Welche Institutionen braucht Wissen in der Informationsgesellschaft?Meine Damen, meine Herren, es ist schon erstaunlich, dass ein Unternehmensberater zu diesem Thema zu Ihnen gekommen ist. Deshalb möchte ich Ihnen gleich mit zwei/drei Bemerkungen andeuten, warum sich ein Unternehmensberater mit Zukunftsthemen wie der Informationsgesellschaft auseinandersetzt oder auseinandersetzen muss. Meine Spezialitäten im Bereich der Unternehmensberatung sind die Themen Corporate Identity und Corporate Culture, und eine weitere Spezialität ist die Entwicklung von Zukunftshorizonten landläufig ein schlimmes Wort, gleichwohl: Visionen für Unternehmen. Wenn man sich mit Visionen und Langfristhorizonten beschäftigt, kommt man nicht umhin, sich um die Zukunft Gedanken zu machen, und das war mein Einstieg in die Thematik der Informationsgesellschaft: die Informationsgesellschaft als ein Zukunftsszenario, in das Unternehmen migrieren müssen. Wenn man Unternehmen richtig versteht, kann man sie nicht außerhalb der Gesellschaft betrachten, sondern man muss natürlich die Verbindung von Unternehmen in der Gesellschaft und mit der Gesellschaft sehen. Und so ist meine eigene Geschichte ungefähr seit zehn Jahren die Beschäftigung mit dem Thema Informationsgesellschaft. Ich stelle sehr oft fest, dass wir mit sehr traditionellen Paradigmen die eigentlichen Herausforderungen diskutieren. Ich möchte Ihnen darum eine ganz einfache Darstellung dessen geben, was der Begriff "Informationsgesellschaft" bedeutet. Um zunächst den Status quo knapp zu beleuchten: Eine der Voraussetzungen der Informationsgesellschaft ist in technologischer Hinsicht die Konvergenz von Basistechnologiefeldern. Computing, Telekommunikation, Audio, Video sowie Software und Medien wachsen zusammen. Das klingt immer sehr salopp und einfach: "die wachsen dann zusammen", auch auf Unternehmensebene: Sie lesen dann in den Zeitungen, dass momentan jeder mit jedem heiratet, es ist das Zeitalter der Allianzen - doch so einfach ist es nicht. Stellen Sie sich vor, dass ein beturnschuhter Mitarbeiter von Bill Gates einem guten alten Beamten von Herrn Telekom begegnet: Herr Sommer kann mit Bill Gates tolle Allianzen machen, doch was im Anschluss daran sozusagen "real unten drunterläuft", ist eine andere Geschichte. Man soll es auch nicht übertreiben. Gleichwohl ist es ein Makrotrend in den Unternehmen, die technologischen Voraussetzungen dafür zu schaffen, Informationstechnologie integriert anzubieten. Das heißt landläufig "Multimedia", und industriepolitisch gesehen ist es das Thema Konvergenz. Industriell bedeutet das eben auch - Sie erleben das an Fällen wie Grundig, an Problemen wie zum Beispiel Philips -, dass natürlich das Neue noch nicht positioniert ist. Es gibt keinen klaren Marktführer, es gibt niemanden, der der Player der Zukunft ist. Es findet momentan einfach ein großes Mixup statt, ein industrielles Riesen-Monopoly, bei dem eine Folge bereits klar erkennbar ist, und zwar, dass die traditionellen Branchen erodieren. Das war Grundig, das war aber auch ein weiterer Fall, von dem Sie vielleicht jetzt gehört haben: Compaq kauft Digital Equipment. Da sind große Rochaden unterwegs, immer vor dem Hintergrund der multimedialen Technologien und der neuen Integrationsoptionen. Das Ganze hat aber auch eine soziale Dimension, und das ist die eigentlich entscheidende: Wir können erst dann von einer Informationsgesellschaft reden, wenn diese Informationsgesellschaft ihre Nutzer erreicht. Wenn Sie Straßen bauen und niemand benutzt Autos, dann haben Sie nette Straßen, aber keinen Verkehr darauf. Es sei daher noch einmal industriekritisch angebracht, dass die Perspektive zur Informationsgesellschaft im Moment noch in den Kinderschuhen steckt, da ich glaube, dass