Einfach nur gesunder MenschenverstandWer seine Firma werteorientiert führt, braucht nicht den Mantel des Gutmenschentums. Er handelt nur professionell, wenn er den Betrieb als soziale Veranstaltung begreift. Begriffe wie Unternehmensethik, werteorientierte Führung oder auch Mitarbeiterorientierung sind derzeit gern benutzte Vokabeln in der Öffentlichkeit. Es entsteht der Anschein von Gutmenschen, die endlich begriffen haben, dass – frei nach Karl Marx – der Sinn des Wirtschaftens jenseits des Wirtschaftens entsteht und es nunmehr darum gehen müsse, den „Produktionsfaktor“ Mensch neu zu entdecken. So einfach ist die Sache nicht. Die Entdeckung einer integrierten Führungsphilosophie und damit das Aufräumen mit jener unseligen Zweiteilung der Welt in „hard“ und „soft facts“ ist nichts anderes als die späte Einsicht in die Zwangsläufigkeiten einer Wirtschaft, die sich auch auf Grund der Globalisierung zunehmend von ihrer heimatlichen Bindung, der Bindung an Staatswesen, entkoppelt. Gleichwohl muss sie aber die Mitarbeiter durch Sinnangebote binden. Und diese Bindung sollte mehr sein ale eine „Jobmentalität“. Denn gerade Wissensarbeiter kommen erst dann voll zu Geltung, wenn sie sich in ihrem betrieblichen Umfeld als Menschen entfalten können und wollen. Dies gilt schon lange in Hamburg und in München und sicherlich noch deutlich intensiver für die Tochtergesellschaft eines deutschen Unternehmens in Shanghai oder in den USA. Patchworkteppich ohne Zusammenhalt So sind Verhaltenskodizes, so genannte Codes of Conduct, nichts anderes als Maßnahmen, um den Fliehkräften international agierender Unternehmen etwas Bindendes, Gemeinsames mitzugeben. Im anderen Fall würden Unternehmen durch ihre mentale Heterogenität schlicht nicht mehr zu führen sein. Deutsche Entscheidungen in den USA oder China durchzusetzen, ist ungleich schwerer, als wenn eine Tochtergesellschaft nur im anderen Bundesland zu Hause ist. Ohne Maßnahmen der Kulturdefinition aber würde sich das Unternehmen wie ein Patchworkteppich ohne inneren Zusammenhalt darstellen. Zudem entlasten redlich implementierte Codes of Conduct die Unternehmer erheblich. Denn sie erlauben es dem Management im börsennotierten Umfeld, eine innere Dynamik zu verankern. Für den persönlich haftenden Firmenchef ist es die beste Methode, um als Person, die das Unternehmen ohnedies stark prägt, durch eine von innen getriebene Kulturentwicklung zu relativieren und sich selbst sogar zu entlasten. Diese Notwendigkeit, moderne, ganzheitlich konzipierte Führungsinstrumente einzusetzen, braucht nicht den Mantel des Gutmenschentums. Es ist nichts anderes als die Einsicht in das Notwendige, es geht um professionelles Handeln. Das einzige Problem: Die Akteure in industriellen Unternehmen oder in anonymen Kapitalgesellschaften erscheinen oft wie Wölfe im Ethikschafspelz, die nichts anderes tun als der „hard core“ Shakeholder-Orientierung ein philosophisch anmutendes Sahnehäubchen aufzusetzen. Dieser Eindruck der Vordergründigkeit täuscht selten. Schon aus diesem Grunde scheitern viele Projekte mit Titeln wie Mission Statement, Agenda 20xx oder anderen wohlklingenden Namen. Denn: Manager, die tatsächlich integrativ führen, also verstanden haben, dass Menschen das Öl der Wissensgesellschaft in ihren Köpfen tragen, sind andere Führer als jene technokratisch-narzistischen Selbstdarsteller, die am Ende noch nicht einmal erkennen können, dass Unternehmen zunächst einmal soziale Veranstaltungen sind. Authentische Führungen braucht es aber, um Menschen zu erreichen, um mehr zu wollen, um mehr zu erzielen als den uralten Deal „Arbeitsleistung gegen Monatssalär“. Wer die Fantasie der Mitarbeiter braucht - Kreativität, Innovationsorientierung und smarte Prozesse - muss erkennen, dass betriebliche Abläufe sich selten rational-analytischem Denken öffnen. Nur eine integre, glaubwürdige und auch menschenorientierte Führung kann am Ende das soziale Optimum aus dem Unternehmen gewinnen. Nimmt man diese einfachen Kriterien zur Hand und prüft damit die Persönlichkeiten heutiger Führungskader, dann wird schnell deutlich, dass hier erheblicher Handlungsbedarf besteht. Mehr als ein Team von Geldverdienern So betrachtet, wird deutlich, dass es nicht so sehr darum geht, das „gute Verhalten“ zu etablieren, sondern dass das Problem im Kern die Fehlentwicklungen der letzten Jahre ist. Spätestens der Niedergang der Enron Corp. In Houston hat gezeigt, dass eine rational-technokratische Führung dann versagt, versagen muss, wenn etwa wirtschaftskriminelle Energien sich entfalten. Vor solchen Entwicklung kann man nur dann sicher sein, wenn das Unternehmen deutlich mehr ist als eine Gemeinschaft von Geldverdienern, und wenn man sich gemeinsam verbunden fühlt im Erreichen von Zielen, die auch der Einzelne als sinnvoll und erstrebenswert erachtet. Diese Forderung klingt gespiegelt am Zeitgeist etwas pathetisch, fast träumerisch. Doch sie ist nichts anderes als die Wiederentdeckung des gesunden Menschenverstandes. URL dieser Seite: |
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