Lernen als Teil der LebensqualitätInhalt:
Der soeben beschriebene Umbruch ganzer Branchen und Berufssparten wird sich nicht ohne Reibungen vollziehen. Wir kennen harte Schnitte durch unvorbereitete Veränderungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen aus der Stahl- und Montanindustrie. Nötig sind Weitsicht und eine frühe Einstellung auf die neuen Herausforderungen. Nicht automatisch müssen grundsätzliche Veränderungen der Volkswirtschaft mit Entlassungen und den entsprechenden Folgen für das soziale Leben einhergehen. Schon heute findet diese Umorganisation in bestimmten Bereichen statt. So hat z. B. die Einführung des Telefax-Geräts elementare Folgen für die Deutsche Bundespost, weil weniger verschickt und dafür mehr gefaxt wird. Deshalb ist es nicht von der Hand zu weisen, daß in bestimmten Bereichen Arbeitsplätze, so wie sie sich heute darstellen, in Gefahr sind. Auf der anderen Seite werden aber Arbeitsplätze geschaffen, die den neuen Anforderungen entsprechen. Insgesamt wird die genannte Entwicklung vor allem »intelligente« Dienstleistungskapazitäten schaffen und im Bereich der einfacheren Arbeiten für einen Beschäftigungsabbau sorgen. Dies ist jedoch keine neue Entwicklung. Wie dramatisch und radikal sie vonstatten geht, können wir letztendlich selbst bestimmen. Wir wissen, in welchen Bereichen Veränderungen auftreten können, also ist es auch möglich, die Gesellschaft darauf vorzubereiten und entsprechende Übergangsregelungen vorzusehen. Das heißt, daß für neue Berufsfelder Vorbereitungen getroffen werden müssen. Der Trend in der Wirtschaft wird sich weiter in den tertiären Bereich verschieben. Der Servicetechniker, der Systemanalytiker, aber auch der Bote, der »personal coach«, der (neue) Technologieberater und der Lehrer werden als Berufe an Bedeutung gewinnen. An ihre Ausbildung wird und muß man neue Anforderungen stellen, und gerade dem wird Bildung durch, über und mit sogenannten »multimedialen« Konzepten gerecht. Außerdem wird die Bildung in der Gesellschaft eine andere Akzeptanz erfahren. Sie kommt nicht mehr trocken und im Gewand des »Zwangs« daher, sondern macht vielmehr Spaß und erlaubt unter optimaler Ausnutzung der menschlichen Lernfähigkeiten neue Lernangebote. Das große Angebot an informierenden Sendungen und Interaktiv-Programmen wird möglicherweise sogar eine Lust am Lernen auslösen. Der Mensch wird nicht mehr eine (1) Lern-, eine (2) Ausbildungs-, (3) Arbeits- und (4) Rentenphase unterscheiden müssen, in denen er gebildet, ausgebildet und fortgebildet wird. Die Phasen 1 und 2 werden ihn am Anfang voll beanspruchen, ihn aber hiernach nicht mehr loslassen, aufgrund der vielen Möglichkeiten und nicht enden wollenden Interessengebiete. Auf diese Herausforderung bereiten wir uns gesellschaftlich bereits vor. In der Studie des EMNID-Instituts »Zukunftserwartungen und Zukunftsverhalten 1992« wird nach Vorgabe einiger Themen die Frage gestellt: »Welche dieser Themen halten Sie in der Zukunft für sehr wichtig?« Auf Platz eins der Antworten steht die »Berufsausbildung«. Dieser Wert spiegelt sicher auch die Einstellung wider, daß gut ausgebildete Menschen weniger schnell arbeitslos werden. Ebenso aufschlußreich für die multimediale Gesellschaft sind die Antworten auf die Frage: »Welchen Idealen und Ideologien werden sich die Menschen bis zum Ende dieses Jahrtausends stärker zuwenden?« Hier stand »persönliche Freiheit« an erster Stelle. Ein weiterer positiver Aspekt: Spitzenkönner werden nicht mehr durch den Zufall oder sozialisationsabhängig »entdeckt«. Die neuen Möglichkeiten der Ausbildung werden im Idealfall zu Hause jeden Wiß- und Lembegierigen erreichen. Test- und Kommunikationsprogramme werden ihn oder sie weiter fördern. Die Forderung für die Berufswelt der Zukunft lautet: breite Qualifikation. Wie das mit den kombinierten Technologien funktionieren kann und inwieweit sich dadurch der Stellenwert von »Bildung« oder der Stellenwert von »Wissen« ändert, das soll der folgende Abschnitt zeigen. Lernen ohne Bindung an Raum und Zeit Lernen bedeutet heute im Normalfall: Der Schüler geht an einen Ort, dort ist ein Lehrer, der vermittelt Informationen, man kann nachfragen und vertieft zu Hause auf dieser Basis das Wissen. Zwar gibt es bereits Fernkurse, wie das Telekolleg im Rundfunk und das Fernstudium in Hagen, diese Art des