die ergonomischen Voraussetzungen nicht gegeben sind. Wenn wir über eine gesellschaftliche Infrastruktur reden, dann reden wir nicht über 2 Millionen User. Wenn ich eine Infrastruktur haben möchte, eine soziale Infrastruktur, dann muss ich in der Größenordnung von 10 Millionen, 20 Millionen, 30 Millionen Applikationen und ihren Usern reden. Erst dann kann ich von einem wirklich gesellschaftlichen Ausmaß reden. Dies zum Kontext der technologischen Infrastruktur. Als kleiner Hinweis, was die Technologieakzeptanz betrifft: nach einer Statistik, die der Spiegel Ende 1997 gebracht hat, ist mit 98 Prozent nach wie vor der Farbfernseher führend. Der Internetzugang folgt weit abgeschlagen mit einer Quote von 10 Prozent. Man sollte also die Kirche im Dorf lassen. Gleichwohl ist es sinnvoll und vernünftig, den Ausblick zu wagen und zu sagen: In der Tat, wir stehen vor einer neuen Qualität, die wir mit "Informationsgesellschaft" beschreiben können. Die technologische Basis ist die Konvergenz der Basistechnologien, die ich bereits genannt habe. Dabei ist nach gegenwärtigem Status ein wesentlicher limitierender Faktor, dass aufgrund des "industriellen Monopolys" vielfach akzeptierte Standards fehlen. Die Folge ist eine hohe Unsicherheit bei den Benutzern. Denken Sie allein schon an die Geschichte des High Definition-Fernsehens (HDTV). In dem weit komplexeren Kontext, über den wir hier sprechen, steht in noch weit größerem Ausmaß diese Technologiefrage unbeantwortet im Raum. Dennoch habe ich dieses Bild überschrieben mit "Mut zu Multimedia". Warum? Es ist klar erkennbar, dass es eine Sozialtechnik geben wird, die vergleichbar ist mit dem Telefon. Stellen Sie sich einen ergonomischen Sprung vor, der die Phantasie entscheidend beflügelt. Das ist die Vorstellung, dass diese ganze integrierte Technologie, neuenglisch gesprochen, "voice driven" funktioniert, zu deutsch sprachgesteuert - dass man also nicht mehr die jetzt konventionelle Tastatur, salopp gesprochen "Hackbrett", nutzen muss, sondern dass man im gesprochenen Dialog steht mit einer komplexen technologischen Welt. Mit dieser Vorstellung im Kopf wird deutlich, dass die ergonomische Frage, die heute offen ist, in der Zukunft sehr viel eleganter zu beantworten sein wird. Es ist mit Sicherheit eine technologische Infrastruktur von morgen, es ist die Basis der Wettbewerbsfähigkeit von morgen, und es ist der Beginn einer anderen Gesellschaft, der Online Society, CyberSociety, oder wie immer man sie bezeichnen möchte. Der amerikanische Präsident Bill Clinton und sein Vize Al Gore haben vor zwei/drei Jahren erklärt, dass die Informationstechnologie die Schlüsseltechnologie im 21. Jahrhundert für die US-Amerikanische Welt sei und eine solche Erklärung hat Folgen: wenn Sie diese Technologie flächendeckend nutzen, haben Sie spezifische Effekte. Einer dieser Effekte ist zum Beispiel Geschwindigkeitsgewinn, ohne dass sich eigentlich jemand schneller bewegen muss. Es gibt ein ganz einfaches Beispiel: das berühmte Arbeiten um den Globus. Wenn Sie in Amerika von Nine to Five zum Beispiel ein Softwareprojekt fahren, können Sie dieses am Ende der US-Arbeitszeit weiter nach Japan schieben, dann weiter nach Europa. Am Ende haben Sie effektiv einen 24 Stunden-Arbeitstag an einem Softwaremodell. Ich weiß, dass das ein simples Beispiel ist, aber es zeigt die Möglichkeit eines unglaublichen Speed-Gewinns. Die Folge dieses Speed-Gewinns: Wenn Sie ein Projekt haben, das, sagen wir, 100.000 Mark kostet, und für das ursprünglich zwölf Monate Entwicklungszeit eingeplant sind, und wenn Sie die eben beschriebene soziale Technik, also die Fähigkeit, um den Globus zu arbeiten, über Digitaltechnik für dieses Projekt nutzen, kostet das Projekt möglicherweise zwar immer