Wertemanagement ist KulturgestaltungStrategien zur Vorbeugung von Fehlverhalten sollten an der Organisationskultur ansetzen Der Manager, der beim Thema Werte sofort an Zahlen und Bilanzgewinne denkt, leidet unter einer gefährlichen Betriebsblindheit – im wahrsten Sinne des Wortes. Nicht nur die jüngsten Aufsehen erregenden Skandale um die Zahlungen im Umfeld der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone oder die immer wieder bekannt werdenden Regelverstöße in öffentlichen Vergabeverfahren zeigen, dass Unternehmen und Behörden auch im ideellen Sinne kein wertfreier Raum sind. Im Gegenteil: Werte sind ein wichtiges Führungsinstrument, mit dem sich das Verhalten von Mitarbeitern steuern lässt. Dabei dienen Werte nicht nur der Abwehr von Fehlverhalten oder kriminellen Machenschaften wie Vorteilsnahme oder Korruption: Wer Mitarbeiter auf der Basis von Werten führt, gestaltet die Unternehmenskultur und trägt zu Sinnstiftung, Identifikation und Motivation bei. Fundament
Organisationskultur Die
Organisationskultur liefert dabei das Fundament für die Identität und
Werte eines Unternehmens oder einer Organisation. Die Organisationskultur
besteht aus der Gesamtheit von Normen, Wertvorstellungen, Riten, Symbolen
oder Umgangsformen, die die Verhaltensweisen der Mitarbeiter prägen. So
wird deutlich: Wer die Kultur und Identität eines Unternehmens bewusst
gestaltet, beeinflusst damit auch den Ethos eines Unternehmens, also das,
was im Unternehmen als „wertvoll“ erachtet wird. Wenn eine
Organisation das Thema der Werte auf die Tagesordnung setzt, gibt sie
damit das klare Signal, dass die Frage nach dem „richtigen Handeln“
nicht allein eine Frage der individuellen Moral des Einzelnen ist. Es gilt
vielmehr, dass sich ein Unternehmen auch als Organisation an Werten
orientieren muss, die klare Richtlinien für akzeptables beziehungsweise
unakzeptables Verhalten setzen. Werte
dienen dem Risikomanagement
Werte
sind Ideen, Orientierungen und Verhaltensweisen, die von Menschen in einer
Gruppe, einer Organisation oder eben einem Unternehmen als wichtig, gut
und damit erstrebenswert angesehen werden. Deshalb beeinflussen sie nicht
nur Urteile, sondern auch Handlungsweisen in „nachhaltig“ wirksamer
Form. Diese normative Funktion sollte ein Unternehmen nutzen, wenn es
darum geht, unerwünschtem Verhalten seiner Mitarbeiter vorzubeugen.
Unternehmen, die diese Gestaltungspotentiale ignorieren, verschenken
Erfolgschancen und handeln unverantwortlich bei der Prävention von
Risiken aus menschlichem Fehlverhalten. Die
Gründe für ethisches Fehlverhalten sind vielfältig. Zu den
strukturellen Ursachen gehören einerseits mangelnde Transparenz in den
Organisationen, also Handlungsweisen, die nicht offen ersichtlich bzw. für
Dritte nachvollziehbar sind oder bei denen eine klare Zuordnung von
Verantwortlichkeiten fehlt. Unkontrollierter Freiräume, die auf diese
Weise entstehen, laden vor allem dann zum Missbrauch ein, wenn das Klima
und die Kultur des Organisationsumfeldes insgesamt nicht an integritätsförderlichen
Werten und Orientierungen ausgerichtet ist. Besonders bei
Korruptionsdelikten spielen mangelnde Sensibilisierung und ein fehlendes
Unrechtsbewusstsein eine zentrale Rolle. Dies wird zum Teil auch unterstützt
durch eine unklare Rechtslage oder durch eine reine Ergebnisorientierung.
(„Mein Chef erwartet, dass ich diesen Auftrag kriege, egal wie.“) Wo
ein ethisches Wertebewusstsein und entsprechende Orientierungen fehlen,
entstehen Grauzonen, die im Zweifel zum eigenen Nutzen ausgelegt werden. Wertemanagement
ist keineswegs eine rhetorische Schönwetterveranstaltung, sondern eine
strategische Aufgabe, die weitsichtiges Managementhandeln erfordert. Es
erscheint seltsam, dass Unternehmensführer und Entscheidungsträger im öffentlichen
Sektor das Handeln ihrer Mitarbeiter durch immer neue
Managementinstrumente zu steuern versuchen und dabei eine so grundlegende
Dimension wie ethische Maßstäbe außer Acht lassen. Werden diese Maßstäbe
nicht gesetzt, ist es wenig verwunderlich, dass Unternehmen, unter den
immer komplexeren Bedingungen der Internationalisierung und
Differenzierung, in ethischer Hinsicht außer Kontrolle geraten.
