Bauindustrie: die Grenzen des Machbaren
Es ist augenfällig: Bauindustrielle Unternehmen leiden unter
Geschäftsmodellen wie "Projektentwicklung" oder den sogenannten
"Betreibermodellen". Der jüngste Fall, die Philipp Holzmann AG,
ist nur ein weiterer Beleg für die Tatsache, dass sie beide Felder nicht
erfolgreich gestalten können. Geboren wurde die Idee "Projektentwicklung", um das engere Feld der Bautätigkeit, wo eher Architekten und Investoren im Scheinwerferlicht stehen, zu verlassen und selbst als Initiator und Entwickler aufzutreten. Was geschieht durch diese Entwicklung in den Unternehmen? Die eigentliche Kernkompetenz wird erweitert durch "Software" wie zum Beispiel Dienstleistungen, ohne dass diese Fähigkeit in der Unternehmenskultur verankert wäre. Nicht anders verhält es sich bei den Betreibermodellen: Die Auftraggeber, insbesondere die öffentliche Hand, werden zum "Dulder" industrieller Tätigkeiten, denn es entlastet die öffentlichen Kassen. Sieht man es politisch, so wird die öffentliche Leistung an den Privatbereich zurückdelegiert – gewissermaßen eine Privatisierung zweiten Grades. Das heißt aber noch lange nicht, dass ein bauindustrielles Unternehmen per se ein effizienter Betreiber – zum Beispiel der kommunalen Wasserversorgung – wäre. Auf Seiten der Auftragnehmer bleibt die Kernmotivation erhalten, die vom Markt verlangten weiteren Kompetenzen werden von der Bauindustrie als ungewollte "Kröte" geschluckt. Die Praxis zeigt: Eben diese Kröte bleibt ihr im Halse stecken, die Kompetenzerweiterung gelingt nicht, oder nur teilweise und unter Hinnahme erheblicher Fehlschläge. Holzmann als Betreiber der Köln Arena ist nur EIN Beispiel dieser Anmaßung eigener Omnipotenz. Ob der großen Finanzvolumina wird der Blick auf die Risiken dieser Entwicklung gerne übersehen. Zu groß die Verlockung auf Seiten der Bauindustrie, die eigenen Auftragsbücher mit Vorzeigeprojekten zu füllen. Zu naiv ist der Glaube an die Omnipotenz der Bauriesen auf Seiten der Banken und öffentlichen Dulder. Anders gefragt: Kann ein Unternehmen alles? Oder begrenzt die Unternehmenskultur nicht auch die Kompetenz? Das bauindustrielle Unternehmen ist von seiner Natur her eben keine Immobiliengesellschaft, kein Projektentwickler, sondern eher ein Ingenieurunternehmen. Das kulturelle Bewusstsein im verantwortlichen Management muss die Sensibilität für das Machbare und seine Grenzen als Handlungsrahmen akzeptieren. Die Zeit der Selbstüberschätzung muss einer neuen Sensibilität weichen. Ob dies Topmanager qualitativ im Zeitalter der Quantität schaffen, darf mit Spannung erwartet werden. Optimismus diesbezüglich erscheint jedoch gewagt. URL dieser Seite: |
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