Fernlernens erfordert aber viel Kraft, weil jeder Einzelne allein vor sich hin arbeitet und nie direkt nachfragen kann. Die kombinierten Technologien sind dagegen in der Lage, diese Schwachpunkte auszumerzen und »fernlernen« zu optimieren. Ein Beispiel: Es ist Montag morgen 10 Uhr. Maria S. sitzt an ihrem Terminal in der Zweigstelle ihrer Firma. Sie nimmt alle 14 Tage am obligatorischen Lernprogramm für Außendienstmitarbeiter teil. Heute steht das neue Verkaufskonzept auf dem Programm. Maria S. ist in Koblenz, ihr »Lehrer« in der Zentrale in Stuttgart. Er erklärt den 100 Außendienstmitarbeitern, die über ganz Deutschland verteilt sind, die neuen Produktstrategien. Sie denkt nach: Seit sie mit der Heimmedienstation ausgerüstet ist, geht die Kommunikation mit dem Unternehmen sehr viel schneller. Früher zwei Meetings im Jahr, heute jeden Montag ganz frische Informationen. Man traf sich in Stuttgart und wurde in Kompaktseminaren mit neuen Informationen und Instruktionen überschüttet. Heute wird ihr vieles durch die regelmäßige Konfrontation mit den Marketingthemen viel klarer. Es bereitet ihr keine Probleme mehr, die neuen Strategien umzusetzen, da eine eindeutige Strukturierung zugrunde liegt, deren Baukästen Montag für Montag aktualisiert werden. Früher war es immer sehr stressig, erinnert sich Maria. Am Tag im Seminar die vielen Informationen, die sie gar nicht richtig aufnehmen konnte, und abends im Hotel, wo sie sich auch nicht richtig entspannen konnte. Und immer die Sorge, ob zu Hause auch alles seinen gewohnten Gang läuft - es mußte auch immer eine Betreuung für den Kleinen organisiert werden. Insbesondere, wenn Erich, ihr Mann, gerade auf Geschäftsreise war. Und eigentlich war die Information doch gar nicht immer aktuell. Die Treffen waren in diesem Rahmen schon sehr teuer -- Reisekosten, Hotelkosten und die Miete für die Tagungsräume -, regelmäßige Meetings wären nicht zu finanzieren gewesen. So aber dauerte es immer sehr lange, bis neue Strategien flächendeckend eingesetzt werden konnten. Auf aktuelle Probleme und plötzlich auftretende neue Anforderungen konnte immer nur sehr schwerfällig reagiert werden. Heute können die Informationen blitzschnell verbreitet werden. Maria hat immer das Gefühl, auf dem laufenden zu sein: Der Informationsfluß von der Führungsebene zur Basis und umgekehrt funktioniert reibungslos. Nur trifft Maria jetzt nicht mehr ihre Kollegin aus Kiel auf den Seminaren. Das bedauert sie. Doch mittlerweile besuchen sich beide privat und sind über die Medienstation sowieso ständig und wesentlich intensiver als früher in Kontakt. Maria lehnt sich zurück und beobachtet aufmerksam den Bildschirm. Der Lehrer, Martin J., präsentiert gerade die neu entwickelte Zehn-Punkte-Strategie. Er kann jederzeit von den einzelnen Teilnehmern gestoppt werden, diese können eine pro Person limitierte Anzahl von Fragen stellen. Manchmal werden regelrechte »Fragerunden« initiiert, und jeder erfährt von den Problemen des anderen. Gelernt wird zu jeder Zeit, an jedem Ort, in beliebiger Teilnehmerzahl und vor allem regelmäßig. Gelernt wird nicht mehr dort, wo sich der Lehrer befindet, gelernt wird am Standort des Terminals. Dabei wird nicht unidirektional verfahren - der Lehrer gibt Informationen weiter, und der Lernende nimmt sie auf - , eine wechselseitige Information ist von vornherein fester Bestandteil. Das muß nicht zeitgleich geschehen, kann es aber. Wenn Maria am nächsten Montag keine Zeit hat, an der Weiterbildung teilzunehmen, dann setzt sie sich später an die Medienstation und erledigt ihr Pensum. Der Unterricht wird aufgezeichnet, sie versäumt also nichts. Zwar kann sie in diesem Fall nicht direkt in das Unterrichtsgeschehen eingreifen, aber sie kann ihre Fragen und Probleme später direkt an den Lehrer in dessen Videobox senden. Auf den Schüler kann also wesentlich individueller eingegangen, Fragen können spontaner und detaillierter gestellt und beantwortet werden. Außerdem ist der Unterricht deutlich spannender geworden. Das finden zumindest Maria und ihre beiden Kollegen. Alle drei glauben, wesentlich aufmerksamer zuzuhören als früher. Durch die ständig mögliche Einblendung von Case Stories, Videoclips und unterschiedliche Musik haben sie gar nicht mehr das Gefühl, »pauken« zu müssen. Maria hat auch ihren Lieblingslehrer. Der zieht den Unterricht