Identität durch moralische
Integrität:
Die Rolle der Corporate Ethics
Inhalt:
Einleitung: Wirtschaftsethik -
ein "schwarzer Schimmel?"
1. Corporate
Culture und Corporate Ethics
1.1 Moral, Ethos
und Kulturbildung
1.2 Corporate Culture und Corporate Values
1.3 Ethik: Wertereflexion und -begründung
2. Gründe und
Hintergründe einer Corporate Ethics
2.1 Gute Gründe
für Corporate Ethics
2.2 Corporate Ethics als interner Erfolgsfaktor
2.3 Corporate Ethics: Der Weg zum guten Ruf
3. Corporate
Ethics als Chance der Corporate Identity
3.1 Identität und
ethische Selbstverpflichtung
3.2 Corporate Ethics als Risiko: Das "Prinzip
Pechmarie"
3.3 Identität durch ethische Integration
Anmerkungen / Literatur
Als Mitte der
80-iger Jahre die sog. Business-Ethics-Bewegung - mit der üblichen zeitlichen
Verzögerung von 5 Jahren - aus den USA nach Europa überzuschwappen begann, wurden ihre
Protagonisten in der Regel mitleidig belächelt oder auf Karl Kraus verwiesen, der den
Wunsch eines jungen Mannes, Wirtschaftsethik zu studieren, mit den Worten kommentiert
haben soll: "Dann müssen Sie sich zuerst entscheiden, ob Sie Wirtschaft oder Ethik
studieren wollen". Ethik und Wirtschaft - ein unvereinbarer Widerspruch, so lautete
die einhellige Meinung. Auf akademischer Seite änderte sich daran erst etwas, als sich
renommierte Wirtschaftsuniversitäten wie St. Gallen des Themas annahmen, wo 1988 der
erste Lehrstuhl für Wirtschafts- und Unternehmensethik im deutschsprachigen Raum
gegründet wurde. Gleichwohl blieb die Skepsis in der Öffentlichkeit vorherrschend:
"Wirtschaftsethik - das ist doch sowas wie ein schwarzer Schimmel". Nun zeigt
gerade dieser Vergleich, zu welchen Fehleinschätzungen man gelangt, wenn man sich einfach
dem common sense anschließt, ohne den Dingen selbst auf den Grund zu gehen. Der
"schwarze Schimmel" ist ebensowenig ein adäquates Beispiel für ein
"oxymoron" (hölzernes Eisen) wie Wirtschaftsethik: Schimmelfohlen kommen
kohlrabenschwarz zur Welt und hellen erst im Laufe ihres Lebens allmählich auf.
Das Defizit einer gründlichen Beschäftigung mit der Frage, ob und wie
sich Wirtschaft und Ethik respektive ihre jeweiligen wissenschaftlichen Disziplinen
zusammendenken lassen, wurde von der wirtschafts- und unternehmensethischen Debatte
während der letzten Jahre - insbesondere in Deutschland - "gründlich"
kompensiert. Zum Abbau der Skepsis bei Wirtschaftspraktikern haben die von Anfang an sehr
viel pragmatischer ausgerichteten amerikanischen Ansätze sicherlich mehr beigetragen.
Ethik befasst sich mit dem Vernünftigen, Wünschenswerten,
Sinnvollen
Die Ergebnisse europäischer Pionierarbeit auf dem Gebiet der
Wirtschafts- und Unternehmensethik liegen dem gegenüber heute vor allem in Form von
ausgefeilten interdisziplinären Begründungsansätzen vor. Für "insider" in
Sachen Wirtschaftsethik ist es vor diesem Hintergrund ein Leichtes aufzuzeigen, warum es
sich dabei um eine notwendige Einheit handelt, und dass die gegenteilige Einschätzung -
wie im Falle des Schimmels - auf mangelnder Sachkenntnis basiert: auf einer Verwechslung
nämlich der deskriptiven Ebene, also der real existierenden Verhältnisse, mit dem, was
sein sollte, d.h. mit der normativen Perspektive. Mit eben diesen normativen Fragen, was
moralisch gerechtfertigt und richtig ist, was lebenspraktisch vernünftig, sinnvoll und
wünschenswert wäre, aber auch damit, wie die begründeten Antworten darauf im konkreten
Einzelfall umzusetzen sind, beschäftigt sich Ethik. Wirtschafts- und Unternehmensethik,
so lässt sich als eine erste Definition festhalten, ist auf die entsprechenden Fragen in
einem spezifisch ökonomischen Handlungskontext fokussiert.
Die Realität konterkariert das Gerede vom wertfreien
Wirtschaftsraum
Aus einer Analyse dieser wirtschaftlichen Realität stammt letztlich
auch die Einsicht in die Notwendigkeit, besagte normativ-ethische Dimension in die
Ökonomie respektive in die - gemäß des positivistischen Wissenschaftsideals der
Neoklassik - lange Zeit als wertfrei propagierten Wirtschaftswissenschaften zu
(re)integrieren: Die Umwelt- und Energiedebatte während der 80-iger Jahre,
Finanzskandale, Bestechungs- und Betrugsaffären, etc. sind hüben wie drüben die
negativen Impulsgeber der Business-Ethics-Bewegung gewesen. Inzwischen bestätigen auch
zahlreiche positive Beispiele die Relevanz dieser Bemühungen.
Darüber hinaus lassen gerade die aktuellen wirtschaftlichen
Entwicklungen evident werden, dass die Suche nach ethischen Wertorientierungen in der
Wirtschaft weder ein Modethema noch eine "Schönwetterveranstaltung" ist,
sondern eine der wesentlichen Voraussetzungen, um die Grundlagen unternehmerischer
Freiheit und Wettbewerbsfähigkeit unter postindustriellen, globalen Bedingungen zu
sichern.
Neue Herausforderungen an wirtschaftsethisches Denken
Dafür lassen sich zunächst drei Gründe nennen, die in den folgenden
Kapiteln näher erläutert werden:
- Die wachsende Bedeutung des Menschen als "ganzer Persönlichkeit" für eine
gelingende Bewältigung der aktuellen Veränderungsprozesse und für einen nachhaltigen
unternehmerischen Erfolg;
- Ein Mangel an allgemeinverbindlichen bzw. global gültigen (ethischen)
Wertorientierungen auf nationaler (gesellschaftlicher Wertewandel) wie internationaler
Ebene als Basis gesunder Unternehmenskulturen und eines erfolgreichen interkulturellen
Management;
- Die Kompensation einer wirtschafts- und sozialpolitischen Rahmenordnung im Weltmaßstab
durch Akte freiwilliger Selbstverpflichtung, um extern auferlegte Regulierungen zu
vermeiden und damit unternehmerische Freiheit sicherzustellen.
Vom akademischen Elfenbeinturm zu praxistauglichen Konzepten
Als Reaktion auf die neuen Herausforderungen aus der Praxis befindet
sich heute auch die wirtschafts- und unternehmensethische Debatte im "Wandel":
Sie erlebt gegenwärtig ihre Selbstbefreiung aus dem "Elfenbeinturm" akademisch
geführter Diskurse zwischen idealistisch gesinnten Managern und Wissenschaftlern zu einer
Art "think tank" für praxistaugliche Ideen. Um dem Anspruch einer zeitgemäßen
Unternehmensethik gerecht zu werden, gilt es darüber hinaus, aufbauend auf den bisherigen
Ergebnissen in unmittelbarer Kooperation mit den Verantwortlichen in Organisationen
tragfähige, operationalisierbare Konzepte zu entwickeln. In erster Linie geht es dabei um
Fragen der Implementierung und Evaluierung anwendungsfähiger Ethik-Programme für
einzelne Unternehmen und Branchen.
Ethik im Unternehmen? "Schauen Sie auf Punkt 4.1 unseres
Leitbildes"
Am Anfang solcher Maßnahmen steht jedoch unvermeidlich die
unternehmensethische "Gretchenfrage" an die Geschäftsführung: "Wie haltet
Ihr es mit der Moral?", an die sich die systematische Frage nach dem adäquaten
Ansatzpunkt für eine nachhaltige Implementierung ethischer Werte im Unternehmen
anschließt. Wo erstere durch einen kurzen Hinweis auf die Unternehmensleitlinien
beantwortet wird, die "in ihrer aktuellen Fassung unter Punkt 4.1 neuerdings auch
moralische Werte beinhalten", erübrigt sich die zweite Frage: um eine
"nachhaltige Implementierung" von Ethik in der gelebten Praxis geht es den
Verantwortlichen in diesem Fall meist nicht.
Warum es dann besser wäre, Punkt 4.1 lieber gleich wegzulassen, wird
uns im folgenden noch eingehender beschäftigen (vgl. Abschnitt 3.2). An dieser Stelle
soll nur festgehalten werden, dass ein Vorgehen dieser Art, bei dem Ethik als
"moralischer Schlagobers" dem ansonsten "reinen" Gebräu einer an
Kennzahlen und Gewinnmaximierung orientierten Firmenphilosophie aufgesetzt wird, nicht nur
deren intrinsischem Wert nicht gerecht wird, sondern auch die Entfaltung ihres ökonomisch
relevanten Nutzens verhindert. Nicht zuletzt gehört dazu die substanzielle Bedeutung, die
Ethik im allgemeinen, Corporate Ethics im besonderen für die Entfaltung und Erhaltung
einer gesunden Unternehmenskultur und damit wiederum für die Bildung und Bewahrung einer
starken Corporate Identity zukommt.
Um eben diesen Zusammenhang soll es im folgenden gehen: Es wird zu
zeigen sein,
- dass und inwiefern Corporate Culture und Corporate Ethics in einem wechselseitigen
Bedingungsverhältnis stehen (Kap. 1);
- dass und inwiefern Ethik per se zur unverzichtbaren Grundlage einer erfolgreichen,
zukunftsorientierten Unternehmensführung unter sich verändernden Wettbewerbsbedingungen
wird (Kap. 2);
- dass Ethik in dem Maße zur Chance für ein Unternehmen wird, wie sie eine der
wichtigsten Voraussetzungen dafür ist, dass Identität zur echten "Chance"
wird, d.h. für die Entstehung einer glaubwürdigen, integeren Corporate Identity (Kap.
3).
Wer im vorigen
Abschnitt die obligatorischen Begriffserklärungen vermisst haben sollte, wird in diesem
voll auf seine Kosten kommen: Moral, Ethos, Kultur, Wertorientierung, Ethik - ist das
nicht alles "irgendwie" das Gleiche? "Irgendwie" schon, professionell
gesehen nicht.
Eine der fundamentalsten begrifflichen Differenzierungen wird
allerdings auch von "Profis" im Eifer des interdiszplinären Diskussionsgefechts
oftmals unterschlagen: die Unterscheidung zwischen den Begriffen Moral, Ethos und Ethik.
Wenden wir uns zunächst den ersteren beiden und ihrer Bedeutung für die spezifische
Kulturbildung in sozialen Systemen zu.
1.1 Moral, Ethos und Kulturbildung
Moral: Individuelle Antwort auf die Frage nach dem sittlich
"Guten" und "Bösen"
Der Begriff "Moral" bezieht sich zwar auf normative Inhalte,
hat aber selbst eine rein deskriptive Funktion. Er steht für die vielen verschiedenen
Antworten, die Menschen als autonome Individuen, als Denker und Dichter, als Mitglieder
bestimmter Religionen und Kulturkreise im Laufe der Geschichte auf die Frage nach dem
Unterschied zwischen dem sittlich Guten und Bösen gefunden haben - auf die
Frage nach
dem, was der Mensch tun soll, um "wahrhaft Mensch zu sein", wie es Zarasthro in
Mozarts "Zauberflöte" formuliert. Unter der "Moralität" oder
"Sittlichkeit" eines Menschen versteht man deren individualisierte Form, d.h.
die persönliche moralische Grundhaltung, die zweierlei umfasst: das individuelle
Bekenntnis ("commitment") zu einer der möglichen Auffassungen über das
moralisch Richtige und die lebenspraktische Orientierung daran.
Ethos: eine Gesamtheit an Wertvorstellungen, Prinzipien, Sitten,
Gebräuchen,...