noch den gleichen Preis, es benötigt aber nur noch vier Monate Zeit - ohne dass sich irgendjemand schneller bewegt hätte. Das ist, wenn Sie so wollen, ein ganz einfaches Beispiel dafür, welche Sprengkraft eigentlich in dieser Technologie steckt. Wenn Sie das volkswirtschaftlich begreifen - das heißt, eine Volkswirtschaft A nutzt diese Technologie und eine Volkswirtschaft B nutzt diese Technologie nicht - dann wird Volkswirtschaft B, die Gesellschaft B (denn Volkswirtschaft ist immer eine Funktion der Gesellschaft) schlicht und ergreifend den kürzeren ziehen, weil sie 'nicht mehr mithalten kann'. Ich finde diese düsteren Szenarien immer etwas problematisch. Gleichwohl bin ich, der ich in diesem Thema ja nun täglich arbeite, erschreckt, wie stark wir noch immer beharren auf unseren Standards, wie wenig radikal wir eigentlich zu denken bereit sind - denn diese neue technologische Infrastruktur hat natürlich weitreichende Folgen. Darum ein kurzer Blick auf meine Einschätzung des Standes in Deutschland. Wir haben Akzeptanzprobleme von Technologie und Technik, wir hätten es ganz gerne etwas ausgereifter, fertig. Wir haben eben nicht den amerikanischen "Plug and Play"-Ansatz, den spielerischen Ansatz. Wir haben eben keine Vision, die Clinton adäquat wäre, wo eine Bevölkerung, eine Volkswirtschaft einfach sagt: "wir benutzen eine neue Technologie". Das führt zu geringerer Flexibilisierung, Besitzstandsdenken, wir sind mit dem Aufbau Ost, mit Europa beschäftigt, sehen die Globalität allenfalls daran, dass Siemens knallschwarze Zahlen schreibt und in Deutschland Arbeitsplätze abbaut. Das ist eine Frage, die heute auch die BWLer und VWLer noch nicht beantwortet haben: wie wirken sich die technologischen Veränderungen auf gesamtwirtschaftliche Rechnungen aus? Ich sage einfach einmal ketzerisch: Wir sind kulturell sicherlich zu behäbig, und ich glaube, daß wir uns klarmachen müssen, dass wir derzeit im Begriff sind, uns mit der Follower-Rolle, mit der Rolle der Nummer zwei, abzufinden. Das ist das Szenario. Der Zweck, warum ich dieses eben so ausgeführt habe, war, noch einmal deutlich zu machen, dass Informationsgesellschaft eben keine fakultative Größe ist, über die man nachdenken oder es auch bleiben lassen kann. Über die volkswirtschaftliche Qualität, über den internationalen Wettbewerb wird die Thematik "Informationsgesellschaft" ganz elementar unsere Wirtschaft berühren. Und wenn Sie die Tatsache zur Kenntnis nehmen, dass zum Beispiel eine Firma Lufthansa AG heute ihr komplettes Ticketing in Indien abwickelt und online verbunden ist über Frankfurt, wo konkret 600 Arbeitsplätze in Indien entstehen, die vorher in Deutschland waren, dann wird deutlich, dass ganz subkutan diese Informationsgesellschaft keineswegs eine Schimäre der Zukunft ist ("schauen wir mal, dann sehen wir schon, und wenn es soweit ist, dann machen wir mit"). Sie ist ein sehr spürbarer, sehr erkennbarer und, wenn man genauer hinguckt, auch bereits erodierender Prozess. Es ist immer sehr viel einfacher, nur auf die Arbeitsplatzverluste zu gucken. Es gibt aber natürlich auch eine Menge Qualifizierungs- und Arbeitsplatzchancen. Und in dieser Weise muss man Informationsgesellschaft nicht nur als Bedrohung verstehen, sondern vor allen Dingen als Chance. Wir neigen vielleicht eher zu einer defätistischen Auffassung hinsichtlich der Informationsgesellschaft. Ich glaube jedoch, dass vor allen Dingen eine Chance damit verbunden ist. Versuchen wir den großen Bogen schlicht und ergreifend mit zwei Bildern zu dem Thema Wissenschaft, Bildung, Ausbildung: Dabei behalte ich als Hintergrund im Kopf, wie Informationsgesellschaft aussieht. Wir reden von der Wissensgesellschaft und das nächste Wort ist dann Wissensflut. Ich habe mit der