Wirtschaftskriminelle Delikte wie Korruption und Bestechlichkeit sind
dabei sicherlich die drastischsten Formen, die in der Öffentlichkeit zu
den heftigsten Gegenreaktionen führen. Gemeinsame
Werte schaffen Vertrauen
Nicht
nur im Außenverhältnis sind die Gestaltung der Unternehmenskultur und
das Wertemanagement von Bedeutung. Auch in der internen Zusammenarbeit
sind werteabhängige Verhaltensweisen wie Vertrauen und
Kooperationsbereitschaft wichtige Erfolgsfaktoren. Vertrauen bringt ökonomisch
gesehen eine Reihe von Vorteilen: Senkung von Transaktionskosten durch den
Abbau von Reibungsverlusten bei der Zusammenarbeit. Eine Vertrauenskultur
steigert zudem die Motivation und die Bereitschaft zu Offenheit und
Transparenz, die heute auch für ein effektives Wissensmanagement immer
wichtiger wird. Wertemanagement ist deshalb nicht nur ein Medium der
Verhaltenssteuerung und -kontrolle, sondern dient vor allem der Prävention
durch eine gezielte vertrauens- und damit erfolgsfördernde
Kulturgestaltung insgesamt. Die
Negativ-Beispiele der jüngsten Vergangenheit haben gezeigt, wie dieser
Kontrollverlust in letzter Konsequenz nichts weniger als die Existenz
einer Organisation bedroht. Dabei spielt eine gewichtige Rolle, dass die
verschiedenen Stakeholder – Mitarbeiter, Kunden, Konsumenten, Geschäftspartner,
gesellschaftliche Interessengruppen - immer größere ethische
Anforderungen an Organisationen stellen. Gesichtspunkte wie die Qualität
von Produkten und Dienstleistungen oder die Gewinnorientierung reichen
nicht mehr aus, um Organisationshandeln zu rechtfertigen. Gerade für den
öffentlichen Bereich ist der Image-Schaden durch einen Vertrauensverlust
der Bürger erheblich, auch wenn er sich nicht wie bei Unternehmen in Euro
und Cent beziffern lässt. Mangelnde Transparenz in Verwaltungen zum
Beispiel in Vergabeverfahren oder in Arbeitsprozessen generell erhöht den
Rechtfertigungsdruck insbesondere für aus öffentlichen Geldern
finanzierte Institutionen, deren Dienstleistungen sich kaum in
„Marktpreisen“ darstellen lassen. Privatwirtschaftliche
Organisationen, die diesen Forderungen nicht nachkommen, werden bereits
mittelfristig mit einem massiven Vertrauensverlust der Stakeholder, bis
hin zum aktiven Boykott bestraft. Deshalb wird Wertemanagement als
notwendige Grundlage eines funktionierenden Stakeholdermanagements zu
einem Faktor der Wettbewerbsdifferenzierung – in dem Maße, in dem es
zur Glaubwürdigkeit und damit zur Vertrauensstiftung beiträgt.
Voraussetzung dafür ist, dass Werteorientierungen nicht nur propagiert,
sondern im Rahmen eines umfassenden Wertemanagementsystems konsequent
umgesetzt und gelebt werden. Instrumente
für das Kulturmanagement
Viele
Unternehmen arbeiten heute bereits mit dem Instrument einer Vision, um die
Organisation langfristig strategisch auszurichten. Dieser Zielhorizont
bedarf jedoch einer Konkretisierung und sollte deshalb durch ein Leitbild
und klar definierte Verhaltens- und Führungsgrundsätze unterfüttert
werden. Das Leitbild ist der erste Ansatzpunkt, um neben den selbstverständlich
unabdingbaren ökonomischen Zielvorstellungen auch ethische Leitwerte und
Selbstverpflichtungen in die Organisation einzuführen. Zu diesen
Leitwerten gehören allgemein gesprochen Orientierungen wie
Partnerschaftlichkeit, Integrität oder Fairness. Der
Impuls, eine wertebasierte Organisation zu schaffen, muss "von oben
kommen" - nicht zuletzt wegen der Vorbildfunktion von Vorgesetzten
oder Geschäftsführung. Dies ist jedoch nicht gleichzusetzen mit einer
Werteausrichtung per Verordnung. Wer neue Werte in eine Organisation
einbringen will und/oder im Unternehmen implizit vorhandene Werte explizit
machen will, muss alle Bereiche und alle Ebenen einer Organisation mit in
das Wertekonzept einbeziehen. Partizipation ist bereits bei der
Formulierung von Werten gefordert. Die Führungsebene, die in der kleinen
Runde am Vorstandstisch blumige Werteformulierungen ersinnt, muss sich
nicht wundern, wenn sie bei der Implementierung auf Gleichgültigkeit,
Unverständnis oder Ablehnung stößt. Wer das Thema Werte ernst nimmt,
