Wettbewerbsvorsprung durch WertemanagementEthik im Betrieb. Reinhard Sprenger entdeckt Vertrauen als Führungsfaktor, Fußball-Ehrenpräsident Egidius Braun erhält den Ethik-Preis des Sports und italienische Prominente gründen einen Verband zur Wahrung der Moral. Werte scheinen im Kommen zu sein. Sollen moralische Vorgaben zur Unternehmenskultur beitragen, müssen sie richtig eingeführt werden Der
Manager, der beim Thema Werte sofort an Zahlen und Bilanzgewinne denkt,
leidet unter gefährlicher Betriebsblindheit. Spätestens nach den jüngsten Aufsehen
erregenden Skandalen um Arthur Andersen und Enron, aber auch nach den
zahlreichen Regelverstößen am Neuen Markt in Deutschland (Comroad,
Gigabell, Infomatec - die Liste ließe sich fast beliebig verlängern)
sollte auch dem Letzten klar geworden sein, dass Unternehmen auch im
ideellen Sinne kein wertfreier Raum sind. Im Gegenteil: Werte sind ein
wichtiges Führungsinstrument. Dabei dienen Werte nicht nur der Abwehr von
Fehlverhalten: Wer Mitarbeiter auf der Basis von Werten führt, gestaltet
die Unternehmenskultur und trägt zu Sinnstiftung, Identifikation und
Motivation bei. Werte
sind Ideen, Orientierungen und Verhaltensweisen, die von Menschen in einer
Gruppe, einer Organisation oder eben einem Unternehmen als wichtig, gut
und damit erstrebenswert angesehen werden. Deshalb beeinflussen sie nicht
nur Urteile sondern auch ihre Handlungsweisen in nachhaltiger Form.
Unternehmen, die diese Gestaltungspotentiale ignorieren, verschenken
Erfolgschancen und handeln unverantwortlich bei der Prävention von
Risiken aus menschlichem Fehlverhalten. Der Herausforderung des bewussten
Wertemanagements müssen sich zu allererst die Top-Entscheider und Führungskräfte
stellen. Wertemanagement ist keine rhetorische Schönwetterveranstaltung,
sondern eine strategische Aufgabe. Neue
Tools verdrängen die Ethik Es
erscheint seltsam, dass Unternehmensführer das Handeln ihrer Mitarbeiter
durch immer neue Managementinstrumente zu steuern versuchen und dabei eine
so grundlegende Dimension wie ethische Maßstäbe außer Acht lassen.
Werden diese Maßstäbe nicht gesetzt, ist es wenig verwunderlich, dass
Unternehmen, unter den immer komplexeren Bedingungen der
Internationalisierung und Differenzierung, in ethischer Hinsicht außer
Kontrolle geraten. Wettbewerbsfaktor
Glaubwürdigkeit Deshalb
wird Wertemanagement als notwendige Grundlage eines funktionierenden
Stakeholdermanagements zu einem Faktor der Wettbewerbsdifferenzierung –
in dem Maße, in dem es zur Glaubwürdigkeit von Unternehmen und damit zur
Vertrauensstiftung beiträgt. Voraussetzung dafür ist, dass firmeneigene
Werteorientierungen nicht nur propagiert, sondern im Rahmen eines
umfassenden Wertemanagementsystems konsequent umgesetzt werden. Viele
Unternehmen arbeiten heute mit Visionen, um die Organisation langfristig
strategisch auszurichten. Dieser Zielhorizont bedarf jedoch einer
Konkretisierung und sollte deshalb durch ein Leitbild und klar definierte
Verhaltens- und Führungsgrundsätze unterfüttert werden. Das Leitbild
ist der erste Ansatzpunkt, um neben den unabdingbaren ökonomischen
Zielvorstellungen auch ethische Leitwerte und Selbstverpflichtungen einzuführen.
Zu diesen Leitwerten gehören auch Orientierungen wie
Partnerschaftlichkeit, Nachhaltigkeit oder Fairness. Vom
Wert zur Handlungsorientierung Der
Wertemanagementprozess darf nicht nach der Leitwerteformulierung
abbrechen. In diesem Fall hätte man einen Wertekatalog, der sich
sicherlich gut im Geschäftsbericht abdrucken lässt, aber reine Rhetorik
bliebe. Leitwerte können nur Wirkung entfalten, wenn sie in klare
Handlungsorientierungen im Sinne von Verhaltenswerten für Führungskräfte
und Mitarbeiter übersetzt werden. Jeder Angehörige des Unternehmens muss
nachvollziehen können, wie man miteinander und mit Stakeholdern umgehen
will. So kann wertekonformes Verhalten auch wechselseitig eingefordert
werden. -----------------------------------------------------------------------------------------
=> Wegweiser Drei Stationen müssen passiert werden, um ein Leitbild zum echten
Richtwert für Unternehmensziele zu machen: 1) Im Dialog zur Wertebasis 2) Konkretisierung zur Handlungshilfe Die im Leitbild formulierte Selbstverpflichtung steht nicht als eine
eigene Dimension neben der betriebswirtschaftlichen oder technischen. Sie
bildet vielmehr die integrative Grundlage, auf der sich das
unternehmerische Handeln vollzieht. Diese prinzipielle Ausrichtung gilt es
dann einerseits in Leitlinien und Verhaltensrichtlinien („Code of
Conduct“) zu stärker handlungsbezogenen ethischen und integritätsrelevanten
Orientierungen zu konkretisieren, andererseits zu Handlungsempfehlungen für
alle Bereiche des Unternehmens zu machen. 3) Vergleich mit der Wirklichkeit
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