Wissensflut, ehrlich gesagt, keine Probleme. Denn wenn ich heute vor dem Kiosk stehe, dann habe ich bereits heute eine Wissensflut, und zwar die der Printmedien. Ich habe ein Selektionsproblem, welche Zeitung ich denn nun lese. Also ist "Wissensflut" eigentlich kein neues Thema. Wenn sie aber technologisch begleitet wird, wenn sie mit intelligenten Suchmaschinen ausgestattet wird, dann werde ich mit diesem Wissen noch sehr viel weniger Probleme haben, weil ich Unterstützung haben werde. Ich habe meine beiden Bilder einfach einmal 'lernen' genannt. Hier noch einmal einige Erkenntnisse, die wir Herrn Professor Warnecke vom Fraunhofer Institut in Stuttgart verdanken. Ich glaube, man kann sich da um ein paar Jahre oder Stunden streiten, gleichwohl beträgt die Halbwertzeit des Wissens eines Ingenieurs circa fünf Jahre. Das ist die Positivversion. Die Negativversion heißt: wenn Sie heute ein Examen ablegen und lernen über fünf Jahre nichts dazu, dann ist Ihr Wissen (dann sind Sie) nur noch die Hälfte wert. Das ist die andere Seite. Weiter: Neunzig Prozent aller jemals arbeitenden Wissenschaftler leben jetzt. Verdopplung unseres Wissens in sechs Jahren - das heißt, wenn Sie in sechs Jahren nichts dazugelernt haben (und angenommen, sie wussten zuvor alles Wichtige in Ihrem Fachgebiet), dann wissen Sie nur noch die Hälfte des aktuellen Standes - jede Minute eine neue chemische Formel, alle drei Minuten ein neuer physikalischer Zusammenhang, alle fünf Minuten eine neue medizinische Erkenntnis. Was ich damit deutlich machen möchte ist, dass wir schon von dieser Faktenlage her gesehen nicht mehr davon ausgehen können, dass wir es mit Wissen im Sinne von erreichbarem Wissen, anstrebbarem Wissen zu tun haben - mit, sagen wir, in mir diffundiertem Wissen. Für mich - darum der letzte Satz - gibt es an sich kein "Wissen" mehr: es gibt allenfalls Kenntnisstände. Und wenn Sie heute gerade in der Wirtschaft komplexe Entscheidungen zu treffen haben, dann müssen Sie in der Lage sein, punktuell diejenigen Wissensressourcen anzuzapfen, die Sie für diese punktuelle Entscheidung brauchen. Dann können Sie sich nicht auf eine Qualifikation verlassen, die dreißig Jahre alt ist. Darum mein zweites und letztes Bild, bei dem ich sehr gerne in der Rolle des Ketzers sein möchte. Wenn wir individuell, unter uns, miteinander über das Thema "Life-Long Learning" reden, dann wird vermutlich jeder von Ihnen sagen: "Life-Long Learning", jawohl, das ist das Gebot der Stunde - vor dem Hintergrund dieses Zahlengerüstes sowieso. Wenn Sie sich aber unser Bildungssystem angucken und zur Kenntnis nehmen, dass dieses zu weiten Teilen abschlussorientiert ist, dann sehen Sie wunderbar den Konflikt: hier Life-Long Learning als Paradigma der Stunde, des Jahres oder der Zukunft, und dort Abschlussorientierung, also das Ende, der Punkt, keine Prozessorientierung. Darum folgende Frage: Wenn wir uns über Wissenschaft und Wissenschaftsstrukturen unterhalten, unterhalten wir uns eigentlich über das richtige Thema? Ist Wissenschaft in ihrer Institutionalisierung, wie wir sie heute vorfinden, überhaupt noch zukunftsfähig? Ich räume ein, das ist eine radikale Position. Nur glaube ich, dass es sich lohnt, darüber nachzudenken, vor allen Dingen vor den zuvor skizzierten Hintergründen. Wir haben ein gesellschaftliches Paradigma namens "Ausbildung, Arbeit, Alter". Das ist in der Gesellschaft verwurzelt. Ich erlebe ja täglich in den Unternehmen, dass Menschen über ihre Qualifikation in ein Unternehmen hineinkommen - und dann gibt es nur noch Unternehmensqualifikationen. Irgendwann einmal haben sie dann Erfahrungswissen, und dann werden Sie sozusagen "verwendet". Ich glaube, dass wir paradigmatisch gesehen eine Verankerung der Forderung "Bildung, mehr