Verwandt mit dem Begriff "Moral", weil ebenfalls deskriptiv,
jedoch kein Synonym im eigentlichen Sinn, wie häufig angenommen, ist der Begriff
"Ethos". Er bezeichnet die Gesamtheit an Normen, Wertvorstellungen und
Prinzipien - die jedoch nicht nur moralischer Art sind - ebenso wie die Sitten, Riten und
Gebräuche, die sich im Laufe der Zeit innerhalb eines sozialen Systems herausgebildet
haben und dessen spezifische Kultur ausmachen. Neben dem allgemeinen lebensweltlichen
Ethos, welches das Zusammenleben in privaten Lebensgemeinschaften oder auf der
gesellschaftlichen Ebene bestimmt, lassen sich darüber hinaus spezifische Normen und
Werte finden, die nur in bestimmten Handlungs- und Lebensbereichen zum Tragen kommen (z.B.
Wirtschaftsethos, Arbeitsethos, Berufsethos). Sofern dieses spezifische Ethos vom
gesellschaftlichen Ethos abweicht respektive es um eigene Orientierungen ergänzt, ist es
konstitutiv für die Entstehung von gesellschaftlichen Subsystemen mit dazugehörigen
Subkulturen.
z.B. die Wirtschaft: ein eigenständiges System mit eigenem Ethos
Wirtschaft als Beispiel für ein gesellschaftliches Subsystem dieser
Art zu nennen, mutet angesichts ihrer Tendenz zur Verselbständigung und ihrer stetig
gewachsenen Dominanz aller anderen lebensweltlichen Systeme im Verlauf dieses Jahrhunderts
etwas paradox an. Die Tatsache, daß sich das Zusammenwachsen der Welt in erster Linie auf
ökonomischer Ebene vollzieht, bestätigt diesen Eindruck. In jedem Fall ist sie ein
eigenständiges System, das sich als solches im Sinne der neueren Systemtheorie durch
einen eigenen Code - den des Geldes -, durch eine eigene systemspezifische Rationalität,
durch das Ausführen entsprechender Operationen, vor allem aber durch ein eigenes
handlungsbestimmendes Wertesystem, durch ihr eigenes Ethos, von anderen gesellschaftlichen
Systemen unterscheidet.
Ausgehend von einem - wie auch in diesem Buch zugrundegelegten -
deskriptiven Kulturbegriff [1]
verfügt Wirtschaft damit zugleich über eine eigene Kultur. Bezogen auf den
gesellschaftlichen Kontext, in dem sie steht, kann diese als Subkultur
aufgefasst werden,
bezogen auf den jeweiligen übergeordneten Kulturkreis sogar als Sub-Sub-Kultur, die sich
wiederum aus einer Fülle verschiedener Sub-Sub-Sub-Kulturen zusammensetzt: den einzelnen
Unternehmen unterschiedlicher Größe, Ausrichtung und Branchenzugehörigkeit.
Soziale Systeme durchdringen sich gegenseitig
Nun handelt es sich bei allen Systemen dieses
"Matrioschka-Modells" nicht um "fensterlose Monaden" (Leibniz),
sondern um offene Systeme, deren spezifische Rationalitätstypen und Kulturen sich
wechselseitig durchdringen und dabei zugleich auf die jeweils andere Kultur
Einfluss
nehmen, also auch kulturbildend wirken. Warum ist das so?
Systeme sind offen, sofern sie soziale Systeme sind, d.h. von Menschen
getragen werden. Der Mensch zeichnet sich gegenüber allen anderen natürlichen Wesen u.a.
durch die Gleichzeitigkeit von Individualität und Relationalität aus, d.h. er ist zum
einen ein selbständiges, autonomes, aus sich selbst heraus existentes Individuum mit
einem eigenen individualspezifischen Wesen und Charakter, zum anderen ist er ein soziales
Wesen, das a priori auf andere bezogen und verwiesen ist. Dabei ist letzteres für
ersteres konstitutiv: In ihrer Besonderheit und Einmaligkeit erfährt sich die menschliche
Person gerade durch ihre Beziehungen zur Mitwelt und überall dort, wo sie sich als Teil
eines übergeordneten Gemeinsamen bewusst wird. Menschliche Personalität zeigt und
entwickelt sich vor allem in dem Spannungsfeld von Autarkie und Relationalität: in dem
Drang nach unbegrenzter Selbstverwirklichung einerseits, im Zwang zur Selbstbegrenzung
aufgrund der eigenen faktischen Begrenztheit oder aber als selbstauferlegte Zurücknahme
an der Grenze zur Freiheit fremder Existenz andererseits. [2]
Die Zweckgemeinschaften in Arbeits- und Berufswelt als soziale
Kontexte zur Selbstwerdung
In letzterem erweist sich zugleich ihre Moralität und eigentliche
Autonomie. Insofern ist die Einbettung in einen sozialen Kontext für die Entfaltung der
eigenen Identität und Persönlichkeit wie für menschliche Selbstwerdung überhaupt eine
notwendige Voraussetzung. Zu diesen sozialen Kontexten gehört an erster Stelle die qua
Gattungszugehörigkeit bestehende menschliche Persongemeinschaft, des
weiteren die Familie,
die Gesellschaft, der Kulturkreis, in die man hineingeboren wird, und schließlich die
unterschiedlichen, mehr oder weniger freiwillig gewählten Gemeinschaftsformen. Neben
privaten Lebensgemeinschaften zählen dazu heute immer stärker die Zweckgemeinschaften in
der Arbeits- und Berufswelt.
Der Mensch ist die Schnittstelle zwischen Systemen
Dass Kulturen bzw. Subkulturen diffundieren, gründet darin,
dass der
einzelne stets mehreren solcher Gemeinschaften gleichzeitig angehört, deren Spezifika
sittlicher, geistiger oder rationaler Art er in das jeweils andere soziale System
hineinträgt. Der Mensch ist somit das primäre Medium kultureller Interpenetration auf
allen der genannten Ebenen. Aber worin besteht das sekundäre Medium, sozusagen die
"Trägersubstanz" dabei?
1.2 Corporate Culture und Corporate Values
Geteilte Werthaltungen als "Trägersubstanz"
Die gesuchte Trägersubstanz ist zugleich die Quintessenz des
Gemeinsamen in einer Gemeinschaft, die Form, in der das Spezifische einer Kultur als ihr
geistiger "Gemeinbesitz" zum Ausdruck kommt: ihre Werte und Wertorientierungen.
Werte haben dabei eine doppelte Funktion: Sie sind einerseits konstitutiv für die
kulturelle Identitätsbildung von sozialen Systemen und damit für die Entstehung von
Subkulturen überhaupt. In dem Maße, wie es bestimmte Schnittmengen zwischen den
jeweiligen Werten gibt, stellen sie andererseits die Verbindung her zu den über- bzw.
nebengeordneten (Supra)Kulturen wie der Gesellschaft oder dem jeweiligen Kulturkreis. Die
eigentliche "Schnittstelle" sind die Menschen, die in dem betreffenden System
leben und arbeiten. Indem sie zugleich Werte aus ihrer privaten Lebenswelt oder der
Gesellschaft transportieren, sorgen sie für die Offenheit sozialer Systeme wie
Unternehmen.
Soziale Systeme bedingen gemeinsame Werthaltungen
Soziale Systeme können sich als solche überhaupt nur auf der
Grundlage geteilter Werthaltungen herausbilden. Ihren eigentlichen Zusammenhalt gewinnen
sie nicht durch die Ausrichtung auf einen gemeinsamen Zweck, sondern durch die
Orientierung an gemeinsamen Werten. Nur dadurch erweisen sich Zweckverbände, künstliche
Systeme wie Unternehmen zugleich als Lebens- und Arbeitsgemeinschaften und entwickeln eine
eigene kulturelle Identität:
- Weil sie von Menschen getragen und gebildet werden;
- Weil Menschen wesentlich wertbezogen sind;
- Weil Menschen selbst Träger von Werten sind.
Was heißt das? In der philosophischen Anthropologie sind es vor allem
Max Scheler und Nicolai Hartmann, die vom Menschen als einem "wertbezogenen"
Wesen sprechen.[3]
Der Mensch: ein wertbezogenes Wesen
Scheler unterscheidet in seiner Ethik eine Hierarchie vier
verschiedener Wertrangstufen, deren soziale Bindekraft von unten nach oben zunimmt: die
Wertart (1) des Angenehmen, Lustvollen; (2) des Nützlichen; (3) des Geistigen und
Sittlichen; (4) des Heiligen, Religiösen[4]. Wert aller Werte ist die Person. Indem sie die oberste, unrelativierbare
Wertorientierung und damit den eigentlichen Maßstab menschlichen Handelns und
Entscheidens darstellt, hat sie selbst - im Sinne Kants - keinen Wert, sondern eine
unverrechenbare Würde[5].
Sozialgebilde, die diesem höchsten Wert der menschlichen Personwürde Rechnung tragen, in
denen sich somit der Mensch als solcher verwirklichen kann, können nach Scheler nur durch
die Ausrichtung an Werten der 3. und 4. Stufe konstituiert werden. Die Werte des
Angenehmen und Nützlichen sind demgegenüber keine gemeinschaftstiftenden Faktoren im
eigentlichen Sinn[6].
Als Individuum ist der Mensch darüber hinaus in dreierlei Hinsicht
"wertbezogen":
- sofern er selbst Träger des höchsten Wertes, der Personwürde, ist und damit zum
Verpflichtungsgrund und Gegenüber moralischen Handelns wird;
- sofern er ein "natürliches" Bedürfnis nach Werten hat, die seiner Existenz
Halt, Orientierung und Sinn geben;
- sofern er über die Fähigkeit des "Wertvernehmens" und
"Wertfühlens" verfügt[7],
d.h. nicht nur passiver Träger von (sittlichen) Werten ist, sondern sich zugleich aktiv
dazu ins Verhältnis setzen kann, d.h. über das Vermögen ethischer Reflexion verfügt.
Vor allem der letzte Punkt wirft ein neues Licht auf den Menschen als
Vermittlerinstanz zwischen verschiedenen Systemen und (Sub)kulturen und deren geistigem
Gemeinbesitz in Form ihrer jeweiligen Werte.
Unternehmenswerte sind handlungs- und verhaltensbestimmend
Denn in diesen Werten kulminiert nicht nur der spezifische "Geist
des Hauses", der die Kultur beispielsweise eines Unternehmens prägt. Gleichzeitig
wird dieses Kulturspezifische genau darüber für seine Mitglieder handlungs- und
verhaltensbestimmend. Werte sind der normative Anteil an und in einer Unternehmenskultur.
In dem Maße, in dem sich Mitarbeiter mit einem Unternehmen identifizieren, werden sie
auch zum Träger seiner Werte. Indem diese dabei zugleich als normative Orientierung
fungieren, sind Werte zum einen ein Führungsinstrument, über das sich das Handeln und
Verhalten von Mitarbeitern beeinflussen läßt. Darüber hinaus sind sie aber auch der
Ansatzpunkt für die bewu sste Gestaltung und Entwicklung von Unternehmenskulturen.
"Kulturmanagement" heißt in erster Linie Wertemanagement
Denn Träger von Werten zu sein, heißt für den Menschen gerade nicht,
als "Siegellack" beliebig vieler soziokultureller oder unternehmenskultureller
Prägungen identitäts-, damit aber letztlich halt- und orientierungslos durchs Dasein zu
straucheln. Das Spezifische menschlicher Personalität besteht vielmehr gerade darin, sich
zu diesem "Cocktail" aus natürlichen Antrieben, anerzogenen Verhaltensmustern
und diversen soziokulturellen Sekundär- und Tertiärprägungen noch einmal kritisch
reflektierend ins Verhältnis setzen zu können und selbst zu bestimmen, nach welchen
Werten man sein Leben ausrichten will. Eben diese Fähigkeit zur Autonomie, die
menschliche Freiheit ausmacht, verbunden mit dem Vermögen des Werterkennens erlauben es
aber auch, über die jeweils vorherrschenden Werte innerhalb eines sozialen Systems zu
entscheiden, um damit zugleich auf dessen spezifische Kultur Einflu ss zu nehmen.
Kulturmanagement, so lässt sich als Zwischenfazit festhalten, ist in erster Linie
Wertemanagement.
Die "Personalität" eines Unternehmens muss erfahren
werden
Für die Kultur sozialer Systeme wie Unternehmen gilt in analoger Form
wie für die Personalität des Menschen, dass sie sich allem objektivierenden Zugriff von
außen entzieht. Menschliche Personalität kann nicht "be-" und damit auch nicht
"ergriffen", sondern immer nur erschlossen werden, zum einen im verstehenden
Mit- und Nachvollzug ihrer Intentionen, d.h. ihrer Absichten, Meinungen, Wünsche,
Hoffnungen, Ängste etc., zum anderen anhand des Wie ihrer Lebensgestaltung, anhand der
Werte und Prinzipien, nach denen sich ihr Denken und Handeln vollzieht. Auch
Unternehmenskulturen werden nur anhand bestimmter Phänomene erfahr- und erschließbar.
