablierten Organisation zur Voraussetzung. Zudem wären die
Mitarbeiter angewiesen, die eigene Veränderung zu identifizieren und
gewissermaßen „von innen heraus“ die Zukunft zu beschreiben. Bei
Menschen mit lebenslangen Verträgen – und das sind Beamte nun mal – ist
das wahrscheinlich die erfolgsversprechendere Variante. Jede
Umsetzung von Veränderungen setzt die Akzeptanz durch die jeweilige
Organisationskultur voraus. Fehlt es an dieser Akzeptanz, wird auch die
Beratungsleistung zur Farce. Niemand in den Behörden und öffentlichen
Organisationen aber ist bereit, Beratern zuzuhören, deren Leistung
lediglich darin besteht, andernorts erworbenes Wissen und Können nunmehr
dem öffentlichen Sektor aufzupfropfen. Und diese Ablehnung hat einen
guten Grund: Ökonomisches Denken ist partiell sinnvoll, aber ökonomistisches
Denken führt in einen Irrweg. Es ist Klugheit und Führungskunst, ein
Theater ökonomisch zu optimieren, ohne die Kunst negativ zu beeinflussen.
Nichts anderes gilt für das Krankenhaus, ein Gericht oder für die
Bundesanstalt für Arbeit. Ob die so oft genannten Beratungsgesellschaften
diese Demut haben, muss man bezweifeln. Fehlt
diese Grundeinstellung aber, dann wirft das Pferd seinen Reiter ab. Dies
muss kein spektakulärer Akt sein. Es reicht, wenn es nach Jahren heißt,
diese oder jene Behörde sei „veränderungsresistent“.Dass das die
Folge einer falschen Beratungsmethode gewesen sein könnte, interessiert
meist kaum. Wohl auch nicht, dass die Millionen dann zum Fenster
hinausgeschmissen sind. Macht nichts – es sind ja nur Steuergelder von
Menschen, die alle vier Jahre in einer Aktionärsversammlung
zusammentreten. Der
Autor, Roland Bickmann, ist völlig unerwartet am 17. Mai 2004 im Alter von
nur 48 Jahren
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