nämlich auf wie einen Krimi ... »Lernen« wird in Knaurs Wörterbuch neutral als »sich etwas mit dem Verstand ... aneignen« beschrieben. Georg Christoph Lichtenberg hat zusätzlich die Zeitkomponente berücksichtigt und beschrieben das Lernen folgendermaßen: »was ich unter dem Lernen verstehe, ist Fortrücken der Grenzen unserer wissenschaftlichen oder sonst nützlichen Erkenntnis; Verbesserung eines Irrtums, in dem wir uns lange befunden haben; Gewißheit in manchen Dingen, worüber wir lange ungewiß waren; deutliche Begriffe von dem, was uns undeutlich war, Erkenntnis von Wahrheiten, die sich sehr weit erstrecken usw. Was dieses Bestreben nützlich macht, ist, daß man die Sache nicht flüchtig vor dem Lichtausblasen abtun kann, sondern daß die Beschäftigungen des ganzen Tages dahin abzwecken müssen« (Nationale Forschungs- und Gedenkstätten der Klassischen Deutschen Literatur in Weimar <Hg.>: Lichtenbergs Werke in einem Band, Berlin u. Weimar 1982, S.197). Man kann diese »Sache« also nicht »flüchtig« vor dem Schlafengehen machen, sie braucht Zeit. Wie effektiv diese Zeit genutzt werden kann, hängt nicht zuletzt davon ab, welche Methoden der Wissensvermittlung verwendet werden. Früher wurde Wissen ausschließlich durch Sprechen und Lesen vermittelt, heute rücken völlig andere Möglichkeiten, Wissen weiterzugeben, in den Mittelpunkt: Aufnehmen von Informationen durch Erleben in Form von »Super Learning«, Verarbeitung der Information mittels Erfahrung. Lernen wird menschengerechter, interaktiv, dialogorientiert sein. Durch dieses Mehr an Interaktivität und Visionalität, durch diese »AllSense-Methode« wird es im Bildungsbereich zu mehr Effektivität und Professionalität kommen. Ein denkbares Beispiel ist Geographieunterricht in der Schule. Thema der Stunde ist Rom als Touristenziel, Rom und seine Infrastruktur. Konnten die Schüler bis dato Informationen über die Stadt im Schulbuch lesen, sahen sie Fotos oder auch Karten, so werden sie zukünftig in Rom spazierengehen können - virtuell. Den Trevi-Brunnen sieht man dann nicht mehr auf einem Bild, man »läuft« um ihn herum. Ein Schüler möchte wissen, wann er erbaut wurde, von wem und was er für eine Geschichte hat. Kein Problem für die Medienstation. In einem Lexikon sind alle Informationen gespeichert und können per Tastendruck oder auch per mündlichem Befehl abgerufen werden. Der Schüler erlebt Rom, als sei er dort, und erfährt dadurch sehr schnell sehr viel. Mittels Medienstation wird der Geographieunterricht zum ständigen Exkurs. Die Schüler selbst bestimmen zusammen mit ihrem Lehrer, wo sie in die Tiefe gehen möchten, und können ihre Interessen sofort in die virtuelle Realität umsetzen. Zweites Beispiel: Bis heute ist es nur möglich, am Unterricht einer ausländischen Schule oder an den Vorlesungen einer Universität in einem fremden Land teilzunehmen, wenn man wirklich dort anwesend ist. Im Zeitalter der umfassenden Technisierung bieten sich allerdings ganz neue Möglichkeiten. Ein Student möchte Neil Postman in New York hören, an einem seiner Seminare teilnehmen? Nichts leichter als das. Eine einfache Anfrage am Bildschirm, und schon kann er via Medienstation am Unterricht partizipieren. Die Folge ist ein erweiterter Horizont - viel mehr Auswahlmöglichkeiten bieten sich. Gewisse Bildungsrahmen bleiben zwar erhalten, die Vielfalt der Inhalte wird sich aber erhöhen. Heute deckt die Schule im Regelfall nur ganz bestimmte Begabungsschemata ab. Mit Hilfe der neuen Technik hat der Lehrer die Chance, wesentlich individueller auf Begabungen einzugehen und diese zu fördern. Die so freigelegten Bildungsmöglichkeiten können ein breiteres Wissen vermitteln und gleichzeitig Rücksicht auf spezielle Interessengebiete nehmen. Die Intensivierung des Dialogs fördert nicht nur vorhandene Begabungen, sie ermöglicht auch das Auffinden neuer, bislang verborgener Talente. Information kann insgesamt individueller aufgenommen, vermittelt und aus einem größeren Spektrum ausgewählt werden. Drittes Beispiel: Brachte die permanente Reisetätigkeit des Diplomaten Hubert A. für seine beiden Töchter ständige Schulwechsel und diverse Privatlehrer mit sich, so gehört dies zukünftig der Vergangenheit an. Seit einem Jahr lebt die Familie A. jetzt in Tansania, doch noch immer können die beiden Mädchen am Unterricht ihrer Schule in München teilnehmen - via