Nur indem man sich auf diese Phänomene wie Umgangsformen, Kommunikationsstil, Klima etc
einlässt, d.h. in ganzheitlichen Akten des "Wertfühlens" im Sinne
Schelers,
hat man die Chance, zu ihren Werten als Ausdruck ihres handlungs- und
verhaltensbestimmenden geistigen Gemeinbesitzes vorzudringen.
Als solche sind sie zugleich der Ansatzpunkt für die Weiterentwicklung
oder gezielte Umgestaltung der eigenen Person wie der Kultur eines Unternehmens. Der erste
Schritt ist die Bewu sstmachung der eigenen Werte und die kritische Reflexion und
Inverhältnissetzung dazu. Genau darin besteht die eine der beiden wesentlichen Aufgaben
von Ethik. Sie ist wiederum die notwendige Bedingung ihrer zweiten wesentlichen Aufgabe:
eine normative Bestimmung dieser Werte.
1.3 Ethik:
Wertereflexion und -begründung
Ethik hat eine
normsetzende Funktion
Ethik hat im
Unterschied zu Moral oder Ethos eine nicht nur beschreibende und tradierende, sondern eine
aktiv normsetzende Funktion. Ihr primärer Gegenstand ist die Begründung von Werten und
Prinzipien, die das Handeln von Menschen innerhalb eines sozialen Systems bestimmen
sollen.
Dies setzt zum einen die Beschäftigung mit dem voraus, was faktisch
gilt und gelebt wird, also mit den herrschenden Moral- und Wertvorstellungen einer
Gesellschaft, einer Kultur oder einer Person. Dieses Ethos wird zum anderen überprüft
auf seine Kompatibilität mit Handlungsorientierungen, die durch zweierlei bestimmt sind:
- durch ihren Rekurs auf einen übergeordneten, letzten Maßstab, wie etwa die "Idee
des Guten" (Platon), die Idee eines "gelingenden Lebens" (Aristoteles), die
Idee menschlicher Freiheit und Würde, die "reine praktische Vernunft" (Kant),
die Person (Scheler), die "regulative Idee der rationalen Konsensfindung"
(Habermas) etc.
- durch einen berechtigten und begründeten Anspruch auf Allgemeingültigkeit
(Universalisierbarkeit), der sie für das Handeln und Verhalten aller Menschen zu allen
Zeiten, unter allen Umständen und in allen Bereichen gelten lä
sst.
Ist der Ethos einer Kultur kompatibel zu ethischen
Handlungsorientierungen?
Bei Werten, Normen und Prinzipien, die mindestens dem ersten dieser
beiden Kriterien genügen, handelt es sich um ethische Orientierungen, d.h. um begründete
moralische Standards, deren Einhaltung ein friedliches, menschengerechtes und
menschenwürdiges Leben erst ermöglicht. Sofern sie auch dem
Universalisierbarkeitsprinzip (Kategorischer Imperativ, Goldene Regel, Diskursprinzip)
entsprechen, können sie zugleich unbedingt gültige und unhintergehbare, sogenannte
moralische "prima facie"-Pflichten des Menschen formulieren. Ethik
befa sst sich
nicht nur mit deren Aufstellung, sondern als anwendungsbezogene oder bereichsspezifische
Ethik, wie im Falle von Unternehmensethik, zugleich mit der Frage ihrer Umsetzung im
täglichen Leben. Insofern hat sie stets eine doppelte Bedeutung:
- eine anthropologisch-intrinsische Dimension, indem sie auf die fundamentalen
existenziellen Fragen des Menschen begründete Antworten zu geben versucht, auf Fragen
wie: "Was sollen wir tun?", "Was ist das Vernünftige, Richtige und
Gute?", "Worin besteht das eigentliche Ziel menschlichen Tätigseins und
Daseins, d.h. das, um dessentwillen wir alles andere tun?" Die Beschäftigung mit
Ethik entspricht dem natürlichen Bedürfnis des Menschen nach Sinn und Orientierung in
einem umfassenden existenziellen Horizont. Durch die Ausrichtung an ethischen Werten kann
er einerseits seinem Handeln den gesuchten Sinn geben, anderseits das Spezifische seines
Menschseins verwirklichen: sein Vermögen der Sittlichkeit und Autonomie. In der Art und
Weise, wie er dieses Vermögen verwirklicht und lebt, zeigt sich wiederum seine je
einmalige Personalität. Ethische Orientierung leistet somit einen entscheidenden,
vielleicht den wichtigsten Beitrag zur Selbstwerdung und persönlichen Identitätsfindung.
- eine gesellschaftlich-funktionale Dimension, indem sie verbindliche
Handlungsorientierungen vorgibt und damit ein konfliktfreies Zusammenleben von Menschen
auf der Basis demokratischer Grundwerte wie Menschenwürde, Freiheit, Selbstbestimmung und
Gerechtigkeit sicherstellt. Ethische Wertorientierungen dieser Art bilden nicht nur die
Grundlage positiven Rechts, sondern bleiben dessen unverzichtbares normatives Fundament
als Korrektiv oder zur Kompensation etwaigen Rechtsversagens, z.B. unter einem
totalitären Regime. Denn: Legalität impliziert nicht zwangsläufig Legitimität.
In dem Maße, in dem sich die Mitglieder sozialer Systeme als
individuelle Personen wie auch als deren Repräsentanten in einem - mit Kant gesprochen -
"eigentlich sittlichen Akt" der Selbstverpflichtung zu diesen ethischen
Orientierungen bekennen und ihr Handeln danach ausrichten, steigt die Verlä sslichkeit der
wechselseitigen Handlungs- und Verhaltenserwartungen. Letzteres ist einer der
entscheidenden Faktoren zur Bildung von Vertrauen und damit wiederum - ökonomisch
gesprochen - zur Senkung von Transaktionskosten, die durch Überwachungs- und
Kontrollmechanismen entstehen - frei nach Lenin: "Kontrolle ist gut - Vertrauen ist
billiger". Ethik, so lässt sich zusammenfassen, ist unverzichtbar, damit
Gesellschaften und ihre Subsysteme reibungslos und effizient funktionieren.
Ethik als Fundament der Funktionalität sozialer Systeme
Ethische Orientierungen in Unternehmen zur Geltung bringen zu wollen,
dürfte angesichts dieser zweiten, funktionalen Bedeutung plausibler geworden sein. Im
Falle einer Corporate Ethics kommen jedoch beide Dimensionen zum Tragen: Da Unternehmen
soziale Systeme sind, lä sst sich auch die anthropologisch-intrinsische Bedeutung von
Ethik - in einem analogen Sinn - auf sie übertragen.
Ein geeignetes Medium für kulturbewußtes Management
Ein Beispiel dafür wurde oben bereits genannt: Indem die reflexive
Auseinandersetzung mit herrschenden Wertvorstellungen zu ihren elementaren Aufgaben
gehört, und dazu wiederum die Bewu sstmachung auch impliziter normativer Annahmen die
Voraussetzung ist, verfügt Ethik über das geeignete Instrumentarium zur firmeneigenen
Wertereflexion. Sie kann somit als Medium für ein bewusstes Kulturmanagement genutzt
werden. Umgekehrt ist eine nachhaltige Implementierung ethischer Wertorientierungen in der
Unternehmenspraxis nur dann möglich, wenn sie sich in der spezifischen Kultur des
Unternehmens verankern lassen. Nur dann besteht die Chance, dass moralische Standards für
die Unternehmensmitglieder zu einer Art zweiter Natur werden, an denen ihr Handeln und
Verhalten in allen Bereichen und Situationen orientiert ist.
Wir können also festhalten: Corporate Ethics und Corporate Culture
gehören zusammen und können, wo dies erkannt wird, eine fruchtbare Synthese bilden.
Bezieht man diese
allgemeinen Überlegungen zur Aufgabe und Bedeutung von Ethik auf Unternehmen, dann
ergeben sich als spezifische Fragen einer Corporate Ethics die folgenden:
- Welche impliziten oder expliziten Werte und Wertvorstellungen existieren in unserem
Unternehmen? Inwiefern bestimmen und prägen sie unsere Kultur?
- Sind diese Werte kompatibel mit begründeten moralischen Wertestandards?
- Um welche Werte und ethischen Orientierungen müssen sie ergänzt werden, um
- den Unternehmensmitgliedern Sinnerleben und personale Entfaltung zu ermöglichen;
- eine loyale und solidarische Kooperationsgemeinschaft zu stiften, die als solche auch
die Verwirklichung spezifisch menschlicher Kompetenzen und Potentiale fördert;
- effiziente, reibungs- und konfliktfreie Arbeitsabläufe zu gewährleisten, intern wie
extern Vertrauen zu stiften und so unnötige Transaktionskosten zu vermeiden.
- Wie lassen sich diese Wertorientierungen so implementieren, da
ss sie integrativer
Bestandteil unserer gelebten Kultur werden und sich mit deren spezifischem
"Geist" zur Förderung einer integeren Corporate Identity verbinden?
Der Beschäftigung mit diesen Fragen geht jedoch in der Regel die Frage
voraus, warum man sich als Unternehmen dieser Mühe respektive den damit verbundenen
Kosten überhaupt unterziehen sollte. Stellen wir uns also dieser Frage zuerst.
2.1 "Gute" Gründe für Corporate
Ethics
Unternehmen operieren im "wertebeladenen" Raum
Moralisch relevante Fragen entstehen überall dort, wo Menschen handeln
und entscheiden und wo andere Menschen oder lebensweltliche Systeme von den Auswirkungen
ihrer Aktivitäten betroffen sind. Sofern Unternehmen selbst soziale Systeme sind, die mit
anderen sozialen Systemen und Menschen interagieren, operieren sie nicht im
"luftleeren", will sagen wertneutralen, moralfreien Raum. Dies zu erkennen, d.h.
sich als Teil eines umfassenderen sozialen Kontextes und als Gegenüber anderer sozialer
Systeme wahrzunehmen, ist notwendiger Bestandteil des Selbstbewu sstwerdungsaktes, der für
die Herausbildung der Corporate Identity von Unternehmen ebenso essentiell ist, wie für
die Identitätsfindung und -bildung menschlicher Personen.
Wirtschaftliches Handeln ist moralisch zu verantwortendes Handeln
Zu "handlungsfähigen" Systemen im eigentlichen Sinn werden
Unternehmen darüber hinaus nur dadurch, da ss sie von Menschen konstituiert werden, die
als Organisationsmitglieder ihr spezifisch menschliches Handlungs- und
Entscheidungsvermögen in den Dienst der unternehmerischen Intentionalität bzw.
Rationalität stellen. Wirtschaftliches Handeln ist menschliches Handeln und als solches
stets moralisch zu verantwortendes Tun. Im gleichen Maße und aus den gleichen Gründen,
aus denen Unternehmen handlungsfähig sind, sind sie somit auch moralisch verantwortlich
und moralisch verantwortungsfähig: aufgrund der Personalität und Moralität ihrer
Mitglieder[8]. Der Mensch als Person
ist aber nicht nur Subjekt ethischen Handelns, sondern zugleich Gegenüber moralischer
Überlegungen. Unternehmen sind daher sowohl ihren externen Interaktionspartnern und
Bezugsgruppen - Kunden, Lieferanten, Öffentlichkeit, natürliche Umwelt - ethisch
verpflichtet wie auch ihren Mitgliedern intern.
Die Achtung unhintergehbarer Normen und Prinzipien
An erster Stelle steht dabei die Anerkenntnis und Einhaltung
unhintergehbarer, unbedingt gültiger ethischer Normen und Prinzipien wie etwa die Achtung
und Wahrung der personalen Würde, die Respektierung menschlicher Freiheit und
Selbstbestimmung, die Unterstützung von Hilfsbedürftigen etc. Aus ihnen ergeben sich
unverhandelbare menschliche Ansprüche und moralische Pflichten, die jenseits etwaiger
Kosten-Nutzen-Erwägungen für alle stake-holder eines Unternehmens gleichermaßen und a
priori gelten.