Bildung, noch mehr Bildung" nirgends in der Gesellschaft wirklich vorfinden, drückt ein Streben nach stabilen Zuständen aus - letztlich das Zurücklehnen in einen netten Sessel. Als ich zur Schule ging, wurde der Unterricht immer dann aufgelockert, wenn so ein Film gezeigt worden ist. Sie kennen das sicherlich auch alle: Da wurde so eine große Dampfmaschine hereingeschoben zwei großen Rollen drauf - FWU, Institut für Film und Wissenschaft im Unterricht - und dann bekam man einen Film gezeigt. Das war damals ganz toll. Ich glaube, dieses Beispiel ist nichts anderes als ein erstes multimediales Element. Und Sie sehen, dass die Pädagogik dieses multimediale Element schon sehr lange einsetzt. Ich frage mich eigentlich, wo die konsequente Anwendung der neuen, multimedialen Lerntechniken über die Pädagogik heute eigentlich gefahren wird. Es geht um eine intellektuelle Zukunftsposition, um die dieses Land kämpfen sollte. Nur fehlt sogar die strategische Grundposition, dass dieses Land dafür in besonderer Weise soziale Technologie liefert oder liefern möchte und würde. Denn, das steht auch außer Frage, es wird einen Wettbewerb der Bildungsformen geben. Wenn Sie einen amerikanischen Professor nehmen - sagen wir, einen Archäologen -, der auf seinem Helm, wenn er in der Höhle forscht, eine Kamera hat und das, was er dort sieht, realtime direkt über das Netz an jedermann auf der Welt schicken kann, dann ist das sicherlich der viel, viel interessantere Höhlenforscher als derjenige Professor, der sich erst einmal mit der Geometrie einer Höhle auseinandersetzt und die entsprechenden Rechenleistungen von seinen Stunden abzieht. Ich sage das alles ein bisschen spielerisch, mit einem Lächeln, und ich hoffe, die Nachricht dahinter kommt an. Denn wenn Sie es umgekehrt sehen, sind wir wieder bei der Frage des internationalen Wettbewerbs: wenn es um pädagogische Konzepte geht, findet der Wettbewerb bereits in den Spielzimmern der Kinder statt. Die nämlich machen das, was Spaß macht. Die Aussage, daß Kinder, die vor dem Bildschirm sitzen, per se vereinsamen und etwas Unsinniges tun, halte ich für ein Vorurteil. Ich glaube, Kinder vor dem Bildschirm können sehr, sehr kluge Dinge tun, können interaktiv, international lernend unterwegs sein. Ich finde es zum Beispiel viel, viel spannender, wenn die Kids mit ihren Freunden in Neuseeland korrespondieren und dabei Englisch lernen, als wenn Sie (überspitzt gesagt) für die Schule Mittelenglisch büffeln müssen. Noch einmal zurück zum Ernst der Sache: Wenn zum Beispiel - wir haben ja die Influenza Amerikana sehr spürbar allüberall - im Bereich der Bildungssysteme zum Beispiel die Amerikaner Weltmarktführer werden, was heißt das? Das heißt, dass wir die in Software geronnenen Lerninhalte dann über das Netz frei Haus bekommen. Es wird ein Wettbewerb der besseren Pädagogik stattfinden, ein Wettbewerb im Weltmaßstab. Das hat natürlich kulturelle Folgen: Bildungsprozesse werden abgekoppelt von geopolitischen Räumen und die Frage, mit der ich schließen möchte, steht im Raum: wollen wir uns das leisten, können wir uns das leisten? Eine letzte Schleife: entschuldigen Sie meine vorhandene Radikalität in Bezug auf das etablierte Bildungssystem - aber als ich die Einladung gelesen habe, habe ich mich schon gefragt, ob wir uns vor dem Hintergrund der Informationsgesellschaft überhaupt über die richtigen Dinge unterhalten. Unterhalten wir uns nicht zu sehr evolutionär? Und brauchen wir nicht, gerade was Bildung, Wissenschaft und Forschung betrifft, einen sehr viel radikaleren Ansatz, um wieder das zu erreichen, woher wir eigentlich kommen - nämlich eine weltführende Position in diesen Inhalten? Schönen Dank. URL dieser Seite: |
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