Medienstation, versteht sich. Im nächsten Jahr, wenn Familie A. wieder nach München zurückkehrt, wird die ältere der beiden Töchter dort ihr Abitur machen. Etwaige Anschlußprobleme treten nicht auf. Die Chancen der modernen Kommunikationstechnik haben somit eine ganz praktische Dimension: Schüler können sich von überall her - also z. B. auch aus dem Krankenbett heraus - in den Schulunterricht einloggen und aktiv daran teilnehmen. Für viele ist dies heute noch unvorstellbar, für viele morgen aber eine Chance, im Klassenverband integriert zu bleiben. Lehrer? Visualisierer, Moderator, Konzeptioner! Das Lehrerbild der Zukunft stellt sich uns im Unterschied zu heute stark verändert dar. Der Lehrer von morgen wird sowohl im Bereich der Schule und Universität als auch im Bereich des Handwerks erweiterten Ansprüchen gerecht werden müssen. Durch neue Lernformen, größere Vielfalt der Lerninhalte und aufgrund steigender Nachfrage öffnen sich für Lehrer »neue Märkte«, und zwar insofern, als Lernen nicht mehr auf den Lebensabschnitt Ausbildung/Studium begrenzt bleibt, sondern lebensbegleitend sein wird. Neben fachlichem und pädagogischem Wissen werden auch technische Fingerfertigkeit und Phantasie gefragt sein. Die Pädagogik als »Lehrmethode« wird erweitert: Neben das Was und Wann wird das Wie als neue Herausforderung treten. Der Lehrer selbst wird einer in ihrer Dimension völlig neuartigen Informationsflut ausgesetzt sein. Er wird sich mehr denn je selbst fortbilden müssen -~ die Omnipräsenz und ständige Aktualisierung der Information zwingen ihn dazu. Und er wird mehr sein als ein Lehrer im heutigen Sinne. Er wird Visualisierer, Moderator oder einfach Konzeptioner sein müssen. Die Methoden des heutigen Lernens und Lehrens sind in ihrer Grundstruktur stark veraltet. Durch die neue Technik, durch Schnelligkeit und Effizienz entwickelt sich jetzt die Möglichkeit, eine »echte« Volksbildung merklich zu steigern. Bereits heute boomen Fernlehrgänge, gleichermaßen steigt die Nachfrage nach Erwachsenenbildung. Diesem Boom wird künftig durch neue technische Möglichkeiten Rechnung getragen. Lernziel, Lernen und Lehren beeinflussen sich gegenseitig. War es früher wichtig, Geschichtsdaten zu lernen und auswendig zu wissen, so nennt die Medienstation uns künftig jedes gewünschte Datum in Sekundenschnelle. Reines Faktenwissen kann also nicht mehr Lernziel sein. Wichtig wird in naher Zukunft das Wissen: Wo finde ich was, und das möglichst schnell. Der Grad der Perfektion des jeweiligen Informationsmanagements ist das Prüfungskriterium, d.h. im Mittelpunkt steht die Fähigkeit, zu selektieren und zu bewerten. Lerninhalte können künftig nicht mehr nur durch das Curriculum vorgeschrieben werden. Eine zusätzliche Komponente wird den Lehrplan beeinflussen: die Nachfrage. Die Kriterien, nach denen gelehrt und gelernt wurde, bestimmten bislang das Bildungsangebot. Nur das tatsächliche Lernangebot konnte gelernt werden - mehr nicht, oder wenn, dann nur mit erheblichem Aufwand. Heutige Lehrpläne für die Schulen basieren auf Beschlüssen der jeweiligen Kultusminister. Um einen staatlich anerkannten Abschluß zu erreichen, ist immer noch das Abitur oder die Realschulprüfung vor dem Hintergrund dieser festgelegten Kriterien notwendig. Dem Lehrangebot sind also feste Grenzen gesetzt. Zusätzliche Arbeitsgemeinschaften können zwar jederzeit gegründet werden, sie sind aber völlig freiwillig, eine zusätzliche Aufgabe und kein Teil der Prüfung. Themen werden an Wichtigkeit verlieren, da ihre Auswahl nach dem »Lustprinzip« geschieht, und Methoden in den Mittelpunkt rücken. Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage wird sich zugunsten einer Dominanz der Nachfrage ändern. Das Angebot wiederum wird thematisch von den Interessen des Einzelnen abhängen. Dies wird eine veränderte Qualität der Qualifikation mit sich bringen. Staatliche Zeugnisse wie das Abitur oder ein Diplom werden ihre Unantastbarkeit verlieren. Spezielle Tests werden an ihre Stelle treten. Sie werden abfragen, ob der entsprechende Bewerber die Befähigung für eine ganz spezifische Aufgabe hat. Ähnliches findet in der Wirtschaft mittels Trainee-Programmen und Assessment Center bereits statt. Daß diese psychologischen Tests und ihre Rahmenbedingungen ebenfalls hinterfragt werden müssen, steht auf einem anderen Blatt. Die »Allgemeinbildung« als hehres Ziel des Gemeinwesens wird dadurch nach Ansicht der Autoren nicht berührt. Sie muß sich aber sicher neue Wege suchen, um den Adressaten zu erreichen. Bislang war unser Leben - wie bereits in dem einleitenden Kapitel zur Bildung angesprochen - in verschiedene Lernphasen unterteilt. Sie waren individuell unterschiedlich stark ausgeprägt, eines aber war gleich: Das Aufnehmen von Information geschah hauptsächlich im Hinblick auf ein Ziel. Dieses Ziel war dann gleichzeitig der Endpunkt des Bildens. In der Schule war es die mittlere Reife, das Abitur, in der Lehre die Gesellenprüfung und dann die Meisterprüfung oder im Studium das Examen und im Beruf schließlich weitere Qualifikation im Sinne einer optimalen Karriereplanung. Immer oder meistens war Bildung vor allem Mittel zum Zweck, selten ein Wert an sich. Parallel dazu existierte allerdings immer ein »lebenslanges Lernen«, und zwar in der Auseinandersetzung mit der Umwelt. Früher war es z. B. der Umgang mit der Erfindung Automobil, heute ist es vielleicht der Umgang mit dem neuen Fahrkartenautomaten an der Straßenbahnhaltestelle. Gelernt werden muß auch am Arbeitsplatz immer mehr und immer schneller. Neue Produktionstechniken, neue Werkstoffe, komplizierte Technologien, Märkte, die sich ständig ändern - das alles erfordert permanente Aufmerksamkeit und Aufnahmebereitschaft. Gleichzeitig ist die Technik zunehmend so ausgereift, daß sie uns nicht mehr negativ, sondern positiv fordert. Früher mußten wir uns nach ihr richten, langwierige Lehrgänge wurden besucht, um z. B. mit einem Computer umgehen zu können. Mittlerweile richtet sich die Technik nach ihren Anwendern. »Plug and play« ist ein Schlagwort dieser Entwicklung: Die Techniker haben gelernt, daß es nicht darauf ankommt, was eine Maschine kann, sondern darauf, wie stark der Anwender Technik ausnutzt. Technologien, die zu kompliziert sind und daher vom Anwender nicht verstanden werden, setzen sich am Markt nicht durch. Ergonomische Konzepte sind insofern in der Technik fast selbstverständlich geworden. Der Durchbruch für den schon vorgestellten dänischen Pilotversuch gelang nach der Aussage des Projektleiters Jens Kromann erst, nachdem die Teilnehmer alle Funktionen durch die Fernbedienung erledigen konnten. Wenn die unterschiedlichen Geräte sprachgesteuert sein werden, dann wird dies einen neuen Akzeptanzschub initiieren. Dennoch wird das »lebenslange Lernen« unabdingbar werden, wenn auch in einem spielerischen Sinne. Schon heute fällt in der Generation der Sechzigjährigen auf, daß für viele der Computer immer noch das unbekannte Wesen ist. Diese Männer und Frauen kamen mit der neuen Technik nie direkt in Berührung, sie nahmen am Lernprozeß daher auch nicht teil. Im Gegensatz dazu weiß heute jedes zwölfjährige Kind, wie ein PC an-, aus- und umzuschalten ist. Spielerisch haben sich diese Kinder mit der neuen Technik vertraut gemacht, und spielerisch werden sie diesen Umgang perfektionieren. Die Technik entwickelt sich jetzt so schnell, daß jeder permanent lernen muß, um mit den Veränderungen der Umwelt überhaupt zurechtzukommen und um mitreden zu können. Gleichzeitig verändert sich das Verhältnis von Mensch und Maschine: Aus »Gegnern« werden »Freunde«, die sinnvoll kooperieren. So erhält der Begriff Aktualität eine neue Dimension, und das Wissen durch diese Aktualität wird zunehmend von Beherrschung der Komplexität und Interdependenz geprägt sein. Ein ständiger Aktualitätsdruck ist bereits heute vorhanden. Ihm standzuhalten bedeutet Streß und Anspannung. Zukünftig wird es uns wohl leichter fallen, dem Druck standzuhalten. Die Technik wird zu einer besseren Selektion führen, sie wird sich durch ihre eigenen Möglichkeiten beherrschbarer und spielerisch erlembar machen. Das neue Motto wird heißen: Lust auf Lernen statt Frust beim Lernen. So kann man sich beispielsweise einen neuen Brockhaus vorstellen. Er wird zum Lesebuch des Wissens, allein durch völlig neue, unterhaltende Präsentationsformen. So kann es direkt spannend sein, den einzelnen Verweisen bei Begriffserklärungen nachzugehen ... Schon heute sind wir einer gewaltigen Informationsflut ausgesetzt. Das Weltwissen vergrößert sich um ein Vielfaches schneller als noch in den fünfziger und sechziger Jahren. Die Nachrichten erscheinen als Zusammenstellung der Katastrophen vom