Wissensmanagement
im Telelearning
Inhaltsübersicht:
1 Sinnvolle Nutzung der Möglichkeiten, die die neue
IT-Situation bietet
1.1 Die aktuelle IT-Situation und ihre Auswirkungen auf den Umgang mit
Informationen im Unternehmen
1.2 Anforderungen an ein Wissensmanagement und Wege zur Realisation
1.3 Zusammenfassung der Vorteile eines funktionierenden Wissensmanagements
2 Integration des Wissensmanagements in das Telelearning-Konzept
2.1 Grundsätzliche Überlegungen zum e-Training
2.2 Die Lernplattform – ein Portrait
2.3 Ein typisches Telelearning-Szenario
2.4 Qualifizierung fließt in den Wissenspool
Wissen ist die Ressource des 21. Jahrhunderts. Den Mitarbeitern in den
Unternehmen wird die Notwendigkeit des »lebenslangen Lernens« erklärt.
Was ihnen nicht erläutert wird, ist das »Wie« des Lernens in den
Formen, die in der Informationsgesellschaft möglich sind und die zu
Effizienzsteigerungen für den Mitarbeiter und auch das gesamte
Unternehmen führen können. Ohne die Ideen und die Gerüste des Wissens,
den Informationen und den Erfahrungen der einzelnen Individuen, wird die
Informationsflut jeden einzelnen »überwältigen«. Telelearning ist die
Form des Lernens in der Informations- und Wissensgesellschaft. Die
zunehmende Weiterentwicklung in der modernen Informationstechnologie
bedeutet nicht nur eine enorme Informationsflut, die auf jeden einzelnen
Mitarbeiter einwirkt, sondern auch eine erhöhte Transparenz der
Unternehmen untereinander mit verkürzten Produktlebenszyklen und einem
daraus resultierenden verschärften Wettbewerb. Um diesem in einem
informationstechnologisch geprägten Zeitalter, in dem sich Wissen als
entscheidender Erfolgsfaktor herauskristallisiert, standhalten zu können,
muss ein Unternehmen durch einen gut durchdachten Workflow im
Informations- und Wissenstransfer, der von allen Mitarbeitern und
Führungskräften kontinuierlich genutzt wird, den Unternehmenserfolg
sicherstellen und existierende Potentiale und Kompetenzen nutzen. Nur
allzu logisch erscheint es dabei, ein solches System, das
Unternehmenswissen verwaltet, breitflächig an der Stelle aufzusetzen, an
der das Wissen vermittelt und erarbeitet wird. Wichtig ist dabei die
begriffliche Unterscheidung zwischen Information und Wissen. Wissen ist
mehr; Erfahrungen und vorhandenes Wissen eines Individuums oder einer
Organisation werten die hinzukommenden Informationen auf, da diese in ein
»vorbereitetes« Geflecht von Wissen integriert werden. Telelearning ist
für zukunftsorientierte Unternehmen ein in verstärktem Maß genutzter
Weg, Informationen, Erfahrungen und Wissen zur Verfügung zu stellen, und
den Austausch nicht nur innerhalb des Unternehmens zu steigern. Wird
aktuell generiertes Wissen in seinen Hauptaussagen festgehalten, so geht
es zum einen nicht verloren, sondern steht für alle Mitarbeiter bereit
und ist zum anderen eine erste Transfermöglichkeit für den Mitarbeiter,
das gerade Erlernte in Worte zu fassen. Das ist ein entscheidender Punkt
bei der Bewertung unterschiedlicher Lernsysteme.
1 Sinnvolle Nutzung der Möglichkeiten, die die neue IT-Situation
bietet
1.1 Die aktuelle IT-Situation und ihre Auswirkungen auf den Umgang mit
Informationen im Unternehmen
Die heutige informationstechnologische Infrastruktur bietet multiple
Möglichkeiten der Informationsbeschaffung. Selbstverständlichkeiten wie
E-Mail-Systeme, elektronische Newsletter, digitale Diskussionsforen,
virtuelle Chaträume und unzählige Informationsdienstleistungen im
Internet werden von den Mitarbeitern zur Erledigung ihrer Aufgaben dankbar
in Anspruch genommen.