muss eine klare Kommunikationsstrategie verfolgen, erst nach innen, dann
nach außen und Feedback nicht nur zulassen, sondern auch berücksichtigen. Ist
die Leitwerteformulierung geglückt, können sie allerdings nur dann
Wirkung entfalten, wenn sie in klare Handlungsorientierungen für Führungskräfte
und Mitarbeiter übersetzt werden. Jeder Angehörige des Unternehmens muss
nachvollziehen können, wie man miteinander im Unternehmen und nach außen
gerichtet mit Stakeholdern des Unternehmens umgehen will. Nur dann kann
sie oder er sich im Zweifelsfall auch auf diese Regeln berufen. Auf diese
Weise wird gewährleistet, dass wertekonformes Verhalten im Unternehmen
auch wechselseitig eingefordert werden kann – von allen Involvierten
gleichermaßen. Werte
sind Richtlinien für konkretes Handeln
Ist mit den Verhaltens- und Führungsgrundsätzen der nächste Konkretisierungsgrad erreicht, stehen Organisationen Instrumente zur Verfügung, mit denen sich im Wortsinne "arbeiten" lässt. Nun folgt der entscheidende Schritt der Umsetzung, um mit der Hilfe von Werten konkretes Handeln auch steuern zu können. Auf der Wertebasis muss ein auf den Einzelfall zugeschnittenes Umsetzungsprogramm geschneidert werden. Dazu gehört ein konkreter Handlungskatalog, der verdeutlicht, wie Werte in alltägliches Managementhandeln einfließen. An der Erarbeitung des Umsetzungsprogramms sollten Mitarbeiter aus allen Hierarchieebenen einer Organisation beteiligt werden. Der Umsetzungsprozess und seine Ziele müssen so kommuniziert werden, dass sie verständlich und nachvollziehbar sind. Gleichzeitig muss auch sicher gestellt werden, dass der Erfolg der Umsetzung überprüfbar ist. Erst wenn dieser Schritt erfolgreich vollzogen ist, werden Werte nach innen und außen spürbar. Dieser Schritt fällt erfahrungsgemäß am schwersten. Dabei ist der Rahmen für eine Umsetzung und deren Controlling in den meisten Organisationen bereits vorhanden. Wertemanagement lässt sich beispielsweise in bestehende Managementsysteme wie EFQM oder Führungsinstrumente wie eine Balanced Scorecard integrieren. Instrumente
dieser Art ermöglichen der Führungsebene einen regelmäßigen
Soll-Ist-Vergleich von Anspruch und gelebter Wirklichkeit. In einer
wertegeleiteten Organisation wird der Erfüllungsgrad der im Unternehmen
postulierten Werte nicht nur zu einem Maßstab der Bewertung von
individuellem Handeln, sondern letztlich zum Parameter des
Unternehmenserfolgs. Einer
der wichtigsten Hebel der Umsetzung sind dabei
Personalmanagement-Prozesse. Schon beim Recruitment müssen
Unternehmenswerte deutlich kommuniziert werden. Potentielle Mitarbeiter
sollten auch danach beurteilt werden, ob sie in der Lage sind,
Unternehmenswerte mitzutragen und umzusetzen. Dies spielt auch bei der
Auswahl, Weiterentwicklung und Leistungsbewertung von Führungskräften
eine entscheidende Rolle. Ähnliches gilt für Einführungs- und Schulungsprogramme,
in denen Werte gezielt, zumindest aber implizit, vermittelt werden
sollten. Strategische
Einbindung des Wertemanagements
Ein
gelingendes Wertemanagement muss allem voran auf der Ebene der Strategie
und Zielformulierung greifen. Wenn sich die Geschäftspolitik oder die
grundsätzliche Ausrichtung einer Organisation von den Werten abkoppelt
und mit diesen unvereinbare Zielvorstellungen entwickelt, wird ein auf der
Personalebene noch so gut abgefedertes Wertemanagement seine positive
Wirkung verfehlen. Mehr noch: Mitarbeiter und Führungskräfte werden
dadurch in zeit- und energieraubende Wertekonflikte verstrickt, die
nicht nur persönlich belastend sind, sondern die Glaubwürdigkeit der
propagierten Werteorientierung insgesamt untergraben. Ein integrativ und umfassend angelegtes Wertemanagement, wie es auch der kürzlich entwickelte Leitfaden „WerteManagementSystem WMSZfW„ des Deutschen Netzwerk Wirtschaftsethik (dnwe) vorsieht, schafft demgegenüber die Grundlagen für eine integre, nachhaltig erfolgreiche Organisation, die sich selbst reguliert und damit wertvolle Wettbewerbsvorteile verschaffen kann. URL dieser Seite: |
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