Tage. Tausendundeine Zeitung erscheinen auf dem Markt, unzählige Publikationen stehen für jedes Fachgebiet. Egal wo und wie wir Nachrichten aufnehmen es ist und bleibt nur ein kleiner Ausschnitt der tatsächlichen Ereignisse. Für den Laien ist es schier unmöglich, die verfügbare Information in Schubladen geordnet im Kopf abzulegen. Vielen fehlt zudem die Hintergrundinformation. Diese kann das Medium nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung stellen. Zu begrenzt ist der Platz, zu drängend die Aktualität. Mit den neuen Kommunikationsmöglichkeiten ist es wesentlich leichter, Informationen abzurufen, zu selektieren und aufzunehmen. Die Anwendung an der Medienstation ist denkbar einfach: Es wird als Bereich z. B. das jeweilige Land, Geschichte und 19. Jahrhundert angewählt, und schon gibt die Medienstation die benötigte Information aus. Auch heute kann man sich diese Informationen beschaffen. Doch wie ungleich schwieriger gestaltet sich dieses Unterfangen, wieviel mehr Zeit ist notwendig, wenn man in Zettelkästen nach der geeigneten Literatur suchen und diese dann letztendlich stark selektieren und lesen muß. Es muß so sehr viel Material gesichtet und verarbeitet werden, bis die eigentlich interessanten Informationen gefunden sind. So mußten die Autoren beispielsweise auch für dieses Buch unglaublich viele andere Bücher exzerpieren, von denen nur Teilaspekte interessant waren. Wieviel einfacher wäre es gewesen, hätte man mit einer einfachen Anfrage das vorhandene Wissen zur »multimedialen Gesellschaft« abfragen können. Und ebenso wird es auch den Lesern dieses Buches gehen. Möglicherweise sind für den Einzelnen nur ausgewählte Aspekte interessant. Trotzdem wird er sich durch den Gesamtumfang des Buches durchkämpfen müssen. Insgesamt wird deshalb oft dem aktuellen Bedürfnis, den Hintergrund mit einbeziehen zu können, nicht ausreichend Rechnung getragen. Mit der Medienstation als Abfrage- und Researchmittel wird die Hintergrundrecherche zum Vergnügen. Nach der vorherrschenden Methode schluckt sie kostbare Zeit und wird zur mühsamen Arbeit. Auch historisches Wissen - und nur der Mensch, der um die Geschichte weiß, kann bekanntlich »vernünftige« Zukunftsentscheidungen treffen - gilt dann nicht mehr als spröde, langweilig und trocken. Es wird Freude machen, sich mit den neuen »Research-Techniken« diesen Themenbereichen zu stellen, sie zu erforschen und sich anzueignen. So werden uns Simulation und Virtualität ermöglichen, z. B. die römische Zeit »nachzuerleben«, und das nicht nur aus der Phantasie des Autors von Ben Hur, sondern entwickelt an historischen Überlieferungen. Eine Art moderner Zeitmaschine erscheint möglich. Kurzum, Lernen - oder besser Bildung - und Tagesinformation werden fester und permanenter Bestandteil des Lebens, werden zur Qualität an sich, werden spannend und werden nicht mehr elitär sein, sondern als Gemeingut gelten. Generalismus - mutiger Rückschritt zur Vernunft »Die Anlage zu einem Erziehungsplane muß --- kosmopolitisch gemacht werden«, forderte bereits Immanuel Kant in seiner Vorlesung 'Über Pädagogik' im 18. Jahrhundert. Faust strebte ebenfalls zum 'Allgemeinen', wenn er sich wünschte, daß er erkenne, »was die Welt im Innersten zusammenhält«. Er hatte sich aus diesem Grund der Magie ergeben, das fordert hier selbstverständlich niemand. Wenn heute also ein »neuer Generalismus« postuliert wird, dann ist das eigentlich nichts Neues. So formulierte beispielsweise Comenius im 17. Jahrhundert, alle Bildung gehe vom Umfassenden, allem und allen Gemeinsamen aus, und zwar von frühester Kindheit an. Das Umfassende gliedere sich dann später immer mehr in die Fülle des Unterscheidbaren. Comenius war Mitglied einer frühneuzeitlichen sozialrevolutionären und christlichen Bewegung. Er griff mit seinem Konzept auf neuplatonisch-mystische Traditionen zurück. So verweist seiner Ansicht nach jedes einzelne Element im All typologisch auf das Ganze und auf ein Absolutes. Von jedem Punkt aus und von jeder Stufe wäre daher für jeden der Gesamtzusammenhang erfaßbar. Den Gesamtzusammenhang, das Ganze zu erfassen, forderten auch andere. So schrieb Lessing über die ganze Bestimmung des »Menschengeschlechts«, Jean Paul sprach vom »Idealmenschen«, Goethe forderte in Wilhelm Meisters 'Lehrjahren' eine »allgemeine Ausbildung«, und auch Niethammer postulierte