Diese bequemen Techniken bewirken aber nicht
ausschließlich, dass alle Mitarbeiter mit den notwendigen Informationen
versorgt werden können. Unsere Welt wächst täglich enger zusammen;
Datennetze übertragen die komplexeren Informationen in zunehmend
kürzeren Zeiten. Digitale Verfahren erlauben nahezu
qualitätsverlustfreie Multiplikationen digital erstellter Dokumente.
Aufgrund der Simplizität der Datenvervielfältigung wird hiervon auch
häufig Gebrauch gemacht; so werden Informationen unselektiert verbreitet.
Die Informationsflut wächst. Folglich werden diese Informationen
zunächst individuell gesichtet, bewertet und gegebenenfalls in die eigene
Ordnung integriert. Jeder Mitarbeiter erarbeitet eigene Strategien, diese
Informationsflut zu bewältigen, um ein möglichst umfangreiches
Repertoire an Informationen und Wissen am Arbeitsplatz bereitstehen zu
haben.
So entsteht im Laufe des Arbeitslebens bei jedem Mitarbeiter ein
mehr oder weniger gut strukturierter, aber nur bedingt aktueller Pool an
Wissen. Die Mitarbeiter verknüpfen nach bestem Wissen und Gewissen neue
Informationen mit den individuellen Kontexten des bestehenden Wissens. Je
aktueller dieser Wissenspool, desto arbeitsintensiver wird dieses
Unterfangen, was einen erheblichen Zeitfaktor für jeden einzelnen
darstellt. Die Ineffizienz (aus Sicht des gesamten Unternehmens) dieser
Aktivitäten zunächst außer acht gelassen, kann diese Art der
Informationssammlung nie vollständig sein, da sie nur von einzelnen, die
nebeneinander arbeiten, bewerkstelligt wird. Nahe liegt der Gedanke, bei
einer Bündelung und Lenkung der aufgewendeten Arbeitsenergie ein Werk zu
schaffen, das weitaus mehr leistet als eine persönliche Wissensbibliothek
für Einzelpersonen.
Die neuen Medien beliefern jedoch nicht nur die
unternehmensinternen Mitarbeiter mit Informationen, sondern sorgen auch
z.B. via Internetpräsentation mit den entsprechenden Produktinformationen
dafür, dass der Mitbewerb über die grundsätzlichen Innovationen eines
Unternehmens einfacher informiert ist. Das ist natürlich für das eigene
Unternehmen auch ein Vorteil, wenn dieses Medium für Marktbeobachtungen
stringent genutzt wird. Einen Vorsprung kann sich ein Unternehmen
erarbeiten, indem effektiver gearbeitet wird, d.h. mit dem Faktor Wissen
effizient umgegangen wird. Ein auf die Erfordernisse der Organisation
zugeschnittenes Wissensmanagement bringt Zeitersparnis, Verringerung der
Rüstzeiten, Arbeitskapazitätserhöhung und damit erhöhte
Produktivität. Der dauerhafte Unternehmenserfolg kann also langfristig
nur sichergestellt werden, wenn spezifisches unternehmensrelevantes Wissen
integriert wird, eine zielgenaue Erfassung, Allokation und Umsetzung von
Wissen innerhalb eines Unternehmens erfolgt sowie neu erfahrenes
Unternehmenswissen in die Entwicklung neuer Produkte einfließt.
Unterstützend bei diesem Ziel wirkt die kontinuierliche fundierte
Qualifikation der Mitarbeiter, die durch einen sinnvollen Workflow alle
Mitarbeiter an diesem Wissen partizipieren lässt. Dieser Prozess, der
entscheidend zur Effektivität und Kostenreduktion in einem Unternehmen
beiträgt, ist nichts anderes als ein Teil eines intelligent
strukturierten Wissensmanagements.
1.2 Anforderungen an ein Wissensmanagement und Wege zur Realisation
Qualität, Seriosität und Aktualität des Wissens
Von entscheidender Bedeutung für ein funktionierendes
Wissensmanagement-System sind verlässliche und aktuelle Informationen,
die, für die Erfordernisse des Unternehmens aufbereitet, jedem
Mitarbeiter und jeder Führungskraft zur Verfügung stehen. Leider ist der
Sachverhalt keineswegs so einfach, wie er sich hier darstellt.