Der unbedingten Gültigkeit bestimmter Normen und Werte entspricht
jedoch insbesondere in internationalen Kontexten nicht gleichzeitig deren faktische
Geltung. Im Zuge der Globalisierung vermischen sich Kulturkreise und die dazugehörigen
Wertvorstellungen. Was in westlichen Gesellschaften im Laufe der Zeit an begründeten
ethischen Standards in Recht, Gesetz und in die herrschende Moral eingeflossen ist, kann
in afrikanischen oder asiatischen Ländern nicht ohne weiteres als allgemeinverbindlich
vorausgesetzt werden. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, da ss es Werte und Normen
gibt, die jenseits aller religiös oder anderweitig bedingter kulturspezifischer
Überzeugungen den berechtigten Anspruch auf absolute, d.h. auf unbedingte und globale
Gültigkeit erheben. Ethische Orientierung heißt gerade, sich danach auszurichten. Und es
ist auch keineswegs ausgeschlossen, darüber einen weltweiten Konsens zu erzielen, ohne
sich dem Vorwurf eines westlichen Kulturimperialismus auszusetzen. Es kommt nur auf das
Wie an.
Die Frage der globalen Gültigkeit
Eines aber steht fest: International tätigen Unternehmen kommt dabei
heute eine Schlüsselrolle zu. Durch ihr unbedingtes "commitment" zu
entsprechenden Prinzipien und Werten wie Achtung der Menschenrechte, soziale und
ökologische Verantwortung, Fairness, Aufrichtigkeit, Vertragstreue, Integrität etc., und
durch deren Verankerung in ihrem firmenalltäglichen Handeln können sie entscheidend dazu
beitragen, da ss diese sukzessive auch in den Ländern oder Kulturen akzeptiert werden, in
denen totalitäre Regime oder andere Rahmenbedingungen die Entfaltung des ethisch
Gerechtfertigten bis dato verhindern.
Global agierende Unternehmen stehen in der Verantwortung
Solange es noch keine wirtschafts- und sozialpolitische Rahmenordnung
im Weltmaßstab gibt, die für eine ökologisch und sozialverträgliche Wirtschaftsform
sorgen könnte, kommt multinational operierenden Unternehmen neben der Pflicht zur
Einhaltung ethischer Wertestandards darüber hinaus eine wachsende moralische
Verantwortung für die weltweite Durchsetzung von Sozial- und Umweltstandards zu. Macht
korreliert stets mit Verantwortung, unternehmerische Freiheit mit der Pflicht, diese
zugleich in einem ethischen Sinne wahrzunehmen. Denn: "Wo unternehmerische Freiheit
mi ssbraucht wird, gewinnt der Ruf nach Kontrolle und Überwachung an
Attraktivität".[9] Nur wenn
sich große multinationale Konzerne dieses Zusammenhangs bewusst werden und entsprechend
handeln, können sie eine der elementarsten Bedingungen ihrer eigenen Existenz
sicherstellen.
z.B.: "Inseln der Integrität" gegen Korruption
Zu den bekanntesten Beispielen für ethische Dilemma-Situationen
transnational tätiger Unternehmen, die aus interkul turell bedingten Wertdifferenzen oder
international abweichenden Rechtslagen entstehen, gehören der Umgang mit Bestechung,
Rassendiskriminierung, Kinderarbeit, Investitionen in Ländern mit krassen
Menschenrechtsverletzungen etc. Die von UNICEF, der FIFA und einigen
Sportartikelproduzenten gemeinsam getragene Initiative, ein Gütesiegel für Fußbälle
einzuführen, das nur dann vergeben wird, wenn bei der Herstellung ethische
Mindeststandards der Arbeitsbedingungen eingehalten wurden (z.B. keine Kinderarbeit) oder
auch das Modell von "Transparency International" durch die Schaffung sog.
"Inseln der Integrität" weltweit gegen Korruption vorzugehen,[10] zeigen, wie Unternehmen durch
proaktives Verhalten und in konzertierten Aktionen besagte moralische Verantwortung
wahrnehmen können.
Freiwillige Selbstverpflichtung als wahrhaft moralisches Handeln
Für ethisches Engagement dieser Art, das nicht gesetzlich bzw.
ordnungspolitisch verankert ist, sondern kurzfristig mit Gewinneinbußen verbunden sein
kann, lä sst sich angesichts des utilitaristisch geprägten normativen Fundaments der
ökonomischen Theorie innerhalb der davon bestimmten unternehmensspezifischen
Rationalität keine Motivation finden. Wo Unternehmen dies dennoch zeigen, handelt es sich
um einen Akt freiwilliger Selbstverpflichtung und damit - nach Kant - um moralisches
Handeln im eigentlichen Sinn. Für Kant zeigt sich genau darin die Autonomie des Menschen,
die seine Würde ausmacht: in der Wahrnehmung seiner spezifischen Freiheit in einem auch
positiven Sinn durch die Ausrichtung des eigenen Handelns an der "reinen praktischen
Vernunft" - am "Sittengesetz" - jenseits aller Zweckrationalität, d.h. nur
um des ethisch Richtigen und Gesollten selbst willen.[11] Für menschliche Personen ist ethische Selbstbindung dieser Art einer der
entscheidenden Faktoren ihrer Identitätsbildung. Überträgt man diesen Zusammenhang auf
Unternehmen, dann leisten Selbstverpflichtung und proaktives Handeln einen wichtigen
Beitrag für die Entstehung und Stärkung ihrer Coporate Identity. Auf diesen Zusammenhang
wird im letzten Teil noch näher einzugehen sein.
Die Abhängigkeit von der Moralkompetenz der Organisationsmitglieder
Unternehmen kommt diese Fähigkeit zur "sittlichen"
Selbstbestimmung (Autonomie) jedoch nur in einem sekundären oder analogen Sinn zu, d.h.
aufgrund der ethischen Kompetenz und Moralfähigkeit ihrer Mitglieder. Nur menschliche
Personen sind es sich selbst und ihrer eigenen Würde schuldig, ihre berufliche Rolle auch
in einer moralisch verantwortlichen Weise wahrzunehmen. Unternehmen als solche verfügen
weder über innere moralische Instanzen wie ein Gewissen oder Schuldgefühle, noch über
die besonderen moralischen Vermögen der kritischen Selbstreferenz und -Distanzierung, der
moralischen Urteilskraft und der ethischen Reflexion.
Hängt Corporate Ethics also nur von der moralischen Integrität der
verantwortlichen Akteure an der Spitze eines Unternehmens ab?
Ja und Nein. Die innere Grundhaltung der Unternehmensmitglieder - und
zwar auf allen Ebenen - ist unverzichtbar, um ethische Wertorientierungen erfolgreich in
Unternehmen implementieren zu können: zum einen als primärer Motivationsfaktor bei den
Verantwortlichen auf der Ebene der Unternehmensleitung, zum anderen als Voraussetzung für
eine gelingende Umsetzung firmenweit. Sie ist jedoch allein nicht hinreichend.
Verankerung der Corporate Ethics in der Unternehmenspolitik
Wo Ethik der unternehmerischen Vernunft zu widersprechen scheint und
das Bemühen um eine moralisch verantwortliche Unternehmensführung nicht integrativer
Bestandteil des allgemeinen Management wird, läuft sie schnell Gefahr, für ihre
Protagonisten zur Don Quijoterie zu werden, an deren Ende nicht selten die Preisgabe ihrer
persönlichen moralischen Integrität steht. Damit sich ethisches Engagement im
Unternehmen nicht als Quelle aufreibender innerer Zielkonflikte erweist, mu ss sie zum
einen als Akt moralischer Selbstverpflichtung des Unternehmens selbst, d.h. als
firmenspezifisches "commitment" in der Firmenpolitik verankert sein, zum anderen
entsprechend institutionalisiert werden. Dafür gibt es auch aus rein gewinnorientierter
Perspektive einige gute (Hinter-)Gründe.
2.2 Corporate Ethics als interner Erfolgsfaktor
Wider die Spaltung in "moralische Privatperson" vs.
"knallharten Geschäftsmann"
Der erste Grund hängt unmittelbar mit dem zuletzt Gesagten zusammen:
Wo sich Unternehmen moralisch relevanten Fragen nicht stellen, d.h. als Korporation keine
Stellung beziehen und Ethik-Richtlinien verabschieden, an denen sich ihre Mitglieder
orientieren können, werden diese zur Spaltung genötigt: in die moralisch integere
Privatperson und den "knallharten" Geschäftsmann, der seine persönlichen
Überzeugungen auf dem "Firmenparkplatz zurücklä sst", wie es mal ein Manager
formuliert hat, um dann sozusagen ethisch neutralisiert sein Unternehmen zu betreten.
Angesichts der heutigen Herausforderungen erweist sich diese Praxis als
besonders "kontraproduktiv". Denn um die anstehenden Anpassungsprozesse unter
sich verschärfenden internationalen Wettbewerbsbedingungen erfolgreich bewältigen zu
können, wird der Mensch immer wichtiger - und zwar der Mensch in seiner Ganzheitlichkeit:
der Mensch als Person. Zu den neuen "Humanpotentialen", die es laut aktuellen
Forderungen aus der Industrie im Hinblick auf die persönliche wie die firmenspezifische
Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit zu "gewinnen" gilt, gehören neben
Innovationskraft, Engagement, Kreativität und Leistungswillen zunehmend soziale,
persönliche und emotionale Fähigkeiten wie Teamfähigkeit und interkulturelles
Verstehen.[12] Potentiale dieser
Art gründen in der Personalität des Menschen. Wie oben gezeigt wurde, kommt eben diese
spezifisch personale Dimension des Menschen in Akten ethischer Selbstverpflichtung und
gelebter Sittlichkeit zur Entfaltung.
Die unverrechenbare Würde des Menschen
Darüber hinaus hat der Mensch als Person keinen kalkulierbaren
"Wert", sondern eine unverrechenbare Würde. Das erforderliche Erfolgspotential
der Zukunft lä sst sich folglich nicht "gewinnen" wie materielle Ressourcen,
sondern nur durch einen persongerechten Umgangs- und Führungsstil erschließen. An erster
Stelle gehört dazu die Einhaltung der unbedingten ethischen Forderung nach
wechselseitiger Anerkennung und Respektierung der Personwürde. Für deren Umsetzung sind
firmenintern die sog. "soft factors" entscheidend: ein gutes Betriebsklima,
Partnerschaftlichkeit und Kooperationsbereitschaft statt Konkurrenzdenken und
Konfrontation, eine Atmosphäre des Vertrauens, der Offenheit und Transparenz im Rahmen
einer entsprechenden Kommunikationskultur.
"Gesunde" Kulturen gedeihen auf moralischer Wertebasis
Die Substanz "gesunder" Unternehmenskulturen dieser Art
gedeiht jedoch nur auf dem Boden bestimmter moralischer Wertestandards, zu denen neben der
genannten ethischen Grundnorm personaler Anerkennung Werte gehören wie Fairness,
Ehrlichkeit, Integrität, Toleranz, Hilfsbereitschaft, Mitgefühl, Loyalität etc.
Angesichts des vielzitierten gesellschaftlichen "Wertewandels" kann aber das
ehemals Selbstverständliche wie bestimmte Umgangsformen, ein bestimmtes Arbeitsethos und
die Einhaltung dieser ethischen Prinzipien auch auf nationaler Ebene nur noch bedingt
vorausgesetzt werden. Der damit verbundene Mangel an Vertrauen und Verlä sslichkeit der
gegenseitigen Verhaltenserwartungen verursacht nicht nur steigende Transaktionskosten, er
verstärkt auch gerade in Zeiten radikaler Umbrüche die Verunsicherung und die Ängste
der Menschen.
Welche Bedeutung einem voraussetzbaren Konsens in Bezug auf
Wertestandards dieser Art für ein reibungsloses Management zukommt, zeigt besonders die
Praxis transnational operierender oder internationaler Unternehmen. Die betroffenen
Manager und Führungskräfte fühlen sich dabei zunächst oft recht hilflos: Die Probleme,
die in multinationalen, interdisziplinär zusammengesetzten Teams oder im Umgang mit
ausländischen Geschäftspartnern auftauchen, sind "irgendwie anders".
Da ss es
kulturell bedingte Differenzen sein sollen, die einem hochqualifizierten Spezialistenteam
bei der Lösung seiner Aufgabe im Weg stehen, mag man so einfach nicht glauben, vielleicht
auch nicht wahrhaben. Denn der Umgang mit interkulturellen Konflikten ist anspruchsvoll.
Er setzt ein ganz anderes Instrumentarium voraus als herkömmliche Managementprobleme und
das muss erst entwickelt werden, Entwicklung aber ist teuer.
