Integratives Management: EinleitungTausendmal erlebt... Fehler wider die Menschen im Unternehmen und die Folgen für Motivation und innere Einstellung zum Unternehmen finden nicht plakativ und für jedermann sichtbar statt. Trotzdem entfalten sie ihre Wirkung über die informellen Wege im Unternehmen oder verhindern die "Akklimatisation" an das Unternehmen vor allem bei neuen Mitarbeitern. Nachfolgend wollen wir viele kleine Begebenheiten vorstellen: Jede für sich nicht weiter auffallend, aber mit destruktiver Wirkung. So wie ein Bild mehr als 1000 Worte sagt, so ist Verhalten aufschlußreicher als Worte. Die lange Liste der nachfolgenden negativen Verhaltens-Beispiele (und sie ist aufgrund unserer praktischen Erfahrungen leider noch seitenweise zu verlängern) soll deren Spannbreite aufzeigen. Wir wollen Sie nicht langweilen, aber seien Sie ehrlich, lieber Leser, und überprüfen Sie, ob Ihnen nicht auch die eine oder andere Begebenheit bekannt vorkommt, vielleicht aus eigener Erfahrung oder aus Erzählungen Dritter.
Das Thomas-Prinzip Tausendmal erlebt und leider immer noch aktuell: Wir stellten uns die Frage nach den Ursachen dieser Situationen und analysierten das Verhalten der Führungsverantwortlichen. Die genannten Beispiele haben eines gemeinsam: Immer geht es um das informelle, das sogenannte weiche Unternehmen. Warum gerade hier solche Probleme auftreten, liegt auf der Hand: Trotz einer nicht enden wollenden Diskussion um die soziale Kompetenz des Managements, ist es heute immer noch nicht qualifiziert, um die genannten Phänomene zu verhindern. Die Forderung nach sozialer Kompetenz scheint weiter ein Wunschbild zu bleiben. Wen wundert es, wenn auch diejenigen, die die sozial Kompetenten auswählen, wohl selbst nicht nach diesem Kriterium ausgewählt worden sind. Soziale Kompetenz als Glücksfall des Managerprofils? Der Mangel an sozialer Kompetenz führt auch dazu, daß sich viele Unternehmen gegenüber Außenwelt und Mitarbeitern auf eine sehr formelle Weise präsentieren und auch entsprechend geführt werden. Aus einer Vielzahl von Gesprächen mit Klienten ergab sich nun immer wieder die Erkenntnis, daß ein wesentlicher Grund des Übels in der Zahlengläubigkeit liegt. Die Führungsebene orientiert sich bei der Entscheidungsfindung fast nur an Zahlen. Ob Bilanz, Umsatz oder Deckungsbeitrag: Zahlen sind DIE allgemeingültige Orientierungsgrundlage für die Unternehmensführung, für jeden Entscheidungsinhalt, Zahlen bilden das Credo schlechthin. Nicht anders verhält es sich bei der Beurteilung von Mitarbeitern. Ein gutes Zahlenergebnis bedeutet einen guten Mitarbeiter. "Bringt er die Zahlen", dann sitzt er auf einem sicheren Stuhl. Er hat sich legitimiert, und das unabhängig von seinen Verhaltensweisen. Es ist egal, ob er Sekretärinnen belästigt oder als Großmaul verschrien ist. Kurzum, der Zahlenstatus gibt diesem Mitarbeiter Sicherheit, auch wenn er das Betriebsklima empfindlich stört. Diese Situation stellt ein Konfliktpotential für das ganze Unternehmen dar. Häufig ist das Verhältnis zwischen Vertrieb und Innendienst davon geprägt. Der Vertrieb ist in seinem Erfolg transparent und meint daher, sich benehmen zu können, wie er will. Der Erfolg des Innendienstes ist mit diesem Zahlenmaß nicht zu messen. Ebenso niedrig ist die Akzeptanz von Mitarbeitern, deren Abteilung gerade im Umbruch bzw. im Aufbau ist. Sie werden eher argwöhnisch beobachtet. Wir bezeichnen dieses zahlenorientierte Führungsverhalten einfach und prägnant als Führung nach dem "Thomas-Prinzip". URL dieser Seite: © 1995 C.H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung, München |
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