Die
Integration neuen Wissens hängt grundlegend von der Motivation der
Mitarbeiter ab, mit dem Wissensmanagement zum Unternehmenserfolg
beizutragen. Es genügt nicht, die quantitative Lieferung von Beiträgen
zu honorieren, da darunter die Qualität leiden würde. Es muss also auf
andere Weise sichergestellt werden, dass Informationen
Qualitätsanforderungen genügen, dass veraltete – möglicherweise nicht
mehr zur Unternehmensstrategie konforme – Informationen »entsorgt«
werden und die Seriosität der Informationslieferanten (intern wie extern)
gewährleistet ist. Dies kann jedoch nur im Rahmen der Nutzung der
Informationstechnologie durchgeführt werden. Für das Wissen in den
Köpfen der Mitarbeiter lassen sich so einfache Filter nicht »einbauen«.
Beide Felder unterliegen einem Entwicklungsprozess, denn wer entscheidet
(bzw. wer kann entscheiden) über relevantes und nicht relevantes Wissen
innerhalb der Organisation? Die Technik allein kann diese Aufgabe nicht
übernehmen. Folglich ist es ratsam, für ein derart wichtiges
Aufgabengebiet eine Betreuungsperson abzustellen. An dieser Stelle wird
die Person als »Knowledge Manager« bezeichnet. Neben der Aktualitäts-,
Qualitäts- und Seriositätsprüfung legt er Richtlinien fachlicher,
struktureller und formaler Art für Beiträge fest, die er außerdem
ordnet und katalogisiert. Gleichzeitig entscheidet er, wann zusätzlich
fachliche Experten kontaktiert werden müssen.
Der Knowledge Manager muss
eng mit der Unternehmensführung, aber eigentlich auch mit allen Teilen
der Organisation zusammenarbeiten. Er sollte der Leitung direkt
unterstellt sein, da der Umgang mit Wissen zu einer wichtigen Management-
und Führungsaufgabe geworden ist und so die unternehmensstrategische
Ausrichtung wesentlich mitbestimmt. Die Akzeptanz eines Knowledge
Managers hängt stark von dem Grad seiner Vernetzung innerhalb des
Unternehmens ab. Als Abgesandter der Unternehmensführung wird er mit
hoher Wahrscheinlichkeit in seiner Aufgabe scheitern.
In diesem
Zusammenhang muss das Tätigkeitsfeld des Knowledge Managers auf die
Formulierung der Wissensziele und auf mögliche Realisierungsvorschläge
ausgeweitet werden. Weiterhin sollte er ständige Transparenz über intern
vorhandenes und extern zugängliches Wissen schaffen [1]. Dazu gehört
auch, die notwendigen Bildungs- und Lernprogramme zu initiieren, um das
Wissenspotential des Unternehmens insgesamt zu fördern.
Technik, Organisation und Personal als Einheit betrachten
Betreibt ein Unternehmen ein funktionierendes Wissensmanagement, so ist
dies ohne eine entsprechende Technik nicht möglich. Sie bildet die
physikalische Grundlage für ein das Unternehmenswissen verwaltende
System. Ein wichtiger Erfolgsfaktor, der bei den ersten konzeptionellen
Gedankengängen einbezogen werden muss, ist die Organisation. Um ein im
gesamten Unternehmen möglichst breitflächig akzeptiertes
Wissensmanagement zu etablieren, gilt es, Firmenstrukturen und
unternehmensspezifische Regelungen zu beachten, um sie an geeigneter
Stelle in das Konzept zu integrieren, da anderenfalls der Erfolg des
Vorhabens in Frage gestellt wäre.