diese »allgemeine Bildung«. Bis ins 20. Jahrhundert hinein hat z. B. Humboldts Bildungstheorie als klassische Formulierung des modernen Allgemeinbildungspostulats gewirkt. Schon damals haben Humanisten und später Neuhumanisten davor gewarnt, Schulen zu reinen 'Berufsschulen' zu machen. Dort werde nur nach Verwertbarkeit des Gelernten gefragt und nicht nach dem »Allgemeinen«, dem Gemeinsamen und Umfassenden. Die Humanisten grenzen sich von Auflösungstendenzen und von Tendenzen zur Atomisierung ab. Sie beschwören die Ganzheit. Der Mensch soll nicht auf Teilfunktionen reduziert werden, das Auswahlkriterium soll nicht die Verwertbarkeit von Fertigkeiten sein. Spezialisierung wird rundweg abgelehnt und die Kenntnisnahme von Addierbarem vehement bekämpft. Die Spezialisierung und damit die Entwicklung sogenannter 'Berufsschulen', d.h. höherer Schulen, deren Fächerkanon auf Verwertbarkeit im industriellen Zeitalter hin ausgewählt wurde, dominierten in den fünfziger und sechziger Jahren, eigentlich bis heute. Heftige Diskussionen über Sinn und Unsinn humanistischer, allgemeiner Bildung auf der einen und neusprachlich-technischer Bildung auf der anderen Seite wurden geführt. Diese Stufe der Entwicklung - determiniert durch wirtschaftliche Bedürfnisse - kann jetzt durch die technologischen Möglichkeiten überwunden werden. Die Fürsprecher der neuen Bildungsideale verweisen wieder auf Humboldt et al. oder handeln getreu dem Ausspruch von Karl Kraus: »Echte Avantgarde ist nichts anderes als der mutige Rückschritt zur Vernunft« (FAZ-Magazin Nr. 337, vom 15.8.1986, S.43), wobei den Autoren dieses Buches klar ist, daß mit der Gleichsetzung von Humanismus und Vernunft eine klare Wertung im Raum steht. Verwertbares Wissen, Sachinformationen und Spezialwissen sind über neue Technologien jedem zugänglich. Daher können in Schule und Ausbildung die Prioritäten verschoben und kann das »Ganze« wieder in den Vordergrund gerückt werden. Neben die Spezialisierung, die je nach beruflicher Perspektive notwendig ist, tritt die Möglichkeit, sich einer ganzheitlichen Bildung zuzuwenden. Das »Entweder-Oder« löst sich auf. Damit einher wird eine neue Abgrenzung gehen. Immer jedoch besteht die Möglichkeit, je nach Veranlagung Wissen zu konsumieren - Wissen und Bildung. Es sei in diesem Zusammenhang dahingestellt, inwieweit sich der menschliche Horizont schon dadurch erweitern läßt, daß dann Möglichkeiten dasein werden, unter optimalen lernpsychologischen Bedingungen Wissen zu erfahren. Neue Technologien sind sogenannte »Integrationstechnologien«. Das heißt, sie können die Aufgaben zusammenführen, die mit der ersten industriellen Revolution auseinanderfielen. Die Forderung für die Zukunft lautet also: Wir brauchen gebildete Menschen, die fähig sind, in einer Welt, die immer mehr in Einzelinformationen und in Atome zerfällt, Gesamtzusammenhänge zu erkennen, zu abstrahieren, übergreifende Schlüsse zu ziehen und damit Handlungsperspektiven zu eröffnen. Das heißt, wir haben künftig die Chance einer am Generalismus sowie am Spezialismus orientierten Bildung. Diese Auflösung der Abgrenzung ist erst durch die »neuen Medien« möglich, durch diese aber auch notwendig geworden. Hinzu tritt die Beherrschung von Komplexität. Informationsvielfalt und Omnipräsenz von Information erhöhen den Reiz, Dinge in ihrer Komplexität zu erfahren. Daraus ergibt sich allerdings die Forderung, Komplexität im Dienste von Erkennbarkeit und Klarheit reduzieren zu müssen. An dieser Stelle ist dann die »Intelligenz« der multimedialen Soft- und Hardware gefragt: Der Anwender darf mit diesen Herausforderungen nicht allein gelassen werden, Soft- und Hardware sollten einen Beitrag zur Strukturierung leisten. Den meisten wird er wohl bekannt sein, der Werbeslogan einer bekannten Tageszeitung: »Dahinter steckt immer ein kluger Kopf«?! Mit Hilfe dieses Slogans wurde die Zeitung zum Symbol für Kompetenz, die eine breite Wissensbasis hat. Hier wird Wissen und damit Kompetenz durch das Medium der Tageszeitung als Statussymbol gewertet. Diese Entwicklung wird im Zuge der immer größeren Zugänglichkeit von Wissen voranschreiten. Das Wissen wird zum Wert an sich. Es wird sich allerdings nicht primär durch kluges Handeln oder Reden dokumentieren. Wer gebildet ist, der kann das beispielsweise durch seine Kleidung und seine Frisur zeigen. Hierzu