Interkulturelle Konflikte verlangen Offenheit,...
Die gute Nachricht lautet: Um die Kommunikations- oder
Interaktionskonflikte, die in multinationalen Teams entstehen, adäquat lösen zu können,
braucht man nicht irgendein neues "Management-Tool", sondern in erster Linie
Menschen, die ihre Personalität leben. Und das bedeutet: Führungskräfte, Manager,
Teamleiter, die ihre persönliche, soziale, emotionale und intuitive Kompetenz zur
Entfaltung bringen, allem voran jenes Vermögen, das zugleich den elementarsten Akt
moralischen Handelns ausmacht: Ver-Stehen im eigentlichen Wortsinn, d.h. einen
vorübergehenden mentalen Standpunktwechsel, ein Aufgeben der egozentrischen Perspektive,
um sich auf die des anderen und damit auf den anderen einzulassen. Letzteres impliziert
nicht nur Toleranz, sondern auch Wohlwollen im Sinne einer affirmativen Grundhaltung und
Bereitschaft zur Öffnung für das ganz Andere, Fremde. Erst, wo diese Bereitschaft
gegeben ist, kann man sich in sein Gegenüber geistig wie emotional hineinversetzen. Eben
dieses Einfühlungsvermögen - Empathie - ist in interkulturellen Zusammenhängen
unverzichtbar.
...Wertereflexion und das Bemühen um eine gemeinsame Ebene
Interkulturelle Konfliktlösung setzt des weiteren voraus, da ss man
überprüft, ob und inwiefern Werthaltungen und moralische Überzeugungen in der
täglichen Arbeit zum Tragen kommen, und wo diese gegebenenfalls differieren. Dazu müssen
zunächst die eigene soziokulturelle Prägung und die damit verbundenen Einstellungen
reflektiert werden. Für eine reibungslose, effektive Kooperation in multinationalen oder
auch interdisziplinären Teams gilt es nicht nur, eine gemeinsame sprachliche und
begriffliche, sondern auch eine gemeinsame normative Ebene zu finden, ein gemeinsames
Ethos. Wertereflexion dieser Art und das Bemühen, sich auf konsensfähige
Verhaltensnormen und moralische Standards zu verständigen, so wurde oben gezeigt, sind
genuiner Gegenstand von Ethik.
Einer Corporate Ethics kommt dabei heute sowohl auf nationaler wie auf
internationaler Ebene eine integrative und identitätsstiftende Funktion zu: Zum einen,
indem sie den Mangel an einem übergreifenden gesellschaftlichen bzw. globalen moralischen
common sense durch ihr firmeneigenes "commitment" zu allgemeingültigen
ethischen Normen und Prinzipien kompensiert; zum anderen, indem damit zugleich das Handeln
der Unternehmensmitglieder in allen Bereichen und auf allen Ebenen an gemeinsame Werte
rückgebunden werden können, die Sinn, Halt und Orientierung stiften.
Ethik und ethische Wertorientierungen, so lä sst sich zusammenfassend
festhalten, gehören zu den entscheidenden Erfolgsfaktoren
- eines gelingenden Wandels (Change-Management)
- eines gelingenden interkulturellen Management.
2.3 Corporate
Ethics: Der Weg zum guten Ruf
Eine weitere
Motivation für Unternehmen, sich eine Corporate Ethics "zuzulegen", hängt mit
dem Bemühen um eine gute Reputation nach außen zusammen. Das gilt vor allem für die
Unternehmen und Branchen, die in besonderem Maße der öffentlichen Kritik und Kontrolle
ausgesetzt sind. Dafür kann es unterschiedliche Gründe geben: weil sie mit ethisch
relevanten Technologien (Gentechnik, Tierversuche) oder ökologisch problematischen
Herstellungsverfahren arbeiten (z.B. Pharma- und Lebensmittelindustrie); weil ihre
Produkte unter moralischen Gesichtspunkten problematisch erscheinen (z.B.
Rüstungsindustrie); weil sie selbst oder ein Unternehmen der gleichen Branche in der
Vergangenheit durch ethisch fragwürdige (z.B. Shell) oder gar wirtschaftskriminelle
Aktivitäten (Steuerhinterziehung, Korruption etc.) in die Schlagzeilen geraten sind; oder
einfach, weil sie über eine besondere (Markt-)Macht verfügen (z.B. Banken,
Automobilindustrie) und weil Macht stets moralische Verantwortung impliziert.
Institutionalisierung von Ethik in sensiblen Branchen
Branchen oder Unternehmen, die zu einer dieser Kategorien gehören,
haben nicht nur ein ausgeprägteres ethisches Bewu sstsein und eine höhere Sensibilität
für moralisch relevante Fragen, sie sind auch um entsprechende Maßnahmen der
Institutionalisierung bemüht. Dies bestätigen einige jener unternehmensethischen
Initiativen, die während der letzten Jahre in Deutschland entstanden sind:
- die Verabschiedung und Implementierung von Ethikleitlinien durch den Bundesverband für
Materialwirtschaft und Einkauf (BME, Frankfurt);
- die Einführung von Ethik-Programmen durch einige größere Automobilhersteller;
- die Einrichtung von Compliance-Programmen durch die Banken;
- die Einführung eines branchenbezogenen Ethik-Managementsystems und eines
Ethik-Audit-Systems durch den Verband der Bayerischen Bauindustrie München für 20 ihrer
Unternehmen.
Hintergrund des letzteren Projekts war die starke Bedrohung dieser
Branche durch Korruption, Ziel des Programms somit zum einen die Verbesserung des
Branchenimages, zum anderen die Förderung der eigenen Unternehmensintegrität als
Korruptionsprävention.[13] Die
Motivation der beteiligten Unternehmen gründete in der berechtigten Einsicht,
da ss
Präventivmaßnahmen letztlich effizienter sind als Schadensbekämpfung durch etwaige
nachgereichte Ethik-Leitlinien. Dass es sich dabei um etwas anderes handeln könnte als um
bloße Lippenbekenntnisse mit Alibi-Funktion, wird man einem Unternehmen in den nächsten
Jahren nach einem unternehmensethisch relevanten Eclat ohnehin nicht mehr abnehmen. Das
Motto "Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich´s völlig ungeniert" - das
übrigens auch im privaten Bereich ethisch gesehen so seine Tücken hat - kann je nach
Größe und wirtschaftlicher Stabilität eines Unternehmens gleichbedeutend mit seinem
wirtschaftlichen Ruin sein.
Präventivmaßnahmen statt nachgereichter Ethik-Leitlinien
In jedem Fall sind Reputationseinbußen kostspielig und nur in einem
langwierigen vertrauensbildenden Proze ss
wieder gut
zu machen. Das Bemühen um
Glaubwürdigkeit und Vertrauen intern wie extern gehört zu den größten
Herausforderungen für ein Unternehmen. Wenn es erst einmal in Verruf geraten ist, wiegt
diese Aufgabe doppelt schwer. Dafür essentiell ist eine Corporate Ethics nicht per se,
sondern nur dann, wenn sie auch nachweislich gelebt wird. Dass ein bestimmter Umgang mit
Ethik gerade zum Gegenteil des Intendierten führen kann, wird uns im folgenden noch
eingehender beschäftigen (Kap. 3.2).
Glaubwürdigkeit und Vertrauen verlangen gelebte Unternehmensethik
Zu der Einsicht, da ss Vorbeugen besser ist als Zahlen, wurde vielen
amerikanischen Unternehmen während der letzten Jahre auch durch die sog.
"U.S.-Sentencing Commission Guidelines" verholfen. Dabei handelt es sich um
verbindliche Vorschriften für die Bemessung des Strafmaßes bei Organisationsverschulden.
Die Fortschrittlichkeit der Business-Ethics-Bewegung in den USA hängt nämlich u.a. mit
einer besonderen Rechtslage zusammen: Demnach können Unternehmen als juristische Personen
strafrechtlich belangt und verurteilt werden, wenn eines ihrer Mitglieder zu ihren Gunsten
eine wirtschaftskriminelle Straftat begeht oder mit ihrem Wissen Dritte schädigt. Den
Sentencing Commission Guidelines zufolge können Unternehmen im Falle einer Verurteilung
einen beträchtlichen Straferlass erhalten, wenn sie sich in der Vergangenheit
nachweislich um geeignete organisatorische Maßnahmen zur Verhinderung von Straftaten
ihrer Mitglieder bemüht haben. Als Beispiel für Präventivmaßnahmen dieser Art nennen
die Guidelines explizit die Einführung von Ethik-Programmen oder die Ernennung von
Ethics-Officers[14].
Ethik-Programme als Folge juristischer Normen - bald auch in der EU?
Seit Juni letzten Jahres gibt es nun auch einen EU-Beschlu ss, in dem
die Mitgliedstaaten aufgefordert werden, entsprechende Rechtsvorschriften für die
Verantwortlichkeit juristischer Personen im Falle von Betrug, Geldwäsche oder Korruption
zu erlassen[15]. Sollte unsere
Regierung bei der Umsetzung dieser Forderung gleichzeitig eine analoge Regelung zu den
amerikanischen Sentencing Commission Guidelines einführen, dann wird es zusätzlich zu
den dargestellten "guten Gründen und Hintergründen" für das Bemühen um eine
Corporate Ethics künftig noch einen handfesten ökonomischen Anreiz geben.
Corporate Ethics ist
vor allem insofern ein möglicher Erfolgsfaktor, als sie konstitutiv ist für das, was in
diesem Buch als Grundlage eines nachhaltigen Unternehmenserfolgs herausgearbeitet wurde:
eine glaubwürdige Corporate Identity.
Eine entscheidende Rolle spielt sie dafür
- aufgrund ihrer Bedeutung für die Entstehung bzw. bewu
sste Entwicklung einer gesunden
Unternehmenskultur;
aufgrund ihres Beitrags zur Integrität des Unternehmens und damit zu einer guten
öffentlichen Reputation;
aufgrund des Aktes der bewussten moralischen Selbstverpflichtung, der allen
(unternehmens)ethischen Bemühungen vorauszugehen hat.
Diese substanzielle Bedeutung der Corporate Ethics für die Identität eines
Unternehmens, die im folgenden herausgestellt werden soll, kann sie allerdings nur unter
bestimmten Bedingungen entfalten: Wenn das ethische "commitment" echt ist, d.h.
ernst gemeint und durch geeignete Maßnahmen der Umsetzung integrativer Bestandteil des
Management und des gelebten Firmenalltags wird. Wo diese Bedingungen nicht erfüllt sind,
wo Ethik als Image-Kosmetik instrumentalisiert oder als moralisches
"Sahnehäubchen" nachträglich aufgesetzt wird, kann sie zur regelrechten Gefahr
für die Glaubwürdigkeit des Unternehmens und damit für seine Corporate Identity werden.
Auch dieser Aspekt wird im folgenden thematisiert, um abschließend die
Möglichkeiten einer nachhaltigen Implementierung von Ethik durch ihre umfassende
Integration in die gelebte Kultur und Unternehmenspraxis darzustellen.
3.1 Identität und ethische Selbstverpflichtung
Ethik und Identität erscheinen auf den ersten Blick als Widerspruch:
Identität speist sich aus dem Besonderen, dem Spezifischen, Andersartigen in Abgrenzung
von seiner Umwelt. Ethik hingegen befa sst sich mit dem Allgemeingültigen und
-verbindlichen und mit der Ausrichtung individuellen Handelns daran. Gibt es trotzdem
einen Zusammenhang?
Das Andersartige vs. das Allgemeingültige?
Für das menschliche Individuum, so hatten wir oben gesehen, sind
gerade die Relationen, in denen es steht, für seine Identitätsbestimmung konstitutiv:
Die Tatsache, da ss es sich, vor allem aber die Art und Weise, wie es sich zu anderen ins
Verhältnis setzt, machen seine Identität aus. Ein weiterer wesentlicher Faktor
menschlicher Identitätsbildung ist die Selbstwahrnehmung als Teil eines größeren Ganzen
und die Bewusstwerdung des eigenen Geprägtseins durch diese Mitwelt, durch die
verschiedenen sozialen Systeme mit ihren jeweiligen Kulturen und Wertsystemen. Denn diese
Selbstbewusstwerdung ist die Voraussetzung dafür, sich eine eigene Richtung zu geben,
d.h. nicht mehr nur geprägt zu werden, sondern sich selbst zu prägen: sich selbst zu
setzen und zu bestimmen. An erster Stelle gehört dazu eine Art
"Bestandsaufnahme" in Bezug auf die Prägungen und Werte, die einen bis dato
geleitet haben; an zweiter Stelle die Frage, welche man beibehalten will und welche über
Bord werfen. Inbegriff menschlicher Selbstbestimmung (Autonomie), so hatten wir oben des
weiteren gesehen, ist aber nicht irgendeine beliebige Auswahl, sondern die Ausrichtung an
dem - "sittlich" - Richtigen und Gerechtfertigten. Und beides - Wertereflexion
als Form der Selbsterkenntnis wie auch Wertebegründung als Grundlage der Selbstbestimmung
- ist Gegenstand von Ethik.