Ein weiterer Einflussfaktor von hoher
Relevanz, dessen Besonderheiten beachtet werden müssen, ist das Personal;
dies wird repräsentiert durch den Mitarbeiter, der aus seinen Erlebnissen
im Unternehmen Erfahrungen generiert und diese durch Reflexion in
Kenntnisse umwandelt. Da sozioökonomische Faktoren für die
Wissensaufnahme und das Verständnis eine bedeutende Rolle spielen,
müssen zielgruppen- und/oder unternehmenssektorspezifische Darstellungen
und Aufbereitungen der Informationen, des Wissens, erfolgen. Je stärker
die soziale Übereinstimmung der Bereichs- bzw. Gruppenzugehörigkeit der
Person, die als Informations-Donator fungiert, zu der Person ist, die als
Informations-Akzeptor auftritt, desto besser wird die Information
verstanden (in eigenes Wissen durch den Aktzeptor umgesetzt),
internalisiert und steht als eigenes Kenntniswerkzeug zur Lösung der
Aufgaben im Arbeitsleben zur Verfügung.
Erreichbarkeit und Mitarbeitermotivation
Die Erreichbarkeit des Personals ist in mehrfacher Hinsicht
bedeutungsvoll für den Erfolg einer Wissensmanagement-Etablierung. In
diesem Zusammenhang ist die physikalische, die mentale und die auf der
Akzeptanz der Mitarbeiter beruhende Erreichbarkeit relevant.
Mental
erreichbar sind Mitarbeiter, wenn Informationen eine
zielgruppenspezifische Aufbereitung erfahren haben. So ist das Wissen
leichter aufnehmbar und zu verarbeiten. Physikalische Erreichbarkeit wird
zum Beispiel dadurch erzielt, dass den Mitarbeitern an ihrem Arbeitsplatz
oder innerhalb ihrer Abteilung ein Rechner zur Verfügung steht, der einen
ständigen Zugriff auf das Wissensmanagement-System gestattet.
Neben der
physikalischen Erreichbarkeit (z.B. über ein Intranet) sind die »Soft-Factors«
die eigentliche Hürde. Wissensmanagement zu implementieren bedeutet eine
Vertrauenskultur zu schaffen, in der nicht nur Wissen genommen wird,
sondern auch gegeben wird: Vertrauen und Miteinander statt Angst vor dem
Verlust des Arbeitsplatzes, wenn individuelles Wissen weitergegeben wird
und der Mitarbeiter das Gefühl bekommt, ersetzbar zu sein. Für die
Akzeptanz durch die Mitarbeiter müssen diese befähigt werden, mit der
neuen Art der Informationsbeschaffung kompetent umzugehen. Die Kompetenz
im System wird die ersten Widerstände beseitigen und möglicherweise
Interesse wecken. Von Seiten der Führungsebene sollte deutlich gemacht
werden, dass ein individuelles Informationsmanagement nicht länger
gewünscht ist und dem Unternehmensfortschritt eher hinderlich
gegenübersteht. Dies ist ohne geeignete Kommunikationsstrategien ein
schweres Unterfangen. Möglicherweise sollte in den ersten Phasen der
häufige Gebrauch der Wissensdatenbank honoriert werden, um
Geringfrequentierer anzuspornen, bzw. über weitere Motivationsmechanismen
nachgedacht werden. Es ist auch notwendig, dass alle Mitarbeiter einen
Zugang zu den Informationen haben. Technisch gesprochen heißt das freien
Zugang zu Intranet und Internet.
Wenn das Management überzeugt ist, dass
ein funktionierendes, d.h. genutztes Wissensmanagement dem Unternehmen
Wettbewerbsvorteile durch höhere Effizienz verschafft, sollten auch die
Mitarbeiter überzeugt werden können. Das Personal wird
unvoreingenommener an dieses System herangehen und damit arbeiten, wenn es
sich der persönlichen Vorteile, wie z.B. der Arbeitserleichterung durch
verkürzte Informationssuche, bewusst ist. Frühzeitig, d.h. vor der
Inbetriebnahme, muss also eine unternehmensweite Aufklärung betrieben
werden. Der Transformationsprozess vom Informations- zum Wissensmanagement
muss offen und für jeden klar kommuniziert werden.