gehören der Drang zur neuen Ästhetik, die Renaissance der Künste und des Designs. Schaut man sich z. B. den Markt für Brillenfassungen an, so wird deutlich, daß solche Gegenstände mehr und mehr ihren eigentlichen Nutzen verlieren und zu Symbolen des »neuen Ichs« werden. Damit sind Aktentaschen ebenso wie Sticker von Lions-Clubs gemeint. Es soll keinem neuen Hedonismus das Wort geredet werden, es geht lediglich darum, anhand heute schon erkennbarer Zeichen Trends aufzuzeigen. Wir sind auf dem Weg dazu, immateriellen Gütern »Aussehen« zu verleihen und damit gesellschaftliche Reputation zu verschaffen. Diese Entwicklung wird durch den Einsatz der neuen Technik verstärkt. Man will dazugehören, will keine Randgruppe, sondern integriert sein. Für Teenager waren Marken-Jeans ein absolutes »Muß«. Ist man mit einer billigen Hose auf den Schulhof gekommen, dann wurde das von allen registriert. Die erste Dauerwelle bei den Mädchen sollte nicht zuletzt eine gewisse Entwicklungsstufe ausdrükken. Ohne Schulranzen auf dem Rücken, dafür lässig eine Tasche unter dem Arm auch das ein Zeichen dafür, daß man die Unterstufe lange hinter sich gelassen hatte. So sind wir seit unserer Kindheit von einem »Zeigebedürfnis« determiniert, von Äußerlichkeiten, die Abgrenzung bzw. Zugehörigkeit symbolisieren sollen. Der Porsche oder die »S-Klasse« - Ausdruck für jemanden, »der es zu was gebracht hat« - haben schon weitgehend ihre Symbolfunktion verloren. Der Handel mit Doktortiteln floriert vor allem in gesellschaftlichen Kreisen, die glauben, Geld allein reiche nicht, akademische Würde sei das Nonplusultra. Der HighSociety des Geldes macht zunehmend eine High-Society des Geistes Konkurrenz. Am Porsche interessiert höchstens das Autotelefon, denn telefonierende Männer oder Frauen im Auto müssen sehr wichtig sein: Sie sind scheinbar zu keiner Sekunde unabkömmlich. Als »wichtig« wollen viele gerne angesehen werden, deshalb kamen auch die Autotelefonattrappen in Mode. Es war einfach schick, mit 180 Stundenkilometern über die Autobahn zu rasen, den Hörer ans Ohr zu pressen und fiktive Laute auszustoßen, die niemand hören konnte. Der Gipfel der Lust allerdings war es, wenn an der roten Ampel ein ehrfürchtiger Blick aus dem Nachbarauto auf die scheinbar unablässig telefonierende Person fiel. Dieses Spiel wurde bald durchschaut, und heute hat das Funktelefon seine ursprüngliche Faszination weitgehend verloren. Die »High-Society des Geistes« jedoch ist immer mehr auf dem Vormarsch. Sie grenzt sich durch ganz bestimmte Symbole von anderen Gruppen ab und entwickelt eine immer stärker werdende Dominanz. Die Möglichkeiten der »multimedialen Gesellschaft« zielen also vor allem auf geistige Güter und Kommunikation ab. Eine »Entmaterialisierung« ist die Folge dieser Entwicklung. Man braucht keine Bibliothek, um Zugang zum Wissen zu haben. Man braucht kein repräsentatives Büro, das dokumentiert: »Hier sitzt der Chef«, da auch Managementaufgaben vom Hometerminal erledigt werden können. Der aufgeschaltete Unternehmensberater wirkt nicht durch die Inszenierung seines Auftritts, sondern allein durch die Inhalte, die er zum konkreten Sachthema beitragen kann. Menschen haben seit Urzeiten das Bedürfnis, das, wofür sie stehen, zu zeigen und sich damit in der Gesellschaft zu profilieren. Die multimediale Gesellschaft wird neue Arten der Darstellung und neue Profilierungen hervorbringen. Es liegt im Trend, sich ein neues Image zu formen. Im Mittelpunkt des Images steht die Intellektualität, steht aber auch das Individuelle und damit Besondere. Alle drei gehen Hand in Hand und sollen Persönlichkeit, den bewußten und damit geistvollen Umgang mit sich selbst ausdrücken. Die »Neue Ästhetik« in Lebensraum, Arbeitswelt und am Menschen kennt als Kriterium nicht mehr ausschließlich das Geld, sondern vor allem die Persönlichkeit. Eine Persönlichkeit, die für »Geist« steht. Mit dieser Stilisierung soll also etwas ganz Bestimmtes ausgedrückt werden. Und ganz gleich, ob man wirklich zur »High-Society« des Geistes gehört oder nicht, jeder oder fast jeder glaubt, wenn er mit bestimmten Symbolen konfrontiert wird: Das, was dahinter steckt, hat Qualifizierung, oder: »Dahinter steckt immer ein kluger Kopf.« URL dieser Seite: © 1994 Campus Verlag GmbH, Frankfurt/Main |
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