Es gibt keine Identität sozialer Systeme ohne ethische
Fragestellungen
Es gibt keine Identität sozialer Systeme inmitten anderer sozialer
Systeme ohne Ethik, weil Identität impliziert, Position zu beziehen, Stellung zu nehmen
zu dem, was uns umgibt, was uns prägt, vor allem aber zu den Fragen, die klassischerweise
Gegenstand von Ethik sind: wonach sollen wir uns ausrichten, von welchen Werten unser
Handeln leiten lassen?
Bezogen auf die Identität von Unternehmen kann Ethik respektive
Coporate Ethics analog dazu sowohl einen Beitrag zur Identitätsfindung wie zur
Identitätsbildung leisten:
- als Medium der Selbsterkenntnis - im Sinne des griechischen Orakelspruchs, der sich am
Apollon-Tempel zu Delphi findet: "Gnoti se authon" - Erkenne dich selbst und
werde, der du bist;
- als Weg aus der Beliebigkeit: als Eindeutigkeit in der Vielheit pluralistischer
Weltanschauungen durch Rückbindung des eigenen Handelns an ethisch gerechtfertigte,
"gute Gründe" und Werte.
Selbsterkennung und Wege aus der Beliebigkeit
Konstitutiv für die Identität eines Unternehmens ist seine
spezifische Kultur. Diese Kultur wiederum, so war oben gezeigt worden, hängt entscheidend
von den - meist nur - implizit vorhandenen, d.h. unbewu ssten Verhaltensnormen und Werten
ab, nach denen die Menschen in ihr handeln. Der Aufstellung eines Corporate Code of
Conduct hat aber die Bewusstmachung und Reflexion eben dieser firmeneigenen Werte
notwendig vorauszugehen. Um Ethik nachhaltig und wirksam im Unternehmen zu implementieren,
muß sie integriert werden: in die Kultur, in die bisherige Firmenphilosophie, in die
spezifische Ausrichtung des jeweiligen Unternehmens. Sie muß also Teil seiner Identität
werden und dazu muß diese zunächst einmal bewußt gemacht werden.
"Positive" Identität aus ethischer Selbstverpflichtung
Umgekehrt wird dieser Selbstbewu sstwerdungsprozess als Frage nach der
eigenen Identität durch die Integration von Corporate Ethics um die Frage nach dem
Richtigen und Guten erweitert. Damit erhält die Corporate Identity eine neue Qualität:
Durch die Verbindung des Unternehmensspezifischen mit dem Allgemeingültigen, ethisch
Gerechtfertigten wird sie zur "positiven" Identität, d.h. zur sittlich
reflektierten, selbstbestimmten Identität. Nur dann aber handelt es sich nach Kant um
Identität im eigentlichen Sinne. Ihren adäquaten Ausdruck findet sie in einer
entsprechenden Wahrnehmung unternehmerischer Freiheit: als ethische Selbstverpflichtung
des Unternehmens im Sinne eines aufrichtigen "commitment" zu begründeten
moralischen Normen und Werten, das seinen Niederschlag in der Praxis findet.
Stringente CI in der Vielfalt pluralistischer Weltanschauungen
Durch diese ethische Orientierung gewinnt ein Unternehmen eine
Corporate Identity, die nicht mehr beliebig ist. Mit seinem Bekenntnis zu unbedingten,
universal gültigen Werten kann es sich darüber hinaus gerade unter globalen
Wettbewerbsbedingungen von der Pluralität kultureller oder religiöser Weltanschauungen
abheben. Auf diesem Wege wird auch der Gefahr eines ethischen Relativismus
entgegengewirkt, der Mitarbeiter in transnationalen Unternehmen in besonderem Maße
ausgesetzt sind. Die Tendenz, sich einfach den Gepflogenheiten des jeweiligen Landes
anzupassen, ist in zweierlei Hinsicht problematisch: zum einen dann, wenn Mitarbeiter
dabei genötigt werden, ihre eigenen Wertvorstellungen preiszugeben und somit ihre
persönliche oder moralische Integrität tangiert wird; zum anderen, wenn diese
"Gepflogenheiten" aus ethischer Sicht fragwürdig sind, wie zum Beispiel das
Zahlen oder Annehmen von Bestechungsgeldern.
Stärkung der eigenen Integrität
Ein Unternehmen, das demgegenüber ethische Wertorientierungen zum
integrativen Bestandteil seiner Corporate Identity macht, das Ethik-Leitlinien für den
Umgang mit moralisch relevanten Fragen dieser Art aufstellt und firmen- oder konzernweit
verbindlich macht, bietet seinen Mitgliedern auch in internationalen Kontexten Halt und
sorgt dafür, da ss deren moralische Integrität unterstützt wird. Dadurch stärkt es aber
letztlich seine eigene Integrität, damit wiederum seine Resistenz gegen Kriminalität,
allem voran gegen Korruption, ebenso wie sein nationales und internationales Ansehen in
der Öffentlichkeit. Mit einem Unternehmen, dessen Identität sich aus einer Verpflichtung
zum "Guten" und den entsprechenden Werten speist, identifiziert sich jeder gern:
als Mitarbeiter arbeitet man dort gern und entsprechend motiviert, als Kunde macht man
gern mit ihm Geschäfte, weil man ihm vertrauen kann, als Konsument kauft man gern seine
Produkte, denn da weiß man, dass "hinter den Kulissen alles stimmt".[16]
Eine ethisch fundierte Corporate Identity, so könnte man
zusammenfassen, ist der "Königsweg" zu einem nachhaltig positiven Image intern
wie extern - vorausgesetzt, es bleibt in puncto Ethik nicht nur bei der
Absichtserklärung. Denn Identität impliziert Übereinstimmung mit sich selbst. Wo der
Zusammenhang zwischen ethischer Selbstbestimmung und Selbstübereinstimmung übersehen
wird, können die Folgen für die Glaubwürdigkeit und damit für das Image des
Unternehmens genau umgekehrt nachhaltig negativ sein.
3.2 Corporate
Ethics als Risiko: Das "Prinzip Pechmarie"
Der Nutzen ist
ohne Überzeugung nicht zu haben
Angesichts der oben dargestellten Vorteile, die Corporate Ethics für
Unternehmen mit sich bringen, scheint die Frage nach der Motivation unternehmensethischer
Bemühungen klar zu sein: Ethik ja, soweit sie dem Business dient. Wozu dann also die
Überlegungen über die "guten Gründe", über den Akt der moralischen
Selbstverpflichtung aus innerer Überzeugung, der diesen Bemühungen vorauszugehen hat?
Nur, weil es sich andernfalls aus der Sicht kantisch geprägter Moral-Puristen gar nicht
um Ethik im eigentlichen Sinn handelt? Es gibt darüber hinaus eine pragmatische
Begründung, die unter Business-Gesichtspunkten schätzungsweise die interessantere ist:
Weil das eine - der Nutzen - nicht ohne das andere - die ernsthafte Überzeugung - zu
haben ist.
Ethisch gelebte Geschäftspraktiken zahlen sich aus
Unter spezifisch wirtschafts- und unternehmensethischen Gesichtspunkten ist es nicht nur gerechtfertigt, sondern auch erforderlich,
dass sich
ethische Geschäftspraktiken für ein Unternehmen auszahlen, dass also auch
Gewinninteressen wie Image-Verbesserung, Produktivitätssteigerung, Vermeidung von
Effizienzeinbußen und Kosten, wie sie durch Korruption oder ein schlechtes Betriebsklima
entstehen, bei dem Bemühen um eine moralisch verantwortliche Unternehmensführung eine
Rolle spielen. Dieses Bemühen ist aber in der Regel zum Scheitern verurteilt, wo Motive
dieser Art die einzige Rolle spielen, d.h. nicht gleichzeitig von einem aufrichtigen
Interesse an dem moralisch Richtigen und einer entsprechenden inneren Haltung der
verantwortlichen Akteure getragen werden.
Denn: Es gibt Ziele, die sich nicht direkt intendieren oder unmittelbar
erreichen lassen. So etwa Glück und ein gelingendes Leben. Sie werden nach Aristoteles
nur dem zuteil, der ein tugendhaftes Leben im Dienste der "polis", der
Gemeinschaft führt. Tugendhaftigkeit wiederum galt in der Antike als Bedingung für
öffentliches Ansehen und Ehre. Für Aristoteles wie für Platon bestand diese
Tugendhaftigkeit nicht nur darin, sein tägliches Handeln und Entscheiden nach den
geltenden Normen auszurichten, sondern es zugleich an die übergeordnete "Idee des
Guten" rückzubinden und zwar: um des Guten und "Edlen selbst willen"[17].
Die Instrumentalisierung
der Ethik wird mit Pech belohnt
nicht nur im Märchen
Da ss es diese Haltung ist, die letztlich auch ökonomischen Nutzen
bescheren kann, wird im Märchen "Frau Holle" der Gebrüder Grimm vorgeführt:
"Auszahlen" tut sich hier gerade die sittliche Grundhaltung der Goldmarie, die
sich nicht im Hinblick auf eine etwaige Belohnung, sondern aus Hilfsbereitschaft,
Gutherzigkeit und um der Dinge selbst willen ihrer annimmt. Wer hingegen versucht, Ethik
zu instrumentalisieren, dem kann es gehen wie der Pechmarie. Weil sie ihre eigentliche
Faulheit und Bosheit nur zum Schein überwindet mit der Absicht, am Ende wie ihre
Schwester mit einem Goldregen belohnt zu werden, darf sie nur im Pech duschen.
"Jemand" statt "etwas"
Natürlich geht es in der wirtschaftlichen Realität nicht zu "wie
im Märchen". Analogien lassen sich trotzdem ziehen. Auch in unternehmerischen
Kontexten gibt es Ziele, die sich aller Zweckrationalität entziehen und deren Erreichung
den "Umweg" über eine Orientierung an ethischen Werten um ihrer selbst willen
voraussetzen. Die Entwicklung einer "gesunden" Unternehmenskultur ist ein
Beispiel dafür, aber auch bei der Leistungssteigerung von Mitarbeitern handelt es sich um
ein Ziel dieser Art: Die oben genannten "neuen Humanpotentiale" lassen sich
immer nur mittelbar und gerade dadurch erschließen, dass man Mitarbeiter nicht primär
unter ihrem Leistungsaspekt oder als zu "gewinnende Ressourcen" wahrnimmt,
sondern aus einer eigentlich "sachlichen" Haltung heraus als das, was sie
wirklich sind: Personen, d.h. nicht "etwas", sondern "jemand".[18]
Vor allem bei der Entwicklung einer integeren, glaubwürdigen Corporate
Identity sind Unternehmen mit dem dargestellten "Paradox der Ethik"
konfrontiert. Und dieses Paradox impliziert nicht nur die Möglichkeit ausbleibender
Vorteile, Corporate Ethics birgt hier zugleich ein Risiko in sich: das, was man als
"Prinzip Pechmarie" bezeichnen könnte.
Wer Ethik kommuniziert, setzt sich kritischer Beobachtung aus
Denn wo ein Unternehmen seine (neue) ethische Orientierung verlautbaren
lässt, sei es durch entsprechende PR-Maßnahmen und Öffentlichkeitsarbeit, sei es durch
die Aufstellung eines ethischen Firmenkodex, kann und wird es ab sofort auch daran
gemessen werden - und zwar sowohl intern von der eigenen Belegschaft, als auch extern
durch Kunden, Lieferanten und die Öffentlichkeit.