Flexibilität, Zukunftsfähigkeit und Erweiterungsfähigkeit
Die sich in immer kürzer werdenden Intervallen weiterentwickelnde
Technik, deren Richtung und Geschwindigkeit kaum voraussagbar ist, stellt
hohe Anforderungen an ein Wissensmanagement-System. Bedeutsam ist deshalb
die Anpassbarkeit an technische Innovationen und individuelle
Unternehmensbedürfnisse. Bereits im Konzept berücksichtigt werden sollte
eine ausbaufähige Technik z.B. bei Erhöhung der Mitarbeiterzahl und
damit der Anfragen. Jederzeit sollte auf eine Multitier- Lösung, d.h. die
Verteilung mehrerer Applikationen auf verschiedene Server zur höheren
Leistungsfähigkeit, expandiert werden können. Datenbanken müssen so
angelegt sein, daß problemlos eine Portierung auf andere,
leistungsfähigere Server erfolgen kann. Sofern das Wissensmanagement
durch Intranet- Technologien mitgestützt wird, ist eine spätere
Ausweitung auf das Internet mit entsprechenden Zugriffsbeschränkungen
(oder vielleicht sogar gänzlich ohne) bereits in der konzeptionellen
Phase zu berücksichtigen. Wissensmanagement bedeutet, wie bereits
erwähnt, Vertrauen zu den Mitarbeitern zu haben. Dazu gehört
selbstverständlich auch das Vertrauen, dass z.B. Internet-Zugänge nicht
missbräuchlich verwandt werden. Neue Statistiken zeigen, dass das
Internet mittlerweile nahezu ausschließlich zu geschäftlichen Zwecken
verwendet wird. Die Unternehmen müssen sich auch die Frage gefallen
lassen, ob es nicht günstiger ist, den Mitarbeitern z.B. Internet-Banking
zu gestatten, da diese sonst vielleicht Fehlzeiten produzieren müssen, um
ihre privaten Bankgeschäfte zu erledigen. Schwierig zu beantworten ist
die Frage nach der Grenze des Erlaubbaren. Der Umgang mit dem PC würde
auch einfacher und schneller erlernt, wenn am Anfang das Spielen direkt
erlaubt wäre [2].
Technische Realisierbarkeit
Mit den heutigen Technologie-Standards wie Internet- und
Intranet-Anwendungen lassen sich dynamische Datenbanken erstellen, die in
weiteren Entwicklungsstufen evtl. objektorientiert sein sollten, um auch
komplexere Datenmengen bewältigen zu können. So wird der Grundstein für
ein effizientes Informationsmanagement gelegt, große Datenmengen über
firmeninterne Netze auszutauschen. Moderne EDV-Entwicklungen unterstützen
diesen Prozess; die neuen Technologien sind daher als Chance zu sehen, ein
den Unternehmensfortschritt förderndes Wissensmanagement realisieren zu
können.
1.3 Zusammenfassung der Vorteile eines funktionierenden
Wissensmanagements
Zusammenfassend lässt sich mit einem wohlgestalteten Wissensmanagement
ein Wettbewerbsvorteil durch Ressourceneinsparung in großem Maße
erzielen. Arbeitszeit ist dabei sicherlich ein einfach und schnell messbarer Faktor. In der Regel nimmt die Arbeitszeit jedoch nicht ab,
sondern die Belastungen innerhalb der Arbeitszeit nehmen zu. Auch das ist
aus den Erfahrungen von Unternehmen zu erkennen.
Des weiteren ist das
Personal gut und vor allem ständig aktuell informiert. Es darf jedoch
keinen »Unternehmensfilter« geben. Ansonsten wird dieses Medium in
seiner Akzeptanz deutlich zurückgehen. Offene Kommunikation setzt auch
eine entsprechende Unternehmenskultur voraus. Wissen über das Unternehmen
bei den Mitarbeitern aufzubauen, muss von der Unternehmensführung gewollt
sein.
Bei Fluktuationen, die gerade in der IT-Branche
überdurchschnittlich häufig vorkommen, verbleibt das entsprechende
Investitionsgut Wissen zu großen Teilen im Unternehmen. So haben
Investitionen, die für Qualifizierungsbelange getätigt wurden, weiterhin
Bestand im Unternehmen. Weiterbildung wird zu einer ertragreichen Anlage,
die auch zukünftige Ausgaben rechtfertigt, da Wissen im Unternehmen
weiter existiert. Auf diese Weise kommt es in kurzer Zeit zu einer
Akkumulation von Wissen, das fortwährend aktiv auf dem aktuellen Stand
gehalten wird.
