Hamburg,
07. Dezember 1999
Verstehen und Verständigung –
Die Rolle der Ethik im Austausch der Kulturen
Björn Engholm und Dr. Klaus Murmann diskutieren
beim "Deutschen Netzwerk Wirtschaftsethik" in Kiel
"Wer nicht mehr naiv ist, ist für das Leben verloren!",
konterte Björn Engholm die Vorhaltungen seiner Mitstreiter auf dem
prominent besetzten Podium. Der ehemalige schleswig-holsteinische
Ministerpräsident war gestern gemeinsam mit Dr. Klaus Murmann, dem
langjährigen BDA-Präsidenten, Dr. Annette Kleinfeld,
Vorstandsmitglied des Deutschen Netzwerk Wirtschaftsethik (dnwe) und
Roland Bickmann, Unternehmensberater und Publizist aus Hamburg zu
einer Diskussionsveranstaltung nach Strande (bei Kiel) gekommen.
Über 70 interessierte Gäste folgten dem Diskurs "Verstehen
und Verständigung – Die Rolle der Ethik im Austausch der
Kulturen". Im Mittelpunkt stand die Vereinbarkeit von ethischen
Grundsätzen und wirtschaftlicher Realität. Wie Frau Dr. Kleinfeld
einleitend bemerkte, finden sogenannte "Business-Ethics-Initiativen"
als originär amerikanischer Trend in Form von Ethik-Kodizes,
Ethik-Programmen und Ethik-Audits auch in Deutschland zunehmend
Beachtung.
Der Zeitverzug ist schwer nachvollziehbar, liegen doch laut Engholm
die Wurzeln dieser Bewegung bei den deutschen Ethikern
Kant, Jonas und Weber. Unabhängig davon konstatierte er ein Versagen
der imperativen Ethik durch nationale Gesetze und Richtlinien im
Zeitalter der Globalisierung. Engholm sieht hier jedoch eine Chance
für Unternehmen und Unternehmer, das entstandene Vakuum mit eigenen
ethischen Standards zu füllen.
Murmann, obwohl in der Analyse mit Engholm einig, widersprach
dessen Optimismus bezüglich der Akzeptanz von ethischem Überlegungen
in der Wirtschaft, insbesondere im weltweiten Maßstab. Auch Bickmann
riet aus seiner Erfahrung als Unternehmensberater zur Differenzierung:
"Der Verhaltensunterschied zwischen einem mittelständischen,
persönlich haftenden Gesellschafter und einem "Raffzahn-Manager
mit Zeitvertrag" innerhalb einer Aktiengesellschaft ist
enorm!". Mit der aktuellen Diskussion über die Entschädigung
der NS-Zwangsarbeiter sowie dem Dauerthema Bauindustrie (Bickmann:
"Deutsche Baukonzerne sind Marktführer in Sachen
Korruption") hatte er zwei prägnante Antibeispiele zum Thema
Unternehmensethik parat.
Dennoch, es gab auch Positives zu vermelden: Engholm nannte die
Lübecker Draegerwerk AG als gutes Beispiel für ethisch orientierte
Unternehmensführung, Kleinfeld führte das
"Ethik-Management-System" des Verbandes der bayerischen
Bauindustrie ins Felde und Murmann lobte den ethischen Konsens
zwischen Management und Gewerkschaften bei der von
ihm betreuten Sanierung des Bielefelder Maschinenbauers Gildemeister.
Laut Murmann wird sich dieser weitgehende gesellschaftliche Konsens
in Sachen Moral, Verantwortung und Ethik in Deutschland längerfristig
nicht nur in den Unternehmen durchsetzen, sondern sich gar zunehmend
als Wettbewerbsvorteil erweisen. Ein führender japanischer Manager
habe ihm bei seinem Abschied aus Deutschland verraten, daß japanische
Unternehmen vor allem deshalb kaum in Ostdeutschland investierten,
weil sie Angst hätten, sich dem Wettbewerb mit ihren Lehrmeistern zu
stellen. "Die vielgerühmten japanischen Tugenden stammen
eigentlich aus Deutschland und sind folglich bei uns Deutschen ohnehin
genetisch verankert", so sein hoffnungsvolles, wenn auch leicht
ironisches Resümee.
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Bilder zur Veranstaltung:
Roland Bickmann & Dr. Klaus Murmann
Björn Engholm & Dr. Annette Kleinfeld
dnwe / Sektion Nord
c/o Bickmann & Collegen Unternehmensberatung
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