Einer der wichtigsten vertrauenstiftenden Faktoren im Verhältnis eines
Unternehmens zu seinen verschiedenen stakeholdern ist Glaubwürdigkeit, die wichtigste
Voraussetzung dafür Integrität. Die Integrität eines Unternehmens zeigt sich genau wie
im Falle persönlicher Integrität zuallererst an seiner Authentizität: an einem Leben
gemäß den eigenen Prinzipien. Bei einem Unternehmen, das sich durch Leitlinien oder in
einer Firmenbroschüre hinsichtlich seiner Prinzipien "outet", kann diese
Integrität - als Übereinstimmung zwischen dem, was auf das bekanntlich sehr geduldige
Hochglanzpapier gebannt wurde, und dem, was seine gelebte Kultur und Praxis ausmacht -
sehr viel leichter überprüft werden.
Integrität ist eine der fundamentalsten ethischen Orientierungen
Wo sich ein Unternehmen explizit zu ethischen Wertorientierungen
bekennt, wird diese Übereinstimmung von Sollen und Sein, von moralischem Anspruch und
Wirklichkeit besonders kritisch beobachtet. Warum? Weil Selbstübereinstimmung und
Integrität selbst moralisch relevante Kategorien sind. Integrität ist eine der
fundamentalsten ethischen Orientierungen überhaupt, die in moralischen Werten wie
Aufrichtigkeit, Unbestechlichkeit, Gesetzestreue, Einhaltung verbindlicher Regelungen
gegenüber Dritten, Einlösung von Versprechen respektive abgegebener
"commitments", allem voran aber in der Einhaltung selbst auferlegter Prinzipien
zum Ausdruck kommt.
Eine etwaige Divergenz von Leitlinien und gelebtem Firmenalltag wird
somit hier deutlich strenger bewertet als im Falle eines Unternehmens, das ohne ethischen
Anspruch auftritt - zumindest von außen und zumindest von den eigenen Mitarbeitern. Woran
es allerdings häufig mangelt, sind entsprechende Soll-ist-Abgleiche durch die
Führungsspitze selbst. Und zwar meistens dann, wenn die Motivation im oben genannten
Sinne eine einseitige war.
Das Stigma des Mi ssbrauchs richtet viel Schaden an
Um so fataler sind die Folgen, wenn etwaige Diskrepanzen
anderen
auffallen: zum einen, weil es sich angesichts der propagierten ethischen
Selbstverpflichtung um einen performativen Selbstwiderspruch handelt, der doppelt schwer
wiegt; zum anderen, weil sich unweigerlich - berechtigt oder nicht - der Verdacht des
Ethik-Missbrauchs aufdrängt: zur vordergründigen Image-Pflege, als Alibi-Funktion zur
Bemäntelung etwaiger Missstände, um Mitarbeitern das Gefühl zu geben, wenigstens für
eine "gute Sache" unbezahlte Überstunden zu machen etc. Die Glaubwürdigkeit,
die Vertrauenswürdigkeit und damit die Reputation des betreffenden Unternehmens nach
außen, aber auch die motivationsfördernde, weil identitäts- und sinnstiftende Wirkung,
die gerade ein ethisch fundiertes Leitbild intern mit sich bringen kann, werden in diesem
Fall nicht nur eingebüßt, sondern nachhaltig geschädigt.[19]
Damit also der "Schu ss" hin zu einer Stärkung der Corporate
Identity, zu einer guten öffentlichen Reputation und Vertrauenskultur, dem Corporate
Ethics dienen kann, nicht "nach hinten losgeht", darf das in Leitlinien
formulierte "commitment" von diesen Motiven selbst gerade nicht, zumindest nicht
primär und nicht ausschließlich bestimmt sein. Um ethische Selbstverpflichtung, um
"commitment" im eigentlichen Sinn handelt es sich erst dann, wenn dieses 1.
ernst gemeint und aufrichtig ist; 2. von Maßnahmen einer wirksamen und nachhaltigen
Umsetzung begleitet ist, die diese Aufrichtigkeit bestätigen. Erst dann aber wird
Corporate Ethics zur echten Chance der Corporate Identity.
Nur nachhaltig verstandene Unternehmensethik wird zur Chance der CI
Wo man hingegen nicht bereit ist, dem Schritt A. ethisch ausgerichteter
Unternehmensleitlinien die Schritte B., C, und D. folgen zu lassen und die darin genannten
Wertorientierungen durch ihre umfassende Implementierung in allen Managementbereichen zur
Grundlage des Tagesgeschäfts zu machen, sollte man von A. lieber die Finger lassen, will
sagen seine Firmenbroschüre von entsprechenden Äußerungen "clean" halten.
Andernfalls kann - was wir hier fairerweise nicht verschweigen wollten - Corporate Ethics
gerade zur Gefahr für eine glaubwürdige Corporate Identity werden.
3.3 Identität durch ethische Integration
Corporate Ethics
erfordert längerfristiges Denken....
Ob und wie ernst es Unternehmen mit ihrem Bekenntnis zu ethischen
Wertorientierungen tatsächlich ist, zeigt sich in der Regel erst im Konfliktfall: in
unternehmensethischen Dilemma-Situationen. Sie entstehen immer dann, wenn sich ethische
Verpflichtungen mit den Gewinninteressen eines Unternehmens nicht in Einklang bringen
lassen. In den meisten Fällen handelt es sich dabei aber letztlich um eine Abwägung
zwischen einem kurzfristigen Nutzen oder Gewinn und den langfristigen Interessen eines
Unternehmens. Die Vorteile einer Corporate Ethics für ein Unternehmen lassen sich ebenso
schwierig in Zahlen ausdrücken wie die Kosten, die die Vernachlässigung oder die
bewu sste
Missachtung ethischer Prinzipien verursachen können. Beides schlägt meist nur
auf längere und in einer ganzheitlichen Sicht des Unternehmens "zu Buche". Und
auf eben diese Weise - längerfristig und ganzheitlich - lässt sich Corporate Ethics auch
nur adäquat implementieren.
....und umfassende Integration im Unternehmen
Die zweite entscheidende Bedingung für die Entfaltung ihrer positiven
Wirkung für die Corporate Identity eines Unternehmens ist - neben dem besagten
ernsthaften "commitment" dazu - ihre umfassende Integration: in die
Firmenpolitik, in das Unternehmensleitbild, in die Leitlinien, in die Kultur, in den
gelebten Firmenalltag, vor allem aber in die Köpfe und Herzen der Unternehmensmitglieder.
Dann, und nur dann, kann sie auch ihre volle identitätsstiftende Wirkung entfalten.
Aus den US-amerikanischen Erfahrungen lä sst sich u.a. lernen,
dass
zwei Faktoren für eine wirksame Umsetzung von Ethik in der Unternehmenspraxis
entscheidend sind: eine stärkere Professionalisierung und eine zunehmende
Institutionalisierung der unternehmensethischen Bemühungen. In den USA selbst wurde dies
während der letzten Jahre vor allem durch zwei Maßnahmen verwirklicht:
1. durch die Ernennung von sogenannten "Ethics Officers", die
sich 1993 in einem eigenen Berufsverband zusammengeschlossen haben, der "Ethics
Officer Association" (EOA), um die erforderliche Professionalität zu gewährleisten.
Zu den Aufgaben dieser Ethikbeauftragten, die in der Regel innerhalb eines Unternehmens
auf der Ebene eines Vize-Präsidenten angesiedelt sind, gehören neben der Pflege und
Weiterentwicklung von Ethik-Programmen regelmäßige Treffen mit Angestellten,
Geschäftsausschuss und Topmanagement zur Klärung unternehmensethischer Konflikte oder
zur Beratung in moralisch relevanten Fragen.
2. durch die Etablierung von umfassenden Ethik-Programmen. Dazu gehört
an erster Stelle die Aufstellung eines formalen ethischen Kodex (Codes of Conduct, Codes
of Ethics), darüber hinaus aber auch die Überwachung seiner Umsetzung, Einhaltung und
Weiterentwicklung, die Durchführung von internen oder externen Ethik-Trainings, die
Einrichtung einer Ethik-Hotline, etc.[20]
Ethische Integrität entsteht nur dort, wo man es nicht bei einem
dieser Umsetzungsschritte belässt. Es geht gerade nicht darum, sich einen
Ethikbeauftragten "zu halten", den man - wie in obigem Cartoon - immer dann
kommen lässt, wenn man auf ein moralisch relevantes Problem stößt, weil er als einziger
"zwischen gut und böse" unterscheiden kann.
Auch die Aufstellung von Ethik-Leitlinien ist nur ein erster, wenn auch
unverzichtbarer Schritt, der dazu dient, im Innen- wie im Außenverhältnis Stellung zu
beziehen zu den u.U. firmen- oder branchenspezifischen moralischen Fragen oder
potentiellen ethischen Dilemma-Situationen. Gleichzeitig hat ein ethischer Kodex die
Funktion, verbindliche Handlungsorientierungen für den Umgang mit den betreffenden Fragen
zu formulieren und erwartete Verhaltensrichtlinien für Mitarbeiter bzw. Vertragspartner
festzulegen. Für alle denkbaren ethisch relevanten Probleme konkrete Verhaltensregeln zu
entwerfen, ist jedoch weder praktikabel noch effizient, noch stärkt es die angestrebte
Vertrauenskultur.
Herausforderung: Die situationsgerechte Umsetzung ethischer
Leitlinien im Alltag
Die eigentliche Herausforderung für das Management liegt gerade in der
situationsgerechten Umsetzung ethischer Leitlinien im Firmenalltag. Dafür entscheidend
sind die Eigenständigkeit, die kritische Loyalität und das Augenmaß jedes einzelnen
Mitarbeiters im Unternehmen: seine persönliche Integrität und ethische Kompetenz, die
es in geeigneten Fortbildungen wie Sensibilisierungs- oder Dilemma-Trainings zu stärken
gilt.
Dies zeigen auch die Erfahrungen des Jeans-Herstellers Levi Strauss
& Co., der auf dem Weg zu einer ethisch sensiblen Organisation einen entsprechenden
Lernproze ss durchlaufen hat. Levi Strauss ist ein Beispiel für ein transnational tätiges
Unternehmen, das sich der globalen Herausforderung auch in explizit ethischer Hinsicht
gestellt und diese Wertorientierung konzernweit zur Grundlage seiner Corporate Identity
gemacht hat.
Der Lernprozeß bei Levi Strauss & Co.
1991 verabschiedete das Unternehmen Einkaufsrichtlinien für die
Auftragsvergabe an Zuliefererbetriebe in Entwicklungsländern. In vorbildlicher Weise
werden dabei auch die potentiellen unternehmensethischen Entscheidungs-Dilemmata im Falle
eines Konflikts zwischen Gewinnprinzip und ethischer Orientierung antizipiert und ein
entsprechendes ethisches "commitment" abgegeben. So lehnt Levi Strauss darin
u.a. die Beschäftigung von Kindern ab, fordert Mindeststandards bezüglich Umweltschutz,
Arbeitszeit, Lohn und Arbeitsbedingungen sowie die Einhaltung von Gesetzen. Darüber
hinaus soll die politische Situation im jeweiligen Land geprüft und im Falle von
Verletzungen der Menschenrechte, Gefahren für die Beschäftigten oder sozialen Unruhen
die Geschäftsverbindung sofort abgebrochen werden.
In ein ethisches Dilemma geriet das Unternehmen trotzdem, als es an die
Umsetzung seiner Richtlinien in Bezug auf Kinderarbeit ging. Bei der Überprüfung seiner
Zulieferer wurden drei Fälle von Kinderarbeit entdeckt. Hätte man die betroffenen Firmen
dazu gebracht, die Minderjährigen zu entlassen, wäre für ihre Familien das oftmals
einzige Einkommen entfallen. Einen adäquaten Ausweg aus dem Dilemma fand Levi Strauss
letztlich auf der Basis seines - parallel dazu entwickelten - ethischen Wertekanons
(Ehrlichkeit, Einhalten von Versprechen, Fairness, Respekt vor anderen, Mitgefühl,
Integrität) und der ethischen Kompetenz seiner Entscheidungsträger: Die Kinder gehen bis
zur Erreichung des gesetzlichen Mindestalters zur Schule, erhalten aber von der
Zuliefererfirma weiterhin ihren Lohn, von Levi Strauss Bücher und Schulgeld und werden
später wieder im Betrieb beschäftigt.[21]
Um eine unternehmensethisch vorbildliche Lösung handelt es sich hier
deshalb, weil Levi Strauss damit sowohl seiner ethischen Selbstverpflichtung nachkommt als
auch seine ökonomische Integrität wahrt: es behält seine Zulieferer und schützt sein
Image, was im Falle eines Markenartikelherstellers unmittelbar gewinnrelevant ist.