Weiterhin wird erreicht, dass Unternehmenswissen
schriftlich formuliert wird und in digitaler Form zugänglich ist. Das
kann nie das gesamte Wissen sein, was auch aus Gründen der
Informationssicherheit nicht möglich sein darf. Es wäre irrwitzig zu
glauben, dass ein gesamtes Wissen eines Unternehmens oder auch nur eines
Individuums in einem technischen Medium erfasst werden könnte. Das
gesamte Wissen auch nur eines mittelständischen Unternehmens würde wohl
die Kapazität aller auf dieser Welt vorhandenen EDV-Ressourcen bedingen.
Sinnvoll zu strukturieren und auszuwählen ist ein Erfolgsgeheimnis eines
gelingenden Wissensmanagements.
Diese erstmalige elektronische
Verfügbarkeit firmeninterner Kenntnisse stellt eine enorme
Arbeitserleichterung z.B. bei der Einweisung neuer Mitarbeiter dar. Bei
dezentral organisierten Unternehmen erreicht man durch ein vernünftig
konzipiertes Informations- und Wissensmanagement eine Reduktion von Kosten
durch Ausfallzeiten.
Die logische Konsequenz liegt nahe, Wissensmanagement
am Ursprung der Informationsentstehung aufzusetzen und es direkt in das
Konzept einer Telelearning-Umgebung, die ebenfalls besonders häufig in
dezentralen Organisationsstrukturen anzutreffen ist, zu integrieren.
2 Integration des Wissensmanagements in das Telelearning-Konzept
2.1 Grundsätzliche Überlegungen zum e-Training
Informationstechnologische Innovationen öffnen nicht nur neue Wege,
die Ressource Unternehmenswissen effizienter zu nutzen, sondern
ermöglichen darüber hinaus die Einführung einer völlig neuen Art des
Lernens als Ergänzung zur traditionellen Qualifizierung. Wie sieht nun
eine derartige Qualifizierung konkret aus und welche Vorteile bietet sie?
Eine Qualifizierung des Personals, die neben Trainer Based Training auch
die neuen Medien berücksichtigt, kann beliebig auf den individuellen
Bedarf angepasst werden. Das Paket, das auf diese Weise entsteht und die
Vorteile computergestützten Lernens mit den Vorteilen des
trainerbasierten Lernens fusionieren lässt, heißt e-Training.
Computergestütztes (multimediales) Lernen kann durch seine flexible
Organisierbarkeit sehr nahe am Bedarf orientiert werden. Das Lernen
richtet sich am erwachsenengerechten Bedarf aus, da es einen individuellen
Lernstil und ein persönliches Lerntempo erlaubt. Das Unternehmen und die
Mitarbeiter verschaffen sich auf diese Art Unabhängigkeit von räumlichen
und zeitlichen Restriktionen im Qualifizierungssektor. Das Lernen am
Arbeitsplatz kann ermöglicht und längere Ausfallzeiten können vermieden
werden. Zusätzlich kommt es zum Wegfall entsprechender Reisekosten. Die
anfallenden Opportunitätskosten sind wesentlich höher als die
anfallenden Bereitstellungskosten.
Erst im Zusammenspiel mit Trainer Based
Training kann e-Training jedoch wesentlich mehr leisten; Trainer Based
Training stellt ein professionell organisiertes Lernumfeld bereit, und
seine didaktische Kompetenz ist unumstritten. Widerstände werden im
Grundsatz vermieden, da beim Präsenzlernen keine Akzeptanzprobleme mit
der Technik bestehen. Die Teilnehmer werden persönlich angesprochen und
betreut, soziale Kontakte gepflegt. Der zusätzliche Erfahrungsaustausch,
der durch Gruppenarbeit entsteht, trägt entscheidend zum Lernerfolg bei
und wird als wichtiger Parameter in den e-Training-Gedanken integriert.
Um
jedoch diese zahlreichen Aspekte darstellen zu können, muss das Medium
entsprechend umfangreiche Handlungsspielräume zulassen und nicht nur das
Erscheinungsbild einer CD-ROM verkörpern, sondern die Vorzüge der
unternehmensinternen DV-Struktur berücksichtigen und darauf aufbauen.
