UnternehmenskulturSolange das Thema Corporate Identity in Deutschland lediglich mit Corporate Design und Corporate Communications übersetzt wird, braucht sich niemand über zu wenig "Chefwissen" zu beklagen. Diese Themenfelder sind für die Entscheidungsebene nur bei der Definition der "grundsätzlichen Laufrichtung" und bei der "Endentscheidung" interessant. Nichts anderes ergeben die in der w&v zitierten Zahlen. Das tatsächliche Verständnis von "Corporate Identity" in den Unternehmen zeigt zudem die operationale Aufhängung im Unternehmen. Viel interessanter ist die allgemeine Unzufriedenheit mit der Unternehmenskultur. Was Wunder: Das Thema Unternehmenskultur als eigentliches Herzstück jeder Unternehmensidentität geht fachlich weit über die heutzutage praktizierte (CI-)Realität hinaus. Leider verharrt die aktuelle CI-Diskussion jedoch bei unternehmenskosmetischen Themen, "CI" gerät als Methode ins Zwielicht. Die oft aus dem Kommunikations- und Werbeumfeld kommenden CI-Berater haben aber für den gesamten Themenkomplex (also Identitätsentwicklung als Folge oder zusammen mit Kulturentwicklung und nicht umgekehrt) wohl keine ausreichende Kompetenz. Diese Arbeit verlangt auch wesentlich mehr inhaltliche Kompetenz als die Beschäftigung mit den "neuen Kleidern für den Kaiser". Deutlicher Beweis für dieses fehlende eigene Verständnis ist die Auflistung der "Top Ten": Mag z.B. Daimler-Benz eine exzellente Unternehmensdarstellung, ein schlüssiges Design haben - die Herausforderung für dieses Unternehmen ist die völlige Neudefinition der eigenen Kultur: Weg von der "No.1-Autoschmiede", hin zu einem heterogenen Technologiekonzern. Diese Herausforderung ist zunächst einmal ein Kulturproblem. Wie kann ich dieses Unternehmen, wenn ich einen ganzheitlichen, also kulturumfassenden Identitätsbegriff zugrunde lege, in einer Phase der völligen kulturellen Neuorientierung zu den "Top Ten" zählen? Dies kann nur passieren, wenn mein Augenmerk sich ausschließlich auf Themen wie Corporate Design, Investor Relations usw. richtet. Diese Urteile mögen mit den Debis-Mitarbeitern oder den "AEG-Olympianern" in Norddeutschland sprechen! Ebenso verhält es sich mit einem der anderen "Top Ten"-Beispiele: Bayer, ein Unternehmen, das sich kulturell die Frage stellen mu ss, sich gesellschaftspolitisch in völlig neuer Weise zu positionieren und zu legitimieren. Wie die Chemieindustrie insgesamt muss auch Bayer den Nachweis der eigenen gesellschaftlichen Nützlichkeit erbringen, und dies nach innen (Führungsnachwuchs, innere Akzeptanz) und nach außen.Die angesprochenen Probleme und Fragestellungen werden m.E. nicht von "CI-Leuten" heutiger Prägung gelöst, da sie real nur ein eingeschränktes, im wesentlichen auf die Außenkommunikation gerichtetes Verständnis von "Corporate Identity" haben. Diese Probleme werden auch nicht von der "klassischen" Unternehmensberatung gelöst. Ebenso wie in einer Zeit des "Wertewandels in der Gesellschaft" ein "kulturbew usstes Management" zu fordern ist, wird sich auch in der Beraterszene eine neue Spezies von Beratern zu profilieren haben.URL dieser Seite: |
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