Der Schlüssel: firmenweit geteilte Wertorientierungen
Den eigentlichen Schlüssel zur moralisch integeren Firma sieht der
Vorstandsvorsitzende von Levi Strauss & Co., Robert D. Haas, vor diesem Hintergrund in
firmenweit geteilten Wertorientierungen und in den davon bestimmten Einstellungen der
Belegschaft.[22] Anstatt eines
Regelkatalogs, der sich in der Anwendung als unflexibel erweist, gilt es zunächst, zu
einer gemeinsamen Wertebasis zu finden, an die das Handeln aller Unternehmensmitglieder in
allen Situationen und in allen Bereichen rückgebunden ist.
Ein geeigneter Weg dazu ist die Entwicklung eines ethisch fundierten
Unternehmensleitbilds, das in einem firmenweiten Dialogproze ss gemeinsam erarbeitet wird.
Ein Leitbildprozess dieser Art kann dabei zugleich als Medium fungieren, um die implizit
vorhandenen persönlichen oder firmenspezifischen Werthaltungen und normativen
Orientierungen bewusst zu machen, die von der herrschenden Unternehmenskultur
transportiert werden, im Sinne des oben erwähnten Beitrags zur Identitätsfindung. Um
sich auf eine gemeinsame ethische Position zu verständigen, gilt es darüber hinaus -
z.B. auf der Basis ethischer Fallstudienarbeit - die unter Umständen divergierenden
moralischen Einstellungen und Überzeugungen der Mitarbeiter zu identifizieren.[23]
Das ethisch fundierte Leitbild als Kompa ss
Das erarbeitete Leitbild, das ethische Werte und Prinzipien der oben
dargestellten Art umfa sst, hat die Rolle einer Art Kompass oder Leitstern: Indem alle
kurz- und mittelfristigen Ziele des Unternehmens danach ausgerichtet werden, sind sie
einerseits ethisch orientiert, andererseits zugleich integriert. Darüber zu reflektieren,
wie sich menschliches Handeln mit einer übergeordneten Leitidee in Übereinstimmung
bringen lässt, machte für die antike Philosophie Ethik aus. Als solche kommt ihr von
jeher eine wesentlich integrative Funktion zu: Mit diesem - wie auch immer bestimmten -
übergeordneten Maßstab gibt sie die Grundlage vor, auf der alle handlungs- und
entscheidungsrelevanten Aspekte, Argumente und Bewertungskriterien selbst noch einmal zum
Gegenstand einer Beurteilung werden. Ethik integriert somit die Vielfalt der Perspektiven
und möglichen Handlungsorientierungen.
Die integrative Grundlage
Das Unternehmensleitbild hat analog dazu für ein Unternehmen eben
diesen Charakter einer übergeordneten Orientierung, an die sowohl die Ergebnisse der
Unternehmensaktivitäten insgesamt als auch die einzelnen Teilschritte und -ziele noch
einmal rückgebunden werden. Das bedeutet, da ss die darin formulierte ethische Ausrichtung
und Selbstverpflichtung nicht als eine eigene Dimension neben der betriebswirtschaftlichen
oder technischen steht, sondern die einheitliche integrative Grundlage bildet, auf der
sich das unternehmerische Handeln insgesamt zu vollziehen hat. Diese übergeordnete
ethische Leitidee gilt es dann einerseits in Leitlinien und Verhaltensrichtlinien zu
stärker handlungsbezogenen ethischen Prinzipien zu konkretisieren, andererseits als
Grundlage von Handlungsempfehlungen für alle managementrelevanten Bereiche des
Unternehmens geltend zu machen.
Kontrollinstanzen der Umsetzung der ethischen Selbstverpflichtung
In einem dritten Schritt sollten Kontrollinstanzen im Hinblick auf die
Umsetzung der ethischen Selbstverpflichtung etabliert und institutionalisiert werden, d.h.
Soll-Ist-Vergleiche zwischen Leitbild und gelebter Wirklichkeit, intern z.B. durch
Mitarbeiter-Feedback-Programme, extern in Form von Ethik-Audits durch unabhängige
Instanzen oder durch die Pflege eines offenen Dialogs mit der kritischen Öffentlichkeit.
Sofern Leitbild und Leitlinien ethische Wertorientierungen bzw. die Selbstverpflichtung
dazu festhalten, sind sie eine Art sekundäres "Gewissen" des Unternehmens.
Leben und Handeln in Übereinstimmung damit machen somit nicht nur seine Identität,
sondern zugleich seine "Moralität" und Integrität aus, die wiederum ersterer
eine besondere Qualität verleihen.
Unternehmensethik als identitätsstiftender Faktor
Zum identitätsstiftenden Faktor im Sinne einer Abhebung und
Unterscheidung von anderen wird Corporate Ethics nicht durch das Was des Inhalts - etwa
nach dem Motto: "Welche Werte nehmen wir denn im kommenden Geschäftsjahr? Welche
hatte denn die Konkurrenz dieses Jahr?" - sondern zum einen durch das
Da ss der
ethischen Selbstverpflichtung als solcher, zum anderen durch das Wie ihrer
Operationalisierung und Integration in die firmenspezifische Ausrichtung, durch die Art
und Weise ihrer Umsetzung ins Tagesgeschäft, in die Strategiebildung, in
Herstellungsverfahren und Produkte.
Ein Beispiel für ein deutsches Unternehmen, dem es gelungen ist,
ethisches "commitment" zum integrativen Bestandteil seiner Corporate Identity
und damit zu seinem besonderen Markenzeichen werden zu lassen, ist der
Büromöbelhersteller Wilkhahn in Bad Münder, der erst vor kurzem wieder einen
Umweltpreis gewonnen hat. Seine 3-säulige Firmenphilosophie - "Wahrhaftigkeit im
Design, Fairness im Miteinander, Schutz und Schonung unserer natürlichen
Lebensräume" - erweist sich für das Unternehmen deshalb als nachhaltiger interner
wie externer Erfolgsfaktor, weil sie von der tatsächlichen Praxis und der gelebten
Unternehmenskultur in allen Bereichen widergespiegelt wird - bis in die Architektur der
Fabrikhallen hinein.
Wo ethische Prinzipien und Werte in dieser Form in die allgemeine
Firmenphilosophie und -kultur integriert sind - und erst dann handelt es sich um Corporate
Ethics im eigentlichen Sinn - wird ein Unternehmen zugleich zum "Sinnsystem",
das seinen Mitgliedern auch unter schwierigen Bedingungen, in Zeiten des Strukturwandels
und in multinationalen Kontexten, die erforderliche Orientierung und
Identifikationsmöglichkeit bietet. Denn Sinn kann der Mensch nur dort erleben, wo er sich
nach dem ausrichten darf, was seinem eigentlichen Wesen, was seiner Würde als Person
entspricht: an geistigen und ethischen Werten. Nur Werte dieser Kategorie stiften darüber
hinaus im Sinne Schelers Gemeinschaft und Zusammenhalt, Solidarität und Loyalität.
[1] Vgl. dazu hier: Kap. 2 (insb. 2.3 / 2.4). Zur Verweisstelle
[2] Vgl. dazu ausführlicher: A. Kleinfeld: Persona
Oeconomica. Personalität als Ansatz der Unternehmensethik, Heidelberg (Physica) 1998, S.
155 - 163. Zur Verweisstelle
[3] Vgl. dazu N. Hartmann: Ethik, 2.Aufl. 1935, S.
206. Zur Verweisstelle
[4] Vgl. dazu M. Scheler: Der Formalismus in der
Ethik und die Materiale Wertethik. Neuer Versuch der Grundlegung eines ethischen
Personalismus, Ges. Werke, Bd. 2, Bern, München (Francke) 6. Aufl. 1980, S. 540ff. Zur Verweisstelle
[5] Vgl. dazu I. Kant: Grundlegung zur Metaphysik der
Sitten, Ges. Schriften, Bd. 4, (AA), Berlin (Reimer) 1911, S. 434. Zur Verweisstelle
[6] Vgl. dazu M. Scheler, ebda., S. 542. Zur Verweisstelle
[7] Vgl. dazu N. Hartmann, a.a.O., S. 205f.; vgl.
auch M. Scheler, a.a.O., S. 385f. Zur Verweisstelle
[8] Vgl. dazu A. Kleinfeld: Persona Oeconomica,
a.a.O., S. 117 - 152. Zur Verweisstelle
[9] Vgl. K. M. Leisinger: Unternehmensethik. Globale
Verantwortung und modernes Management, München (Beck) 1997, S. 182. Zur Verweisstelle
[10] Dabei wird versucht, Märkte zu identifizieren,
in denen alle Wettbewerber bekannt sind (z.B. Gesundheitssektor, Bauprojekte) und zusammen
mit allen Anbietern und Nachfragern einen Antibestechungspakt zu organisieren. Auf diesem
Wege können alle Beteiligten gleichzeitig von der korrupten Praxis Abstand nehmen, ohne
Gefahr zu laufen, übervorteilt zu werden. Vgl. dazu Transparency International (Hrsg.):
Building a Global Coalition Against Corruption. Transparency International Report 1995,
Berlin, März 1995. Zur Verweisstelle
[11] Vgl. dazu I. Kant: Grundlegung zur Metaphysik
der Sitten, a.a.O., S. 429. Zur Verweisstelle
[12] Vgl. dazu z.B. L. Nefiodow: Der sechste
Kondratieff. Wege zur Produktivität und Vollbeschäftigung im Zeitalter der Information,
St. Augustin (Rhein-Sieg) 1996, S. 123 - 142. Zur
Verweisstelle
[13] Vgl. dazu "Ethik-Management-System für
die Bauwirtschaft in Deutschland. Eine Initiative der Bayerischen Bauwirtschaft",
hrsg. v. Ethikmanagement der Bauwirtschaft e.V., Oberanger 32, 80331 München. Zur Verweisstelle
[14] Vgl. dazu C. Steinherr, H. Steinmann, T.
Olbrich: "Die U.S.-Sentencing Commission Guidelines. Eine Dokumentation".
Diskussionsbeitrag Nr. 90, Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und
Unternehmensführung der Universität Erlangen-Nürnberg, 1997. Zur Verweisstelle
[15] Rechtsakt des Rates vom 19. Juni 1997 über die
Ausarbeitung des 2. Protokolls zum Übereinkommen über den Schutz der finanziellen
Interessen der Europäischen Gemeinschaften, Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften
vom 19.7.97, Nr. C 221/11-16. Zur Verweisstelle
[16] Auf die wachsende Bedeutung, die gerade dem
"ethischen Ansehen" eines Unternehmens als kommerziell nützlichem
Konkurrenzvorteil heute zukommt, weist auch Leisinger hin. Vgl. dazu: K. M. Leisinger:
Unternehmensethik, a.a.O., S. 183ff. Zur Verweisstelle
[17] Vgl. dazu Aristoteles: Die Nikomachische Ethik,
1096 b32 - 1099 a16, 1101 b27, 1105 a26, 1116 b30, hrsg. u. übersetzt v. Olof Gigon,
München (dtv) 6. Aufl. 1986. Zur Verweisstelle
[18] Vgl. dazu R. Spaemann: Personen. Versuche über
den Unterschied zwischen "etwas" und "jemand", Stuttgart (Klett-Cotta)
1996. Zur Verweisstelle
[19] Vgl. zu den nachhaltigen Folgen der
"Ethik-Lüge" auch J. Staute: Das Ende der Unternehmenskultur. Firmenalltag im
Turbokapitalismus, Frankfurt/M. (Campus) 1997, S. 192 - 197. Zur Verweisstelle
[20] Vgl. dazu J. Wieland: Formen der
Institutionalisierung von Moral in amerikanischen Unternehmen. Die amerikanische
Business-Ethics-Bewegung: Why and how they do it, Bern, Stuttgart, Wien (Haupt) 1993, bes.
S. 28 - 37. (St. Galler Beiträge zur Wirtschaftsethik; Bd. 9) Zur Verweisstelle
[21] Vgl. dazu "Unternehmensethik als globale
Herausforderung. Zur Umsetzung ethischer Werte bei Levi Strauss & Co.", Auszüge
aus einer Rede von Robert D. Haas, übersetzt und bearbeitet v. B. Mühlfriedel u. T.
Olbrich, in: Forum Wirtschaftsethik 3/94, S. 1 - 3. Zur
Verweisstelle
[22] Vgl. dazu ebda., S. 2. Zur Verweisstelle
[23] Vgl. dazu hier: Kap. 4.2 Zur Verweisstelle
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