Erst wenn diese Anforderungen erfüllt sind, sprechen wir von einer
virtuellen Lernumgebung, deren technische Realisation im folgenden auch
als Telelearning-Plattform bezeichnet wird.
2.2 Die Lernplattform – ein Portrait
Eine Telelearning-Plattform berücksichtigt idealerweise
didaktisch-methodische Aspekte. Dieser Ansatz geht davon aus, dass der
Lerner ohne fremde Hilfe innerhalb eines technischen Umfelds nur bis zu
einem gewissen Grad in der Lage ist, sich eigenständig Wissensinhalte
anzueignen. Vielmehr bedarf es multipler Unterstützung durch z.B. die
Beratung professioneller Online-Tutoren. Eine virtuelle Lernumgebung muss
so ausgerichtet sein, dass ein Lerner jederzeit die Hilfe eines
betreuenden Tutors in Anspruch nehmen kann. Der Tutor stellt dem Lerner
außerdem Aufgaben und verschafft sich einen Eindruck vom Fortschritt des
lernenden Mitarbeiters. Weiter kann der Tutor den Lernenden an die
Einhaltung eines vom Lernenden und Tutor gemeinsam festgelegten
Zeitrahmens zur Erreichung seines Ausbildungsziels erinnern. Ebenso muss
der Lerner die Möglichkeit haben, sich mit seinen Mitlernern
auszutauschen und sich mit ihnen zu einer Arbeitsgruppe
zusammenzuschließen. Innerhalb dieser Gruppe können dann Aufgaben
gemeinsam erarbeitet und Probleme diskutiert werden. Diesen menschlichen
Aspekt berücksichtigend, muss ein reichhaltiges Angebot an
Kommunikationswerkzeugen vorhanden sein.
Die optimale Lernplattform
unterstützt zusätzlich die Verwaltung und Bereitstellung von
Lerneinheiten und ermöglicht eine individuelle Zusammenstellung zu
komplexen Lehrplänen.
2.3 Ein typisches Telelearning-Szenario
Ein typisches Telelearning-Szenario beginnt damit, dass sich ein
Mitarbeiter zu einem Kurs anmeldet. Der erste Baustein des Kurses stellt
eine Präsenzveranstaltung dar; ein meist halbtägiges Kick-off, das einen
fachlichen und persönlichen Einstieg bietet. Der persönliche Kontakt ist
für den späteren Erfolg unabdingbar. Darüber hinaus werden auch die
Grundlagen zur technischen Handhabung der Telelearning-Plattform
vermittelt. Der Mitarbeiter lernt die anderen Kursteilnehmer sowie seinen
Tutor kennen.
Der Tutor ist es auch, der den Lerner bei der ersten Nutzung
der Lernplattform begrüßt, ihn empfängt und zum Weiterlernen motiviert.
Eventuelle Fragen zum weiteren Umgang mit der Plattform werden geklärt.
Zusammen mit dem Lerner erstellt der Tutor einen Zeitplan unter
Berücksichtigung der Termine weiterer Präsenzveranstaltungen des Kurses
sowie des persönlichen Lerntempos des Teilnehmers. Der Tutor vergibt die
ersten Aufgaben an den Lerner, die darin bestehen können, eine gewisse
Anzahl an Kurslektionen zu bearbeiten.
In der folgenden Selbstlernphase
arbeitet der Lerner die Lektionen selbständig durch. Im weiteren Verlauf
treten sehr wahrscheinlich Fragen auf, und die Selbstlernkompetenz des
Mitarbeiters reicht nicht aus, den Kurs eigenständig fortzusetzen. An
dieser Stelle bietet eine optimale Telelearning-Plattform
Handlungsmöglichkeiten für den Tutor, den Lerner zu unterstützen.
Der
Tutor erhält innerhalb der Plattform einen Überblick über den Lernstand
der Teilnehmer, die er betreut, und bekommt einen Eindruck, ob sich diese
noch innerhalb der selbst festgelegten Grenzen befinden. Über
umfangreiche Möglichkeiten zur Kommunikation, wie Telefon, E-Mail, Chat,
Videoconferencing oder Diskussionsforen, wird der Tutor mit dem Lerner in
Kontakt treten und ihm seine fachliche Hilfe anbieten.
Möglicherweise
wird sich der Lerner schon zu einem früheren Zeitpunkt informieren, ob
nicht evtl. ein anderer Mitarbeiter mit einer ähnlichen Problemstellung
konfrontiert war. Er durchsucht daher die Wissensdatenbank nach den
entsprechenden Stichwörtern und stellt fest, dass niemand vor ihm auf
dieses Problem gestoßen ist. Eine Lösung könnte so aussehen: Das
Problem wird in der Arbeitsgruppe erörtert und gemeinsam wird ein
Ergebnis erarbeitet. Dieses wird an den Tutor weitergeleitet, der es
abnimmt und dem Unternehmenswissenspool zuführt. Ein anderer Weg könnte
den Lerner direkt zum Tutor leiten, der die Frage mit einer Musterlösung
versieht und diese ebenfalls in die Wissensdatenbank einfügt. Das
Telelearning-Umfeld ist also nicht nur gut geeignet, Inhalte aus dem
Wissenspool anzubieten, sondern stellt auch den idealen Ort dar, die
Unternehmenswissensdatenbank mit Inhalten zu füllen.
Dieses Szenario ist
nur ein Beispiel für die Unterstützung des Lernprozesses durch ein gutes
Wissensmanagement. Der Unternehmenswissenspool ist jedoch auch für
diverse andere Fragestellungen in den unterschiedlichsten
Firmenangelegenheiten geeignet, angefangen von technischen Details bis hin
zur Firmenphilosophie. Der Vorteil liegt auf der Hand, das Telelearning im
Wissensmanagement zu integrieren. Im Laufe des Arbeitslebens werden
Mitarbeiter qualifiziert, was zukünftig verstärkt in
Telelearning-Plattformen stattfinden wird. Das Personal erlernt während
einer Weiterbildungsmaßnahme den Umgang mit der Wissensdatenbank des
Unternehmens und wird befähigt, auch bei Fragestellungen in anderen
Bereichen von dieser Informationsquelle Gebrauch zu machen.
2.4 Qualifizierung fließt in den Wissenspool
Den primären Nutzen eines Kurses genießt zunächst lediglich der
Teilnehmer, der ihn belegt hat, da das neue Wissen vorerst nur für ihn
verfügbar ist. Werden die Informationen in ihren Hauptaussagen formuliert
und themen- oder zielgruppenspezifisch aufbereitet, können dadurch
sämtliche Mitarbeiter daran partizipieren. Das Wissen wird auf diese
Weise konserviert bzw. mehrfach zur Verfügung gestellt. Aus einem
einzelnen Seminar wird somit Nutzen für alle diejenigen Mitarbeiter
generiert, die bei Bedarf auf diese Informationen zugreifen können. Die
Telelearning-Umgebung als Anknüpfungspunkt zum Wissensmanagement zu
wählen ist sinnvoll, da die fachlichen Kompetenzen für den Input sowie
der Informationsbedarf der Mitarbeiter in einer Lernumgebung in
gebündelter Form vorliegen.
Für den Erfolg muß das Unternehmen die
entsprechenden Aktivitäten lenken, Verantwortlichkeiten eines Knowledge
Managers festlegen und Maßnahmen zur Mitarbeitermotivation erarbeiten.
Investitionen, die im Qualifizierungssektor getätigt werden, sind stets
gewinnbringend angelegt. Die im Zuge von Weiterbildungsmaßnahmen
gewonnenen Kenntnisse sind für das gesamte Personal verfügbar und gehen
dem Unternehmen selbst bei Fluktuation der Wissensträger nicht
vollständig verloren.
Anmerkungen / Literatur
[1] Prof. Oechsler: Wissensmanagement – Strategischer Erfolgsfaktor
und Schlüssel zur lernenden Organisation. Vortrag, http://webrum.uni-mannheim.de/bwl/mteam/www/wissensmanagement/windex.htm, 22.10.1998.
Zur Verweisstelle
[2] Focus Marktanalyse: Der Markt der Online-Kommunikation, Zukunftsmarkt Internet. Nachrichtenmagazin Focus,
http://www.medialine.focus.de,02/1999.
Zur Verweisstelle
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